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Berliner Zeitung | Silvesterübergriffe in Köln: Erster Tatverdächtiger wegen Sexualdelikts in U-Haft
18. January 2016
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Silvesterübergriffe in Köln: Erster Tatverdächtiger wegen Sexualdelikts in U-Haft

Die Polizei am Kölner Hauptbahnhof.

Die Polizei am Kölner Hauptbahnhof.

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dpa

Köln -

Nach den massiven Übergriffen auf Frauen in Köln sitzt erstmals ein Tatverdächtiger wegen einer Sexualstraftat in Untersuchungshaft. Dem 26 Jahre alten Algerier werde vorgeworfen, aus einer Gruppe heraus ein Opfer sexuell genötigt und dabei ein Handy gestohlen zu haben, sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer am Montag. Der Mann sei am Wochenende zusammen mit einem weiteren Algerier festgenommen worden, der einen Handydiebstahl, aber keine Sexualstraftat begangen haben soll. Beide lebten in einer Flüchtlingsunterkunft in Kerpen.

Nach Angaben Bremers handelt es sich bei dem 26-Jährigen um den ersten Beschuldigten aus der Silvesternacht, der wegen einer mutmaßlichen Sexualstraftat in Untersuchungshaft sitzt. Er habe sich aber noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Zahl der Anzeige steigt

Auch mehr als zwei Wochen nach den Übergriffen zeigen Menschen Straftaten aus der Silvesternacht bei den Ermittlern an. Mittlerweile seien 766 Anzeigen eingegangen, sagte der Bremer am Montag.

Bei rund der Hälfte gehe es um Sexualdelikte. Darunter seien auch mindestens drei Anzeigen wegen Vergewaltigung. In anderen Fällen werde noch geprüft, ob die Vorwürfe diesen Straftatbestand erfüllten. Zu möglichen weiteren Ermittlungsergebnissen zu den mutmaßlichen Tätern wollte sich die Behörde im Laufe des Montags äußern.

In der Silvesternacht waren am Kölner Hauptbahnhof Frauen von Männergruppen umzingelt, sexuell bedrängt und bestohlen worden. Unter den mutmaßlichen Tätern sollen viele Männer nordafrikanischer und arabischer Herkunft sein.

Neue Festnahmen

Die intensiven Ermittlungs- und Fahndungsmaßnahmen der Kölner Polizei zu den massiven Übergriffen am Silvesterabend führten in den vergangenen Tagen zu drei weiteren Festnahmen tatverdächtiger Männer.

Am späten Freitagabend kontrollierte die Polizei in Aachen einen 25-Jährigen, der ein Mobiltelefon bei sich trug, das in der Silvesternacht im Bereich der Domplatte gestohlen worden war. Der Tatverdächtige, ein algerischer Asylbewerber, wurde festgenommen und vom Haftrichter in Untersuchungshaft geschickt.

Am Samstag nahmen Fahnder in einer Flüchtlingsunterkunft in Kerpen zwei Männer im Alter von 22 und 26 Jahren fest. Bei einer Durchsuchung bei den Tatverdächtigen stellten die Ermittler zwei Mobiltelefone sicher, die mit den Übergriffen in der Silvesternacht in Zusammenhang gebracht werden konnten. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand soll eines der Telefone im Rahmen eines sexuellen Übergriffes durch eine mehrköpfige Gruppierung entwendet worden sein. Das zweite Telefon stammte aus einem Taschendiebstahl.

Die Festgenommenen, Asylbewerber aus Algerien, wurden dem Haftrichter vorgeführt. Auch sie kamen in Untersuchungshaft. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt nach eigenen Angaben nun gegen 21 Beschuldigte, von denen acht in Untersuchungshaft sitzen. Den meisten werden Eigentumsdelikte wie Diebstahl vorgeworfen. Die Ermittlungen der sogenannten „EG Neujahr" dauern weiter an. (dpa, ksta)


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