15.12.2011

Abzug: USA beenden Irakkrieg offiziell

Von Julia Gerlach
Die Zeremonie zum US-Rückzug aus dem Irak wird von einem großen Medienaufkommen begleitet.
Die Zeremonie zum US-Rückzug aus dem Irak wird von einem großen Medienaufkommen begleitet.
Foto: dapd

Zehntausende tote Iraker, über 4000 getötete US-Soldaten und etwa 700 Milliarden US-Dollar Kosten - das ist nur ein Teil der schrecklichen Bilanz des Irakkrieges. Nach knapp zehn Jahren beenden die USA nun den Krieg offiziell. Premier Maliki zieht nach dem Irak-Abzug der Amerikaner eine positive Bilanz.

Nach knapp neun Jahren haben die USA den Irak-Krieg mit einer Flaggenzeremonie in Bagdad für beendet erklärt. Offiziell endet der Einsatz am 31. Dezember. Danach sollen sich keine US-Soldaten mehr im Irak aufhalten und alle ihre Basen werden geschlossen.

Der irakische Premier Nouri al Maliki dankte den USA dafür, dass sie das Land von der Herrschaft Saddam Husseins befreit haben und äußerte sich optimistisch über die Zukunft. Die Übergabe der Verantwortung für die Sicherheit an irakische Einheiten habe bisher gut geklappt: „Wer hätte damit gerechnet, dass es uns gelingt, den Terrorismus zu besiegen?“, sinnierte er. Gerade die Sicherheitslage ist es jedoch, die viele Iraker mit Sorge auf den US-Abzug schauen lässt.

Going Home

Der historische Moment des Abzugs der US-Truppen aus dem Irak war am Donnerstag, 15. Dezember, das Einholen und Zusammenlegen der Fahne der Militärmission in Bagdad, ein amerikanisches Siegel auf weißem Grund.

Die letzten 4000 Soldaten sollen bis Jahresende den Irak verlassen. Eigentlich hätten mehrere Tausend zur Sicherheit gegen den an Einfluss interessierten Nachbarn Iran bleiben sollen, doch der Irak verweigerte die von den USA geforderte rechtliche Immunität.

Präsident Barack Obama begrüßte heimkehrende Truppen am Donnerstag in Fort Bragg in North Carolina. Dank ihrer „Opfer“ hätten die Iraker nun ihr eigenes Schicksal in der Hand. „Wir hinterlassen ein souveränes, stabiles und selbstständiges Irak… Und wir beenden einen Krieg nicht mit einer finalen Schlacht…“

3525 Soldaten starben im Irak seit 2003, als Präsident Bush sie dort hinschickte. Tausende mehr sind physisch oder psychisch versehrt.

Zwar richtete sich ein großer Teil der Anschläge bewaffneter Gruppen gegen US-Soldaten und diese reagierten häufig mit massiver Gewalt. Allerdings war dies nur einen geringer Teil der Pressionen, denen die Menschen im Alltag ausgesetzt waren. Zunehmend waren es Kämpfe zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die die Sicherheit der an diesen Konflikten Unbeteiligten gefährdeten.

Die Sicherheitslage hat sich dank des Einsatzes der irakischen Behörden durchaus verbessert, in Bagdad und anderen irakischen Städte ist es viel ruhiger als noch vor drei Jahren. Es bleibt jedoch gefährlich. Regelmäßig detonieren auch in der Innenstadt von Bagdad Sprengsätze und reißen Passanten in den Tod.

Auch wirtschaftlich ist die Bilanz des US-Einsatzes eher durchwachsen. Dem Irak wird ein großes Potenzial bescheinigt. Die Infrastruktur hat jedoch unter dem Krieg und den Jahrzehnten davor, in denen die irakische Wirtschaft durch das internationale Embargo darbte, schwer gelitten. Der große Andrang der Investoren ist bisher ausgeblieben. Schuld daran ist nicht nur die fortbestehende Unsicherheit, sondern auch die Bürokratie und die komplizierte Rechtsprechung im Irak.Eine Ausnahme bildet jedoch der Norden des Landes. Die weitgehend autonome Region unter kurdischer Verwaltung hat sich zu einem Anziehungspunkt für ausländische Unternehmen entwickelt. In Erbil herrscht regelrecht Goldgräberstimmung. Ob diese in der nächsten Zeit auf den Rest des Landes überspringt, wird stark davon abhängen, wie sich die Sicherheitslage entwickelt.

Viele Iraker behalten die Amerikaner weniger positiv in Erinnerung als ihr Premier. In Falludscha, 60 Kilometer von Bagdad entfernt, wird der Abzug der US-Truppen seit Tagen gefeiert. Beim „Widerstandsfestival“ wurde die Rolle der Kämpfer gegen die USA gewürdigt und die Notwendigkeit betont, auch in Zukunft kampfbereit zu sein. Zur Feier des Tages wurden US-Fahnen verbrannt. Allein auf amerikanischer Seite starben knapp 4500 Soldaten. Zehntausende Iraker verloren ihr Leben.

Zu Spitzenzeiten waren 170.000 US-Soldaten in dem überwiegend muslimischen Land im Einsatz. Der Krieg kostete die amerikanischen Steuerzahler mehr als 700 Milliarden Dollar. (mit rtr)

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