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Kommentar zum Ruhani-Besuch in Italien: Peinliche und durchschaubare Machtgeste

Irans Präsident Ruhani bei seinem Besuch in Italien.

Irans Präsident Ruhani bei seinem Besuch in Italien.

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dpa

Matteo Renzi sollte sich an Francois Hollande ein Beispiel nehmen. Frankreichs Staatspräsident hatte im November 2015 ein Staatsdiner mit seinem iranischen Amtskollegen Hassan Ruhani einfach aus dem Programm gestrichen, weil sich unüberbrückbare Gegensätze bei der Getränkefrage gezeigt hatten.

Zum Essen gibt’s in Frankreich Rotwein. Ruhani wollte aber keinen Alkohol zum Diner akzeptieren. Nur Wasser zum Essen ist aber für Franzosen fast so etwas wie ein Sakrileg. Hollande reagierte flexibel, denn er wollte seinen Gast natürlich nicht brüskieren, schließlich standen milliardenschwere Wirtschaftsverträge mit dem Iran auf dem Spiel abschließen. Kein Abendessen, kein Problem.

Alles zu vermeiden, was den auf Einkaufstour in Europa weilenden Gast aus Teheran verärgern könnte, darum ging es auch am Dienstag in Rom. In den Kapitolinischen Museen, wo Renzi und Ruhani ihre Pressekonferenz abhielten, war alles Nackte verhüllt: Die kapitolinische Venus, in einem schnöden Kasten versteckt, ebenso eine griechische Marmorplastik aus dem vierten vorchristlichen Jahrhundert, die eine Gruppe spielender Mädchen zeigt und sogar eine Statue des römischen Imperators Domitian – verborgen hinter Stellwänden.

Der Raum, in dem Pietro da Cortonas üppige Sabinerinnen im Moment ihres Raubes gezeigt werden, war gleich ganz geschlossen. Die bildliche Darstellung von Menschen in der Kunst, insbesondere aber ihre Nacktheit sind im Islam extrem reglementiert. Kurz gesagt: Nackte Menschen auf Bildern oder als Skulpturen sind ein totales Tabu.

Kritik der anderen Parteien

Ruhani mit so viel Fleischlichkeit zu konfrontieren, wo doch eine Tochtergesellschaft des italienischen Staatskonzerns Eni für 4,5 Milliarden Euro eine neue Gaspipeline im Iran und die italienische Staatsbahn eine Hochgeschwindigkeits-Trasse von Teheran nach Ghom bauen soll – das verbot sich aus Sicht der italienischen Regierung von selbst.

Natürlich empörten sich wegen dieses Zugeständnisses an den iranischen Gast am lautesten gerade Abgeordnete jener Parteien, die Freiheits- und Menschenrechten im Zweifel immer nur für die eigene Klientel gelten lassen wollen, Parlamentarier der rassistischen Lega Nord und Politiker der post-faschistischen Fratelli d’Italia-Partei. Ihr Gerede von einem „Akt der Unterwerfung“ und einer Beleidigung der westlichen Kultur kann Renzi egal sein.

Allerdings fragt sich, warum er ausgerechnet die Kapitolinischen Museen und das Reiterstandbild Mark Aurels als stummen Zeugen seiner Pressekonferenz ausgewählt hat. Das Römische Reiche hatte zu Aurels Zeit bekanntlich eine direkte Grenze mit dem Reich der Parther, dort wo heute der Iran liegt. Wenn das eine Machtgeste sein sollte, war sie peinlich und durchschaubar.

Viel eleganter wäre es gewesen, Renzi hätte Ruhani und die Medien in Roms supermodernes Museum der Kunst des 21. Jahrhunderts eingeladen. Da gibt es viel abstrakte Kunst – und nichts zu verbergen, wenn man Geschäfte machen will.


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