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Nach Silvesterübergriffen in Köln: 350 Stunden Videomaterial müssen analysiert werden

31 Verdächtige hat die Kölner Polizei namentlich identifiziert.

31 Verdächtige hat die Kölner Polizei namentlich identifiziert.

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dpa

Was hat die für den Bahnhof zuständige Bundespolizei bisher ermittelt?

Die Bundespolizei habe 31 Verdächtige namentlich identifizieren können, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Freitag in Berlin. Zwei Drittel dieser Männer seien Asylbewerber. Konkret gehe es um neun Algerier, acht Marokkaner, vier Syrer, fünf Iraner, einen Iraker, einen Serben, einen Amerikaner und zwei Deutsche. Ihnen werde vorgeworfen, Diebstähle und Körperverletzungen begangen zu haben. Es seien auch drei Anzeigen wegen sexueller Delikte bei der Bundespolizei eingegangen, dazu hätten aber bisher keine Verdächtigen ermittelt werden können.

Wie ist der Stand der Ermittlungen bei der Kölner Polizei?

Bis zum Freitag seien rund 170 Anzeigen erstattet worden, drei Viertel davon hätten einen sexuellen Hintergrund, teilte ein Behördensprecher mit. Außerdem lägen 350 Stunden Videomaterial über die massiven Ausschreitungen auf dem Bahnhofsvorplatz vor. Etwa 250 verschiedene Daten müssten ausgewertet werden.

Wo gab es Silvester ähnliche Vorfälle wie in Köln?

Die Hamburger Polizei berichtet von 70 Strafanzeigen. In sieben Fällen habe ihre Behörde bereits alle Unterlagen für die Ermittlungen erhalten, konkrete Tatverdächtige gebe es aber nicht, sagte Oberstaatsanwältin Nana Frombach. Anzeigen wegen sexuellen Belästigungen in der Silvesternacht gibt es mittlerweile auch in Berlin, Stuttgart, München, Dortmund, Düsseldorf, Bielefeld und Frankfurt am Main. Aufmerksam gemacht durch die Ereignisse in Köln, meldete jetzt die Polizei der finnischen Hauptstadt Helsinki drei Anzeigen wegen ähnlich gelagerter Belästigungen an Silvester.

Handelte es sich in Köln um organisierte Verbrechen?

Die Kölner Staatsanwaltschaft geht davon aus. Mittlerweile ausgewertete Videos und Berichte verdeckter Fahnder scheinen das zu bestätigen. Gegen Mitternacht postierte sich eine besondere Tätergruppe vor dem Haupteingang des Bahnhofs. Die meist in Trainingskleidung auftretenden Männer sollen im Gegensatz zu zahlreichen Landsleuten nüchtern gewirkt haben.

Die 150 bis 200 Personen starke „Sportler-Gruppe“, wie sie polizeiintern genannt wird, begrapschte und beraubte Frauen, die in den Bahnhof flüchten wollten. Dabei wurden sie offensichtlich von anderen Nordafrikanern und Arabern so abgeschirmt, dass Angehörige der Opfer und auch Polizeibeamte nicht mehr eingreifen konnten. Dem Vernehmen nach ermittelt die Polizei schon seit längerem gegen organisierte Banden aus Marokko, Tunesien und Algerien, die über die Balkanroute als angebliche Flüchtlinge nach Deutschland kommen.

Waren auf der Domplatte und am Hauptbahnhof hauptsächlich Flüchtlinge?

Bei den „durchgeführten Personalienfeststellungen“ konnte sich der „überwiegende Teil der Personen lediglich mit einem Registrierungsbeleg als Asylsuchender“ des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ausweisen, heißt es in einem internen Polizeibericht vom 2. Januar. Und weiter: Kurz vor 23 Uhr hätten Beamte im Bereich Roncalliplatz/Domplatte/Bahnhof „mehrere tausend Personen mit Migrationshintergrund, vermutlich mit Flüchtlingsbezug“ festgestellt. Die jungen Männer hätten sich „völlig unbeeindruckt“ von polizeilichen Ansprachen gegeben und weiter an ihren „gefährlichen Verhaltensweisen“ festgehalten, beispielsweise indem sie mit Böllern und Raketen auf Menschen gezielt hätten.

Wie geht es jetzt weiter?

Am Montag wird Minister Ralf Jäger (SPD) den Rechenschaftsbericht der Kölner Polizei im Innenausschuss des Landtages vorlegen und bewerten. Beantragt wurde die Aufarbeitung von der CDU-Fraktion.


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