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Anleitung für Hass-Kommentare: Renate Künast rechnet mit Internet-Trollen und Hetzern ab

Renate Künast hat eine Netiquette für Hass-Kommentare veröffentlicht.

Renate Künast hat eine Netiquette für Hass-Kommentare veröffentlicht.

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dpa

Berlin -

Der Grünen-Bundestagsabgeordneten Renate Künast ist offenbar der Kragen geplatzt. Auf ihrer Facebook-Seite rechnet sie mit Hasskommentatoren und Hetzern ab – auf eine besonders ironische Weise. „Sie wollen mir hier einen Hass-Kommentar schreiben? Kein Problem mit meinem neuen Hass-Tool“, schreibt sie. Klickt man auf den Link, wird man zur Nettiquette weitergeleitet, unter der man fünf Hinweise von Künast findet, die den Hetzern das Schreiben, und ihr das Lesen erleichtern soll. Wer sich mal so richtig auskotzen möchte, weil jemand mit ihrer Frisur oder mit ihrer Politik nicht einverstanden sei, sei daher hier genau richtig, schreibt Künast in dem Beitrag.

Zunächst bittet Renate Künast um eine passende Ansprache. Viele würden ganz ohne Anrede auskommen, schreibt die Grünen-Politikern. Gerne dürfe man aber auch einen Witz machen und sie „Frau Knast“ nennen. „Tun sie sich keinen Zwang an“, fordert sie.

Auf keinen Fall mit Ausrufezeichen sparen

Dann bittet sie die Kommentatoren auf, möglichst kreativ zu sein. „Hauen Sie einen raus.“ Man könne aber auch kopieren, wichtig sei, dass man sich danach besser fühle. Dazu nennt Künast einige Beispiele, die „fast noch niemand geschrieben hat“: „Zieh die Schuhe aus!“, „Armes Deutschland.“, „Lern erst mal Türkisch!“ oder „Und das von meinen Steuergeldern!“

Auch in Sachen Stil hat Künast einige Anregungen. Es solle auf keinen Fall mit Ausrufezeichen und Versalien gespart werden, am besten solle gleich der gesamte Kommentar in Großbuchstaben verfasst werden. Kostenlos sei auch das Angebot zur „Gruppenerfahrung bei gleichzeitiger Einsamkeit“, indem man die Hasskommentare der Vorgänger liked.

Konsequenzen brauche keiner zu befürchten, schreibt Künast am Schluss. Sie stelle zwar regelmäßig Strafanzeigen wegen Beleidigung und Volksverhetzung, aber die Ermittlungsbehörden verfolgten die Taten nur vereinzelt und stellten die Verfahren rasch ein.

Facebook geht weiterhin kaum gegen Hetze vor

Im vergangenen Jahr hatte die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt sich ebenfalls mit einer Botschaft an die Öffentlichkeit gewandt. Sie drehte ein Video und las vor laufender Kamera erschreckende Hasskommentare vor, die Menschen auf ihrer Facebook-Seite abgegeben hatten.

Seit Monaten schwelt der Streit um Hetze im Netz. Während sich Twitter Ende des Jahres dazu durchgerungen hat, härter gegen die Urheber und Profile der Hetzer vorzugehen, scheint sich bei Facebook immer noch nicht viel zu tun. Rassistische, menschenverachtende oder fremdenfeindliche Äußerungen werden selten gelöscht. Sie verstießen nicht gegen die Facebook-Richtlinien, heißt es meist, wenn man einen entsprechenden Kommentar meldet.

Justizminister Heiko Maas (SPD) hatte sich deshalb im September mit Facebook-Vertretern in Berlin getroffen. Im Dezember 2015 stellte Maas die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe vor, die sich um den Umgang mit Hassbotschaften im Netz beschäftigt. Darin heißt es unter anderem, dass man sich darauf geeinigt habe, dass das deutsche Recht über den Richtlinien von sozialen Netzwerken stehe und dass rechtswidrige Inhalte „innerhalb von 24 Stunden geprüft und falls erforderlich gelöscht“ werden sollen.



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