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Hooligan-Ausschreitungen in Connewitz: Leipziger OB verurteilt rechte Hooligan-Angriffe

Rechtsradikale werden im Stadtteil Connewitz in Leipzig von der Polizei festgehalten.

Rechtsradikale werden im Stadtteil Connewitz in Leipzig von der Polizei festgehalten.

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dpa

Leipzig -

Eine solche Nacht hat Leipzig noch nicht erlebt. Die Bilanz am Tag danach: 211 Festnahmen, fünf verletzte Polizisten, eine niedergehauene MDR-Journalistin, verkohlte Autos, eine ausgebrannte Wohnung, rund 20 zerstörte oder beschädigte Geschäfte und Läden, ein erschütterter Oberbürgermeister: „Es ging um nackte Gewalt, sonst nichts", sagte Burkhard Jung (SPD). Was Leipzig Montagnacht erlebt habe, sei „Straßenterror“ gewesen.

Im Leipziger Stadtzentrum hatten abends laut Studentengruppe „Durchgezählt“ rund 3400 Legida-Anhänger den ersten Jahrestag ihrer fremdenfeindlichen Bewegung gefeiert, deutlich mehr als üblich, weil aus Dresden und Chemnitz Anhänger anreisten. Auch die Dresdner Pegida-Anführer Lutz Bachmann und Tatjana Festerling waren dabei. Rund 2500 bis 2900 Menschen hatten mit einer Lichterkette dagegen protestiert. Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow, der in Leipzig mit seiner Familie lebt und dessen Haus auch schon einmal von Unbekannten angegriffen wurde, nahm als einziger Christdemokrat aus der CDU/SPD-Landesregierung an den friedlichen Gegenprotesten teil. 3000 Polizisten sorgten dafür, dass sich beide Lager nicht zu nahe kamen. Zehn Wasserwerfer waren aufgefahren, über der Szene kreiste ein Polizeihubschrauber.

250 vermummte Hooligans

Zur gleichen Zeit zogen rund 250 vermummte Hooligans durch den südlich gelegenen Stadtteil Connewitz und zerstörten, was ging. Nach Polizeiangaben warfen sie Scheiben ein, versuchten Barrikaden zu bauen, warfen mit Böllern, zündeten Autos und Mülltonnen an. Eine Wohnung geriet durch einen Böller in Brand. Leipzigs Polizeichef Bernd Merbitz sprach von schwerem Landfriedensbruch. Er beschrieb die Angreifer als Fußball-Hooligans, zumeist Anhänger von Lok Leipzig und dem Halleschen FC. Es gab 211 Festnahmen, „zu einem nicht unerheblichen Teil" laut Polizei „rechtsmotiviert" oder „Gewalttäter Sport", Männer, die großenteils bereits aktenkundig seien. Beim Abtransport von Festgenommen sei der Polizeibus von Linksautonomen angegriffen und beschädigt worden, die den Stadtteil Connewitz als ihre Heimat sehen und von dort aus in den vergangenen Jahren mehrfach Polizeistationen attackiert haben. Mitte Dezember war es letztmals zu schweren Ausschreitungen von Linksautonomen gekommen, bei denen Dutzende Polizisten verletzt wurden. Bereits vor den Kundgebungen am Montag hatte es nachmittags Brandanschläge auf die Eisenbahnstrecke Dresden - Leipzig gegeben, die zeitweise gesperrt werden musste.

Die sächsische SPD-Generalsekretärin und Leipziger Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe kritisierte nach den Ausschreitungen die Arbeit des sächsischen Verfassungsschutzes. „Wie kann es sein, dass ein Mob von 250 gewaltbereiten Nazis in Connewitz wüten, ohne dass der Verfassungsschutz vor dieser rechten Gefahr warnt? Rechtsextreme haben im Vorfeld bundesweit massiv mobilisiert und der Verfassungsschutz will davon nichts gemerkt haben? Es ist mir unerklärlich, wie es zu solch einer fatalen Fehleinschätzung kommen kann.“

Die aus Dresden angereiste ehemalige Hamburger AfD-Politikerin Festerling machte am Montagabend die Angriffe auf Frauen Sylvester in Köln zum Thema ihrer Rede. Sie sprach von „Sextouristen", die von Kanzlerin Angela Merkel nach Deutschland eingeladen worden seien. Sie hätten in in Köln einen „flächendeckenden Terroranschlag auf Frauen - auf blonde deutsche Frauen" verübt. Was in Köln geschah, so die Rednerin, sei aber nur ein Test gewesen.

CDU und SPD, die seit 2014 eine Koalition in Sachsen bilden, hatten sich vor dem Kundgebungsabend wieder einmal darüber gestritten, ob man an Protesten gegen Legida oder Pegida teilnehmen solle oder nicht. In der CDU hält man großenteils nichts davon. Die Unions-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla aus Leipzig hatte laut MDR erklärt, sie lehne die Lichterkette ab, weil solch ein Zeichen „die Bemühungen der Bundesregierung um eine Reduzierung und Eingrenzung der Asylbewerberzahlen" torpediere. Dass sich die SPD daran beteilige, nannte sie scheinheilig.


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