23.01.2012

Auftritt in Berlin: Wulff: Ich laufe nicht weg

Von Holger Schmale
        

Selbstverteidiger auf der Bühne:  Christian Wulff.
Selbstverteidiger auf der Bühne: Christian Wulff.
Foto: dapd
Berlin –  

Der Bundespräsident will um das Vertrauen der Bürger kämpfen: Bei seinem Auftritt in Berlin gab Wulff sich ebenso gelassen wie selbstbewusst. Er verwies darauf, dass ihm keine Rechtsverstöße, sondern Fehler vorgeworfen würden.

Ob die Deutschen es nun wollen oder nicht – Christian Wulff bleibt ihr Bundespräsident. Ungeachtet der anhaltenden öffentlichen Kritik an seinem Verhalten und seinem Umgang denkt er nicht an Rücktritt. Er kenne aus seiner Jugend die Situation, wenn man vor große Probleme gestellt werde und sich frage: „Läufst du weg oder stellst du dich der Situation?“, sagte Wulff am Sonntag in Berlin.

Wer Wulffs Rücktritt fordert

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Er neige seither nicht zum Davonlaufen. Zum zweiten Mal in der seit sechs Wochen andauernden Kredit- und Medienaffäre gewährte der Präsident der Öffentlichkeit Einblick in seine Gedanken- und Gefühlswelt. Dieses Mal, in der vergleichsweise intimen Atmosphäre des Berliner Ensembles, ist es ihm besser gelungen als vor einem Millionenpublikum im Fernsehen Anfang Januar.

Schlechte Werte

Mehre neue Umfragen zeigen, dass Bundespräsident Christian Wulff in der Gunst der Bürger verliert.
Nur ein Drittel der Deutschen (31 Prozent) hälft Wulff noch für glaubwürdig, ermittelte Infratest dimap für die ARD-Sendung Günter Jauch. Zu Beginn seiner Amtszeit waren es 74 Prozent.
69 Prozent glauben nicht, dass Wulff sein Amt noch angemessen ausüben kann, ergab ein Umfrage von YouGov
für Die Zeit. Die Umfage wurde noch vor der Razzia bei dem Wulff-Vertrauten Glaeseker durchgeführt.

In der eineinhalbstündigen Befragung durch den Herausgeber der Wochenzeitung Die Zeit, Josef Joffe, gab Wulff sich ebenso gelassen wie selbstbewusst. Er verwies darauf, dass ihm keine Rechtsverstöße vorgeworfen würden, sondern Fehler, für die er sich entschuldigt habe. Zum Glück lebten wir nicht mehr im Mittelalter, „sonst wäre ich schon auf dem Scheiterhaufen gelandet oder wenigstens am Pranger.“

Zweifellos seien aber Irritationen entstanden, die ausgeräumt werden müssten. Er habe Vertrauen der Bürger verloren, um das er nun kämpfen wolle. „Man kann Straucheln, aber man kann auch wieder aufstehen“, sagte Wulff. Er sei mit seinem Verhalten den Menschen womöglich näher als alle jene, die immer ganz genau wüssten, wie man alles richtig mache. Er wünsche sich, dass seine Arbeit erst nach Ablauf seiner ganzen Amtszeit bewertet werde. Er hoffe, dann als Präsident gesehen zu werden, der Deutschland weltoffener gemacht und die Integration vorangebracht habe.

Wulff-Karikaturen

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Wulff ging auch auf die Vorwürfe gegen seine frühere Landesregierung in Hannover ein, sie habe doch zur Finanzierung der privat organisierten Lobbyveranstaltung Nord-Süd-Dialog beigetragen. „Wir haben im Landtag gesagt, in diese Veranstaltung ist kein Steuergeld geflossen. Und das nach bestem Wissen und Gewissen. Sollte jetzt doch Steuergeld hineingeflossen sein, hätten wir dem Parlament gegenüber nicht die Wahrheit gesagt. Das ist ein ernster Vorgang, der zurecht jetzt vermutlich vom Staatsgerichtshof geklärt werden wird.“ Er warnte vor einer Vorverurteilung seines ehemaligen, mit ihm befreundeten Sprechers Olaf Glaeseker, dem Bestechlichkeit vorgeworfen wird. Die Opposition in Niedersachsen übte scharfe Kritik an Wulff: „Ein Bundespräsident, der in seiner Zeit als Ministerpräsident die Verfassung bricht, kann eigentlich nicht mehr in Amt bleiben“, sagte SPD-Fraktionschef Stefan Schostok.

Wulffs Vorbilder - Die Aussitzer

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