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Kommentar zur Pegida-Demonstration: Galgen als ein Symbol der Verrohung

Die Galgen-Attrappe auf der Dresdner Pegida-Demonstration geht nach der Meinung vieler Politiker deutlich zu weit.

Die Galgen-Attrappe auf der Dresdner Pegida-Demonstration geht nach der Meinung vieler Politiker deutlich zu weit.

Foto:

REUTERS

In Dresden hat also ein selbsternannter Patriot zwecks Rettung des Abendlandes ein paar Latten zum Galgen vernagelt und die Kanzlerin Merkel sowie den SPD-Chef drangewünscht. Ein Fall für den Staatsanwalt, sagt sogar der Justizminister. Oder?

Könnte der Galgen-Humorist, ist er identifiziert, nicht auch behaupten, er habe davor warnen wollen, dass die Muslime nach ihrer Machtübernahme jene Politiker aufknüpfen werden, die für westliche Werte stehen? Dann wäre der Galgen keine Drohung, sondern eine satirisch überspitzte Kunstform, wie sie die ARD jüngst im „Bericht aus Berlin“ nutzte, als sie Merkel per Bildbearbeitung einen Schleier aufsetzte.

„Merkt euch die Namen!“

So zeigt sich: Einem Demo-Symbol drohenden Charakter nachzuweisen, ist schwer – und im Zweifel unnötig. Denn ist die Sicherheit von Merkel und Gabriel in Dresden wirklich in Gefahr? Wohl kaum.

Dagegen werden von der Pegida-Bühne bereits seit Monaten regelmäßig die Namen missliebiger Journalisten laut verlesen und ausgebuht. Der vorbestrafte Vordenker Lutz Bachmann gibt dazu, auch schriftlich, die Parole aus: „Merkt euch die Namen!“ Pegida-Fans greifen längst Flüchtlingshelfer und ausländische Jugendliche tätlich an.

Die Drohungen sind längst offen geworden. Insofern ist der Dresdner Galgen ein Symbol der Verrohung der politischen Kultur im Lande. Für die Aufregung sollte er durchaus ein Auslöser sein – aber nicht der Grund.