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Neuer BKA-Chef Münch: Humorvoll, intelligent und aus der Praxis

Holger Münch

Holger Münch

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dpa

Berlin -

Auf den Vorwurf, Polizisten hätten beim Einsatz gegen Rockergewalt augenscheinlich Angst, hat der designierte Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA) recht gewitzt reagiert. Statt den Verdacht in Cowboy-Manier wegzuwischen, hat Holger Münch geantwortet: „Manchmal Angst im Dienst zu haben, ist normal.“ Seine Vorgänger hätten so einen Satz eher nicht gesagt.

Der 53-jährige Bremer Innenstaatssekretär soll, wie gestern bekannt wurde, am 1. Dezember Jörg Ziercke nachfolgen, der bei der BKA-Herbsttagung am 19. November verabschiedet wird. Die „Bild“ hatte zu Beginn des Monats noch gemeldet, der bisherige Landeskriminaldirektor von Nordrhein-Westfalen, Dieter Schürmann, werde das Rennen machen. Der „Wiesbadener Kurier“ hingegen sah den BKA-Vizepräsidenten Peter Henzler in der Favoritenrolle. Warum Münch sie überholte, ist unklar. Zufall ist es nicht.

Offenbar hat es sich die SPD schon vor längerer Zeit ausbedungen, im Sicherheitsbereich personell vertreten zu sein. Zwar ist Münch parteilos. Dass er aus einem traditionell sozialdemokratischen Land stammt, passt aber ins Bild. Zudem ist der verheiratete Vater von zwei Söhnen vom Fach.

Münch, der als humorvoll und intelligent gilt, kam 1980 mit 19 Jahren zur Bremer Polizei. Von 1987 bis 1991 war er in der BKA-Außenstelle Meckenheim aktiv und dort zuständig für Personen- und Staatsschutz. Es folgten Ermittlungs- und Führungsaufgaben in verschiedenen Kommissariaten der Kriminalpolizei Bremen und ein Studium an der Polizeiführungsakademie Münster, bevor Münch 2009 Chef der Polizei in der Hansestadt wurde. Dort wird er vornehmlich mit dem Kampf gegen Einbrecher und dem Verbot des Rockerclubs Mongols in Verbindung gebracht.

Große Fußstapfen

Die Meinungsäußerungen zu der Auswahl waren gestern einhellig positiv. Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Ich freue mich darüber, dass wir einen BKA-Präsidenten kriegen, der aus der polizeilichen Praxis kommt und der vor allen Dingen eine langjährige Erfahrung hat in der Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden in einem föderalen Staat. Es ist wichtig, dass wir da jemanden haben, der genau weiß, wo die Probleme liegen.“ Bei den Bremer Grünen hieß es, Münch habe sich Respekt und Anerkennung erworben. Sein Weggang sei ein Verlust. In der eher polizeikritischen Ökopartei ist das keine Selbstverständlichkeit. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter begrüßte wegen des Meckenheim-Aufenthalts „ein wenig Stallgeruch“.

Münch reagierte gestern übrigens nicht gewitzt, sondern gar nicht. Der Mann, der sich für den Job am liebsten durch Radfahren fit hält, hat bald eine 5600-köpfige Behörde unter sich, die unter der NSU-Affäre ebenso sehr gelitten hat wie unter der Affäre um den Kinderpornografie-Verdacht gegen den SPD-Abgeordneten Sebastian Edathy. In letzterem Fall verlautete von Kritikern, das Amt habe im besseren Fall geschlampt und im schlechteren Fall Ermittlungen behindert. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hinderte dies nicht, an Ziercke aus Gründen persönlicher Wertschätzung festzuhalten, obwohl er das Pensionsalter mit 67 Jahren bereits überschritten hat. Überdies verschaffte er sich so ausreichend Zeit für die Nominierung des Neuen.

Kriminalistisch betrachtet tritt Münch jedenfalls in durchaus große Fußstapfen. Und zu reden, das weiß er, gibt’s ja noch reichlich.


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