blz_logo12,9

Peng Collective: Berliner Aktionsbündnis kapert Werbeaktion der Bundeswehr

Mit einer eigenen Homepage, die der Kampagne der Bundeswehr zum Verwechseln ähnlich sieht, will Peng Collective Jugendliche vor einem Bundeswehr-Beitritt warnen.

Mit einer eigenen Homepage, die der Kampagne der Bundeswehr zum Verwechseln ähnlich sieht, will Peng Collective Jugendliche vor einem Bundeswehr-Beitritt warnen.

Worum geht‘s?

Eigentlich wollte und will die Bundeswehr junge Menschen für eine Karriere beim Militär begeistern. Deshalb baute sie eigens eine Homepage, stilecht mit camouflagefarbenem Hintergrund und blogähnlich eingebetteten PR-Videos. Die Kampagne „Mach was wirklich zählt“ wirbt so für mehr als 4 000 Berufe bei der Bundeswehr: Offiziere werden gesucht, die eine Führungspersönlichkeit haben oder Sanitäter, die Soldaten retten. So weit, so werbewirksam. Von Krieg, posttraumatischen Störungen oder Todesfällen ist da keine Rede. Das wiederum stört das Peng Collective.

Wer ist das Peng Collective?

Das Berliner Aktionsbündnis ist schon oft mit kreativen, meist subversiven und immer politischen Aktionen aufgefallen. Erst Anfang des Jahres hatten sie den zweifelhaften Esoterik-Sender „AstroTV“ gekapert und einen falschen Clown in die Livesendung geschleust. Ziel: Die Aktionskünstler wollen dem Sender die Lizenz entziehen.

Nun klärt das Kollektiv in einer Anti-Kampagne auf der Homepage „Mach was zählt“ über die andere Seite des Militärdienstes auf. Dazu haben sie eine Internetseite ganz im Camouflage-Stil der Bundeswehr-Kampagne programmiert. Sie sieht täuschend echt aus. Denn geht es nach Peng, ist es so gar nicht cool, Soldat oder Soldatin zu werden. Was bei der offiziellen Werbekampagne der Bundeswehr fehlt, wird auf der Homepage des Aktionsbündnisses mit kritischen Fragen und Zahlen ergänzt.

Du glaubst es ist cool, Soldat/in zu sein?

So wird jede zweite Frau in der Bundeswehr sexuell belästigt. Jeder vierte Soldat stuft sich selbst als rechts ein. Mehr als 100 Soldaten sind seit 1992 bei Auslandseinsätzen gestorben. Fast 30 Millionen Euro gab das Bundesministerium für Verteidigung für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit aus.

Dass die Bundeswehr nicht darauf hinweist, kritisiert Peng Collective. „Der Auslandseinsatz ist kein großes Abenteuer mit Kamerad/innen. Die Realität von Krieg und Tod ist für viele der reinste Horror. Du wirst Dinge sehen und erleben, die dich für immer verändern werden“, schreiben sie auf ihrer Seite.

Stimmen die Zahlen denn?

Die Zahlen werden mit Quellenverweisen vom Bundesministerium der Verteidigung, vom deutschen Bundestag und von der Bundeswehr selbst belegt. Wer jetzt zweimal überlegt, eine grün-braune Uniform überzustreifen, dem bietet das Peng Collective noch eine Auswahl „sinnvoller Berufe“, die die „Gesellschaft wirklich voranbringen“: Krankenpfleger, Erzieher, Lehrer oder Arbeit mit Geflüchteten.

Was sagt Twitter dazu?
Die Twitter-Gemeinde erfreut sich an dieser Vorlage und wirft die Flinte wortwörtlich ins Korn der Bundeswehr. Ein Best-of: