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Nach Terroranschlag mit sieben Toten: IS bekennt sich zum Attentat in Jakarta

Anschläge Jakarta

Einsatzkräfte vor dem Starbucks in Jakarta

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ap

Jakarta -

Die indonesische Polizei hat nach einem Medienbericht über weitere Explosionen in Jakarta Entwarnung gegeben. Es habe keinen weiteren Bombenangriff gegeben, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Das Geräusch sei vermutlich durch einen geplatzten Reifen ausgelöst worden. „Aber wir wollen nichts unterschätzen“, fügte er hinzu.

Die radikalislamische IS-Miliz übernahm unterdessen die Verantwortung für den Angriff mit Gewehren und Bomben wenige Stunden zuvor in der indonesischen Hauptstadt. Dabei seien 15 Menschen getötet worden, hieß es in der Mitteilung der Extremisten. Laut indonesischer Regierung gab es sieben Todesopfer, darunter seien fünf Angreifer.

„Kämpfer des Islamischen Staates haben einen bewaffneten Angriff an diesem Morgen verübt, der auf Ausländer und die Sicherheitskräfte zielte, die sie in der indonesischen Hauptstadt schützen sollten“, meldete die Nachrichtenagentur Aamaak, die dem IS nahesteht. Dieser hatte nach Polizeiangaben gedroht, er werde das Land mit der weltweit größten muslimischen Bevölkerung ins Visier nehmen.

„Der IS steckt definitiv hinter diesem Angriff“, sagte der Polizeichef der Zehn-Millionen-Stadt, Tito Karnavian. Der IS-Kämpfer Bahrun Naim, der in Syrien vermutet werde, habe den Anschlag seit längerem geplant. „Er steckt hinter diesem Angriff.“ Ausländer seien nicht unter den Tätern, sagte der Polizeichef weiter.

Unter den Toten sind nach Polizeiangaben ein Kanadier und ein Polizist. Anfangs hatte es geheißen, drei Polizisten und drei Zivilisten seien getötet worden. 20 Menschen seien verletzt worden, teilte die Polizei später mit. Unter ihnen war nach Angaben des Auswärtigen Amtes auch ein Deutscher. Zwei Angreifer seien lebend gefasst worden.

Präsident ruft Landsleute zu Ruhe auf

Am Vormittag hatten die Angreifer einen Sprengsatz vor dem Cafe gezündet. Als die Menschen auf die Straße rannten, schossen die Extremisten auf sie. Die Polizei raste binnen Minuten mit gepanzerten Fahrzeugen zum Tatort. Hunderte Sicherheitskräfte waren im Einsatz. Scharfschützen postierten sich auf den Nachbarhäusern. Hubschrauber kreisten über dem Zentrum. Drei Stunden lang lieferten sich die Attentäter eine Schießerei mit der Polizei. Dann sprengten sie sich in die Luft. Insgesamt seien mindestens sechs Bomben gezündet worden, teilte die Polizei mit. Zeitgleich wurde eine nahegelege Polizeiwache mit einem Sprengsatz angegriffen.

Präsident Joko Widodo verkürzte eine Reise nach Java und kehrte in die Hauptstadt zurück. Er rief seine Landsleute, die überwiegend einem gemäßigten Islam anhängen, auf, nicht über die Täter zu spekulieren. „Wir dürfen keine Angst haben, wir dürfen uns von Terrorakten wie diesem nicht bezwingen lassen“, sagte der Präsident im Fernsehen.

Der IS ist vor allem in Syrien und im Irak aktiv und wird auch für den Anschlag in Istanbul verantwortlich gemacht, bei dem am Dienstag zehn Deutsche getötet wurden. In Indonesien hatte der IS - anders als andere muslimische Extremisten - bislang keine Anschläge verübt. „Wir haben vorher eine Drohung des Islamischen Staates erhalten, dass er Indonesien ins Visier nimmt“, sagte ein Sprecher der Polizei in Jakarta.

Die Hauptstadt war zuletzt im Juli 2009 Schauplatz schwerer Anschläge. Damals waren Bomben in zwei Hotels explodiert. 2002 waren bei einem Attentat auf der Ferieninsel Bali 202 Menschen ums Leben gekommen, die meisten von ihnen Urlauber. Dafür wurde die islamistische Organisation Jemaah Islamiyah verantwortlich gemacht, der Verbindungen zur Al-Kaida nachgesagt wurden.

Seither sind die indonesischen Sicherheitskräfte massiv gegen radikale Muslime vorgegangen. Doch in jüngster Zeit wuchs die Sorge, dass Anhänger und Rückkehrer des IS in dem südostasiatischen Land zuschlagen könnten. In Jakarta verschärfte die Polizei nun die Sicherheitsmaßnahmen.
Auch das Nachbarland Malaysia erhöhte nach den Vorfällen in Jakarta die Sicherheitsvorkehrungen an öffentlichen Plätze und an der Grenze. Im Land herrsche nun die höchste Sicherheitsstufe, teilte die Polizei mit. (rtr, afp)


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