blz_logo12,9

„Kölner Botschaft“: Kölner Prominente verfassen Erklärung gegen Fremdenfeindlichkeit

Teilnehmer eines Flashmobs gegen rassistische Gewalt vor dem Dom in Köln

Teilnehmer eines Flashmobs gegen rassistische Gewalt vor dem Dom in Köln

Foto:

dpa

Köln -

Nach den massiven Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht haben sich Prominente aus dem Rheinland mit einem Aufruf gegen Gewalt und für eine offene, gastfreundliche Gesellschaft an die Öffentlichkeit gewandt. Es dürfe „keinerlei Tolerieren von sexueller Gewalt“ geben, „gleich von wem sie verübt wird“. Zudem müsse „Schluss mit fremdenfeindlicher Hetze“ sein.

Die Verantwortlichen für das Versagen der Behörden müssten zur Rechenschaft gezogen werden, heißt es in dem Aufruf, der am Freitag in den Kölner Tageszeitungen „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Kölnische Rundschau“, der „Rheinischen Post“ aus Düsseldorf, dem Bonner „General-Anzeiger“ und der Boulevardzeitung „Express“ veröffentlicht wird. Die Zeitungen nennen ihn „Kölner Botschaft“ oder „Rheinische Botschaft“.

In Köln waren am Hauptbahnhof massenweise Frauen sexuell bedrängt und bestohlen worden. Auch Vergewaltigungen wurden angezeigt. Unter den mutmaßlichen Tätern sollen viele Männer nordafrikanischer und arabischer Herkunft sein.

Kermani, Woelki und Schätzing unter den Erstunterzeichnern

Erstunterzeichner des Aufrufs sind unter anderem der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, die Schriftsteller Navid Kermani („Ungläubiges Staunen“) und Frank Schätzing („Der Schwarm“), der Musiker Wolfgang Niedecken, die Künstler Rosemarie Trockel und Andreas Gursky, die Schauspielerin Mariele Millowitsch, Ex-Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) und der Präsident des Bundesligisten 1. FC Köln, Werner Spinner.

Sie beklagen, dass dem Exzess der Silvesternacht ein bedrückendes Frauenbild zugrunde liege. Manche Männer arabischer oder orientalischer Herkunft hätten „ein tiefgreifendes Problem mit der Gleichberechtigung“. Das müsse benannt werden, „wenn wir durchsetzen wollen, dass die Würde der Frau jederzeit und an jedem Ort unantastbar ist“. Zugleich wenden sich die Unterzeichner gegen die Ansicht, „der arabische oder muslimische Mann neige grundsätzlich zu sexueller Gewalt“. Das sei verkürzt und falsch.

Scharfe Kritik am Polizeieinsatz

Mit scharfen Worten kritisiert der Aufruf das Versagen der für den Polizeieinsatz in der Silvesternacht Verantwortlichen. „Was am Hauptbahnhof passiert ist, hätte verhindert werden können.“ Sie müssten zur Rechenschaft gezogen werden, „mögen sie in der Hierarchie unter oder über dem in den Ruhestand versetzten Polizeipräsidenten stehen“. Die am Bahnhof eingesetzten Polizisten werden ausdrücklich von der Kritik ausgenommen. „Ihnen vertrauen wir weiterhin.“

Die Unterzeichner des Aufrufs bekennen sich zum Grundrecht auf Asyl. Allerdings könne eine unkontrollierte Zuwanderung wie seit dem Herbst vergangenen Jahres nicht von Dauer sein. Einfache Lösungsvorschläge wie eine abstrakte Höchstgrenze oder die Schließung der deutsch-österreichischen Grenze seien aber „illusionär“. Eine humane, gerechte und langfristig ausgerichtete Flüchtlingspolitik könne es nur im Verbund geben. (dpa)


  • Nachrichten
  • Panorama
Newsticker

Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?