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Berliner Zeitung | Kommentar zu den Bundeswehr-Tornados: Immerhin fliegen die Kisten, wenn auch nicht nachts
19. January 2016
http://www.berliner-zeitung.de/23471516
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Kommentar zu den Bundeswehr-Tornados: Immerhin fliegen die Kisten, wenn auch nicht nachts

Ein Bundeswehr-Aufklärungsflugzeug vom Typ Tornado

Ein Bundeswehr-Aufklärungsflugzeug vom Typ Tornado

Foto:

dpa

Immerhin. Die Kisten fliegen – was man lange nicht von allen Tornados der deutschen Luftwaffe behaupten kann. Dem Verteidigungsausschuss des Bundestages lag im Dezember ein Bericht vor, demzufolge von 93 angeschafften Flugzeugen dieses Typs 66 in Betrieb und 29 einsatzfähig seien. Ein Glück also, dass die Bundeswehr für ihren Aufklärungseinsatz über Syrien nur sechs Maschinen braucht.

Aber bitte nur bei Tage! Denn nachts dürfen die Soldaten ihr Fluggerät nicht benutzen. Da beißt sich Hightech mit Hightech. Die Cockpitbeleuchtung der modernsten Tornado-Variante ist zu hell für die hochmodernen Nachtsichtbrillen. Die Piloten werden geblendet. Im Herbst soll das Problem gelöst sein, heißt es aus Ursula von der Leyens Ministerium. Etwas später soll‘s dann noch neuere Flugzeuge geben, in denen das Problem nicht mehr auftaucht.

Immer wieder passiert etwas

Arme Ministerin! Da gibt sie sich solche Mühe, den Ruf der „Pannen-Armee“ loszuwerden. Aber es passiert immer wieder etwas. Die Bundeswehr ist nun einmal ein Laden – so schwierig zu kontrollieren wie kein anderer Apparat im Gefüge der staatlichen Institutionen.

Man sollte allerding auch fragen, was da passiert ist. Denn angeblich wurden die Tornados bisher für Nachteinsätze noch nicht angefordert – weil die Aufklärungsergebnisse bei Tage ohnehin besser seien. Behauptet jedenfalls das Ministerium. Nun ja...

Es gäbe übrigens ein bis zwei gar nicht hochtechnische Zwischenlösungen für das Problem: Man kann weniger helle Leuchtmittel in die Cockpits einsetzen oder (noch einfacher) die vorhandenen mit Folie abdunkeln. Aber das wäre wohl zu einfach für eine hochmoderne Hightecharmee. Und wer weiß, ob es dafür eine passende Vorschrift gibt.