30.12.2011

2011: Mehr als man verkraften kann

Von Harald Jähner
Japans Katastrophe: Die Wucht der Tsunami-Wellen zerstört am 11. März ganze Küstenlandstriche im Nordosten Japans. Mehr als 20 000 Menschen sterben.
Japans Katastrophe: Die Wucht der Tsunami-Wellen zerstört am 11. März ganze Küstenlandstriche im Nordosten Japans. Mehr als 20 000 Menschen sterben.
Foto: dpa

Alles in Aufruhr. Nach diesem Jahr wünschen viele, die Welt möge schrumpfen auf das Maß ihres eigenen Lebens: Was hat das alles mit uns zu tun?

Was für ein Jahr! Als wäre eine Rakete voller Sensationen vorbeigeschossen. Ganz mitgekommen ist da wohl niemand.

Im Grunde schüttelt man noch immer den Kopf und stellt entgeistert die Frage: Was war das denn?

Was 2011 geschah, reicht für ein ganzes Jahrzehnt. Diktaturen fielen, Völker erhoben sich, Politiker stürzten aus dem Zenit, das Meer fiel über Japan her, Griechenland versank in der Pleite, die Wirtschaft rund um den Globus geriet ins Stocken. Dioxin wurde im Futter entdeckt, die Medizin erwies sich als machtlos gegen das Ehec-Virus. Bin Laden wurde in Pakistan aufgestöbert. Jugendliche nahmen London auseinander. Ein 32-jähriger Unternehmer erschoss 69 Jugendliche. Und alle waren näher und schneller dabei als je zuvor.

Wie ist das alles zu fassen?

Wie aber verhält sich das eigene Leben zu diesen Vorgängen? Wie die Trennung vom Freund, die neue Wohnung, der Start im Beruf, der Tod der Mutter, der Dispo bei der Bank? Die Frage nach dem eigenen Leben und wie es zusammenhängt mit dem turbulenten Rest der Welt gehört zu den Überforderungen, die das Jahr abverlangte. Die Frage lautet schlicht: Wie ist das alles zu fassen?

Menschen 2011

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2011 - Das bewegte unsere Leser

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Beunruhigt stellte Die Zeit in einem Leitartikel im Mai dieses Jahres fest, dass die Wochenzeitschriften trotz der packenden Nachrichtenlage im ersten Quartal des Jahres sechs Prozent Auflage verloren, die Tageszeitungen zwei Prozent. Und das Interesse des Publikums wandere nicht etwa zum flinken Internet ab oder zu den Sondersendungen des Fernsehen. Viele Menschen wendeten sich vom Nachrichtenstrom einfach ab. Es werde ihnen zu viel. Sie würden überfordert die Stopptaste drücken und sich lieber den stilleren Herausforderungen des Privatlebens zuwenden.

Die große Täuschung

Tatsächlich ist der größte Medienerfolg des Jahres ein Blatt, das mit all dem nichts zu tun hat, die Landlust. Das Magazin, das sich mit Inbrunst nichts anderem zuwendet als dem Traum vom idyllischen Wohnen, hat inzwischen eine Auflage von mehr als 800 000 Exemplaren.

Politiker-Pannen 2011

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Das ändert sich 2012

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Für das Vertrauen in die restlichen Medien war 2011 kein gutes Jahr. Als die tunesische Jugend sich erhob, nachdem der Gemüsehändler Mohamed Bouazizi sich aus Verzweiflung über die abermalige Beschlagnahme seines mobilen Verkaufsstandes verbrannt hatte, als dann der Aufruhr sich wie ein Flächenbrand ausbreitete und ein arabisches Land nach dem anderen erfasste, da fühlte sich die Öffentlichkeit mit einem Mal getäuscht durch das Bild, das ihnen bislang vom Islam gezeichnet worden war.

Wo waren die zahllosen Islamexperten in den Monaten zuvor gewesen? Warum hat niemand uns vorbereiten können auf diese Aufstände? Warum hat niemand uns informiert über diese ganz weltliche Lust auf Demokratie und Wohlstand, die die arabische Welt plötzlich so verwandt erscheinen ließ?

In der vermeintlich so gut informierten Informationsgesellschaft tat sich ein großes Leck auf. Man erkannte, wie trügerisch ein Weltbild ist, das jahrelang nur aus der Nachrichtenlage gespeist wird. Der normale Alltag eines ganzen Kulturraums bleibt dabei ein weißer Fleck, überwuchert von Sensationen an dessen Rändern.

Literaturtipps 2011:

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Die Etappen der Euro-Krise

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