25.01.2012

Altersversorgung: Geringe Rente für Babyboomer

Von Daniela Vates
        

Altersarmut – Trotz guter Ausbildung und zunehmender Beschäftigung können viele Frauen der 60er-Jahrgänge nur mit geringen Renten rechnen.
Altersarmut – Trotz guter Ausbildung und zunehmender Beschäftigung können viele Frauen der 60er-Jahrgänge nur mit geringen Renten rechnen.

Frauen verdienen weniger und arbeiten auch öfter Teilzeit – ihr Alterseinkommen fällt deshalb geringer aus. Die Politik hat das Problem erkannt, will aber nicht noch zusätzlich viel Geld ausgeben.

Es klingt ja gar nicht mal so schlecht: Die nächste Rentnerinnen-Generation ist deutlich besser ausgebildet als die heutige. Und es gibt unter ihnen auch einen größeren Anteil an Frauen, die zumindest mal eine Zeit lang Geld verdient hat. Gute Aussichten also für die Rente der heute 45- bis 50-Jährigen? Naja.

Die Soziologin Barbara Riedmüller, die zu Zeiten der Wiedervereinigung mal zwei Jahre lang Berliner Wissenschaftssenatorin im SPD-Senat von Walter Momper war, hat sich an der Freien Universität Berlin mit den „Lebens- und Erwerbsverläufen von Frauen im mittleren Lebensalter“ befasst. Sie kommt zu dem Schluss: „Für 41 Prozent der westdeutschen und 21 Prozent der ostdeutschen Babyboomerinnen ist eine Rente unter Grundsicherung zu erwarten.“ Das heißt: Die Rentenversicherung zahlt voraussichtlich weniger als 680 Euro aus.

Regierungskonzept

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat im September Eckpunkte für den Kampf gegen Altersarmut vorgelegt. Derzeit wird das Konzept überarbeitet.

Zuschussrente: Geringe Renten sollen künftig nicht mehr nur vom Sozialamt, sondern auch von der Rentenversicherung aufgestockt werden können – auf bis zu 850 Euro. Voraussetzung: 40 Versicherungsjahre in der Rentenversicherung, davon 30 Beitragsjahre, sowie zunächst fünf Jahre private oder betriebliche Altersvorsorge. Die Privatvorsorge-Pflicht wächst bis 2047 auf 35 Jahre an.

Erwerbsminderungsrente: Wer frühzeitig in Rente geht, wird derzeit bei der Berechnung der Rentenhöhe so behandelt, als hätte er bis zum 60. Lebensjahr gearbeitet. Parallel zur Anhebung des gesetzlichen Rentenalters von 65 auf 67 Jahre soll diese sogenannte Zurechnungszeit um zwei Jahre erhöht werden – im Schnitt um 50 Euro. Weil die Erhöhung stufenweise erfolgt, wird diese Zusatzsumme im Vergleich zu heute erst 2029 erreicht.

Kombirente: Statt bis zu 400 Euro wie derzeit, sollen Rentner künftig bis zur Höhe ihres letzten Bruttolohns hinzuverdienen können, ohne dass dies auf die Rente angerechnet wird.

Solo-Selbständige: In der Debatte ist unter anderem eine Versicherungspflicht für Selbständige ohne Angestellte. Diese sind häufig Frauen und sie verdienen relativ schlecht.

Dafür gibt es mehrere Gründe: Da ist die Sache mit der Bevölkerungsentwicklung, die bei dieser Generation besonders auffällt. 65 Jahre nach dem Babyboom wird es einen Rentnerboom geben. Die Zahl derer, die dann in die Rentenkasse einzahlen werden, wird deutlich gesunken sein.

Das andere sind die Biografien der Babyboomerinnen mit den Geburtsjahrgängen 1962 bis 1966. Sie haben zwar häufiger gearbeitet als die von Riedmiller als Vergleichsgruppe betrachteten Jahrgänge 1947 bis 1951. Aber sie starteten auch genau zu dem Zeitpunkt in den Beruf, als die Arbeitslosenquote in Deutschland anfing zu steigen. Die Frauen der 47/51-er Generation waren im Schnitt sechs Jahre arbeitslos, die 62/66-er bereits neun Jahre, heißt es in der Studie.

Zuviele Teilzeitjobberinnen

Der Rente nicht zuträglich sei auch, dass Frauen zunehmend in Teilzeitjobs tätig seien. 1999 hätten noch 70 Prozent der erwerbstätigen Frauen Vollzeitjobs gehabt, 2010 nur noch 55 Prozent, schreibt Riedmüller. In Ostdeutschland sei das vor allem dem Mangel an Vollzeitstellen zuzuschreiben, in Westdeutschland gäben die meisten Frauen als Grund für den Wechsel auf Teilzeitstellen an, dass sie sich mehr um ihre Familie kümmern wollten. Dazu kommen weitere allgemeine Faktoren: Frauen arbeiten häufig in Minijobs, sie sind mit im Schnitt 37 Wochen länger arbeitslos als Männer (32 Wochen - Zahlen aus dem Jahr 2010). Sie sind auch häufiger langzeitarbeitslos als Männer. Und sie verdienen durchschnittlich zwölf Prozent weniger als Männer mit selber Qualifikation auf dem selben Posten. Nicht nur bei den Babyboomerinnen wirkt sich all das schlecht auf die Rente aus.

Wer kann, versucht, fürs Alter vorzusparen. Für jede vierte Babyboomerin ist die Altersvorsorge das wichtigste Sparziel. 78 Prozent der westdeutschen und 81 Prozent der ostdeutschen Babyboomerinnen legen der Studie zufolge regelmäßig oder zumindest manchmal Geld zurück – im Schnitt im Westen 2800 Euro im Jahr, im Osten 900 Euro.

Kein Trost für Ministerin

Viel ist das nicht. Und eigentlich hat auch die Regierung die Altersarmut von Frauen als Thema erkannt. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat ihre im September vorgestellten Pläne mit dem Hinweis versehen, damit würden vor allem Frauen besser gestellt. Seitdem ist allerdings nichts mehr zu hören gewesen. Es geht um Finanzierungsfragen – viel zusätzliches Geld soll die Armutsbekämpfung nicht kosten. In internen Beratungen zerpflückten Experten zudem von der Leyens Idee der Zuschussrente.

Die Berliner Studie ist kein Trost für die Ministerin. „Realitätsfern und an der eigentlichen Risikogruppe für Altersarmut vorbei geplant“, sei die Zuschussrente, urteilt Riedmüller. Die Voraussetzungen für die Förderung würden schon jetzt 28 Prozent der westdeutschen und 16 Prozent der ostdeutschen Babyboomerinnen nicht erfüllen können. Und das gelte nur, wenn alle anderen von 2008 bis zum Rentenstart jedes Jahr als Versicherungsjahr angerechnet bekommen.

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