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Gesetzentwurf von Ärzten: Verband lehnt Sterbehilfe ab

Medikamente für Euthanasie

Medikamente für Euthanasie

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dpa

Berlin -

Vor wenigen Wochen haben mehrere Palliativmediziner einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Ärzten die Beihilfe zum Suizid erlauben soll. Die Wissenschaftler stehen mit diesem Vorstoß zumindest in ihrer Zunft weitgehend allein. Der Deutsche Hospiz- und Palliativverband (DHPV) stellte am Mittwoch klar, dass er es entschieden ablehne, Ärzten die Beihilfe zu erlauben. Es gebe heute viele Möglichkeiten, jeden Menschen in Würde beschwerdefrei und schmerzfrei sterben zu lassen, erklärte der kommissarische DHPV-Vorsitzende Winfried Hardinghaus in Berlin.

Die Palliativärztin Petra Anwar ergänzte, wenn ein Schwerkranker sich das Leben nehmen möchte, dann liege das daran, dass er sich einsam fühle, Angst davor habe, anderen zur Last zu fallen oder unerträgliche Schmerzen leiden zu müssen. Die Furcht vor den Schmerzen könne man aber jedem nehmen und keiner müsse allein sterben. Denn genau dazu seien Palliativmediziner da. Sie geben nach den Worten von Anwar nicht nur Medikamente gegen Schmerzen oder Übelkeit, auch die psychosoziale Betreuung gehöre zur Palliativmedizin. Dazu gehören Gespräche, auch mit den Angehörigen, ebenso wie praktische Hilfe im Alltag der Schwerkranken.

Patienten haben Rechtsanspruch auf Versorgung

Beihilfe zum Suizid, das sei wie die Flinte ins Korn zu werfen, zu resignieren angesichts der Krise, in der sich ein Patient befindet, sagte eine andere Palliativärztin. Patienten wüssten aber viel zu selten, dass sie einen Rechtsanspruch auf eine palliative Versorgung in den eigenen vier Wänden haben. 200 dieser spezialisierten ambulanten Palliativversorgungsteams gebe es inzwischen bundesweit, so DHPV-Geschäftsführer Benno Bolze. 300 müssten es sein, damit auch in den ländlichen Regionen eine flächendeckende Versorgung sichergestellt werden könne.

„Mit Zahnschmerzen geht man zum Zahnarzt, als Palliativpatient schwebt man dagegen durch den Orbit“, kritisierte Anwar. Das liege auch an den Krankenhäusern, die ihr „Entlassungsmanagement optimieren“ müssten. Denn die Patienten sind nach den Worten der Berliner Ärztin „in einem desolaten Zustand, wenn sie aus der Klinik kommen“. Ein explizites strafrechtliches Verbot der ärztlichen Beihilfe zum Suizid, wie es von Teilen der Union gewollt wird, lehnt der Verband dagegen ab.


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