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Silvester am Kölner Hauptbahnhof: Kriminologe sieht Ereignisse als "überraschendes Phänomen"

Frank Neubacher (48) ist Direktor des Instituts für Kriminologie an der Universität zu Köln.

Frank Neubacher (48) ist Direktor des Instituts für Kriminologie an der Universität zu Köln.

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picture alliance / dpa

Köln -

Der Kölner Kriminologe Frank Neubacher sieht in den Ereignissen vom Kölner Hauptbahnhof ein „in gewisser Weise überraschendes Phänomen“. Sollte es tatsächlich Absprachen unter einer großen Zahl von jungen Männern gegeben haben, wäre das aus kriminologischer Sicht eine neue Form der Gewalt, sagte der Jura-Professor der Uni Köln. Zwar seien sexuelle Belästigungen aus Gruppen junger Männer, unabhängig von ihrer Herkunft, keine Seltenheit, „aber dabei handelt es sich meist um Kleingruppen von drei bis fünf Personen“.

Nicht ausgeschlossen ist aus Neubachers Sicht, dass der kulturelle Hintergrund der Männer die Taten zumindest beeinflusst hat: „Es kann eine Rolle spielen, dass in anderen Kulturkreisen auf andere Weise als bei uns auf Frauen geblickt wird“, sagt er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Allerdings sei der sexuelle Angriff auf eine Frau auch dort verboten und werde bestraft. Er glaube deshalb nicht, „dass andere Rechtsvorstellungen hier eine Rolle spielen“, meint der Professor. Die Männer waren sich nach seiner Analyse also über die Schwere ihrer Taten absolut im Klaren. Schon eher hätten sie die Gelegenheit in der Silvesternacht für günstig gehalten.

Situation verleitete zu Straftaten

Den Zeitpunkt der Übergriffe selbst hält der Kriminalitätsforscher für weniger überraschend: „Die Kombination aus jungen Männern in Gruppen, Alkohol und einer Stimmung, in der Anonymität unentdeckt und ungestraft unerhörte Dinge tun zu können“, sei eine Situation, die nach allen Erkenntnissen zu Straftaten verleite.

Eine Prognose, wie sich die Kriminalitätsrate angesichts der stark gestiegenen Zuwanderung grundsätzlich entwickeln wird, will Neubacher nicht wagen. Das sei ausgesprochen schwierig: „Vor allem deshalb, weil es sich um sehr unterschiedliche Untergruppen handelt.“ Der syrische Arzt, der kriegsbedingt nach Deutschland fliehe, müsse anders betrachtet werden, „als ein junger afrikanischer Mann, der ohne Ausbildung und soziale Bindungen, nach Deutschland kommt, weil er meint, hier schnell Geld verdienen zu können“.


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