Selbstverteidiger auf der Bühne: Christian Wulff.
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Selbstverteidiger auf der Bühne: Christian Wulff.
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Berlin –
Der Bundespräsident will um das Vertrauen der Bürger kämpfen: Bei seinem Auftritt in Berlin gab Wulff sich ebenso gelassen wie selbstbewusst. Er verwies darauf, dass ihm keine Rechtsverstöße, sondern Fehler vorgeworfen würden.
Ob die Deutschen es nun wollen oder nicht – Christian Wulff bleibt ihr Bundespräsident. Ungeachtet der anhaltenden öffentlichen Kritik an seinem Verhalten und seinem Umgang denkt er nicht an Rücktritt. Er kenne aus seiner Jugend die Situation, wenn man vor große Probleme gestellt werde und sich frage: „Läufst du weg oder stellst du dich der Situation?“, sagte Wulff am Sonntag in Berlin.
Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, findet den Bundespräsidenten Christian Wulff „eigentlich nicht mehr tragbar“. Oppermann sagte am Freitag im Deutschlandfunk, Wulff habe die Grenzen nicht eingehalten, was von jedem Amtsträger gefordert werde. „Wir brauchen in Schloss Bellevue keinen Heiligen, sondern einen, der sich an Recht und Gesetz hält“, sagte der SPD-Politiker.
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Die Bundesspitze der Grünen schlägt noch ruhigere Töne an. Die Grünen-Parteichefs Claudia Roth und Cem Özdemir haben Bundespräsident Christian Wulff erst einmal aufgefordert, sein Amt "ruhen zu lassen" - das aber ab sofort.
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Der grüne Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele dagegen findet deutlichere Worte: „Es reicht jetzt“, sagte er der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ (Freitag-Ausgabe). „Die Vorstellung, dass der Bundespräsident staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ausgesetzt ist, ist unvorstellbar." Ein Rücktritt sei unvermeidbar: "Er muss sich aus der Schusslinie bringen.“
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Grünen-Fraktionschef Daniel Köbler aus Mainz findet, die Affäre um Wulff sei unerträglich geworden. „Christian Wulff sollte jetzt Platz machen, um Schaden von seinem Amt abzuwenden“, forderte Köbler bei dapd. „Wir wollen hier keine italienischen Verhältnisse à la Berlusconi.“
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Der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, rechnet nach der Beantragung der Aufhebung der Immunität des Bundespräsidenten mit dem Rücktritt von Amtsinhaber Christian Wulff. „Nach einem wochenlangen Trauerspiel ist nun wohl endgültig der Punkt erreicht, an dem ein Rücktritt des Bundespräsidenten unvermeidlich erscheint“, sagte Stegner „Handelsblatt Online“.
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Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Linksfraktion, Dagmar Enkelmann, hat sich ebenfalls für einen Rücktritt von Wulff ausgesprochen. „Er ist nicht mehr tragbar“, sagte sie der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ (Freitag-Ausgabe). Schon vor der Entscheidung der Staatsanwaltschaft Hannover, Ermittlungen einzuleiten, habe Wulff so viel Kredit verspielt, dass es nicht mehr möglich sei, das wieder gut zu machen.
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Der FDP-Abgeordnete Erwin Lotter forderte schon im Dezember Wulffs Rücktritt. Seine Begründung: „Statt mit präsidialem Glaubwürdigkeitskredit den Menschen in turbulenter Zeit Orientierung zu geben, ist der Bundespräsident gefangen im spitzfindigen Formulierungskampf um seinen Hauskredit."
Sein Parteikollege Wolfgang Kubicki ist weniger direkt. Er empfiehlt Wulff gentlemanlike, sich zu fragen, ob er das Amt noch ausüben kann.
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Muss man den kennen? Jetzt schon: Wulff sollte abtreten, rät Karl-Georg Wellmann von der CDU. Er ist der erste Abgeordnete der Bundestagsfraktion, ...
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...der das so offen ausspricht. Wenn Wulff im Amt bleibe, wäre das "ein Schrecken ohne Ende, und ein Ende mit Schrecken wäre besser", sagte Wellmann im ZDF.
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Ulrich Maurer ist da weniger diplomatisch. "Christian Wulff hat das Amt des Bundespräsidenten und damit die Bundesrepublik massiv beschädigt. Das Maß ist voll", wettert er. Maurer ist Fraktionsvize von "Die Linke". Die Piratenpartei...
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...hätte auch gern, dass Wulff das Boot verlässt. Im Bild: Die Geschäftsführerin Marina Weisband.
Die Opposition legt ihre bisherige Zurückhaltung ab: SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles forderte am Freitagmorgen Wulffs Rücktritt. In ihren Augen sei eine „staatsanwaltliche Ermittlung mit dem Amt des Bundespräsidenten unvereinbar.“
Er neige seither nicht zum Davonlaufen. Zum zweiten Mal in der seit sechs Wochen andauernden Kredit- und Medienaffäre gewährte der Präsident der Öffentlichkeit Einblick in seine Gedanken- und Gefühlswelt. Dieses Mal, in der vergleichsweise intimen Atmosphäre des Berliner Ensembles, ist es ihm besser gelungen als vor einem Millionenpublikum im Fernsehen Anfang Januar.
Schlechte Werte
Mehre neue Umfragen zeigen, dass Bundespräsident Christian Wulff in der Gunst der Bürger verliert. Nur ein Drittel der Deutschen (31 Prozent) hälft Wulff noch für glaubwürdig, ermittelte Infratest dimap für die ARD-Sendung Günter Jauch. Zu Beginn seiner Amtszeit waren es 74 Prozent. 69 Prozent glauben nicht, dass Wulff sein Amt noch angemessen ausüben kann, ergab ein Umfrage von YouGov für Die Zeit. Die Umfage wurde noch vor der Razzia bei dem Wulff-Vertrauten Glaeseker durchgeführt.
In der eineinhalbstündigen Befragung durch den Herausgeber der Wochenzeitung Die Zeit, Josef Joffe, gab Wulff sich ebenso gelassen wie selbstbewusst. Er verwies darauf, dass ihm keine Rechtsverstöße vorgeworfen würden, sondern Fehler, für die er sich entschuldigt habe. Zum Glück lebten wir nicht mehr im Mittelalter, „sonst wäre ich schon auf dem Scheiterhaufen gelandet oder wenigstens am Pranger.“
Zweifellos seien aber Irritationen entstanden, die ausgeräumt werden müssten. Er habe Vertrauen der Bürger verloren, um das er nun kämpfen wolle. „Man kann Straucheln, aber man kann auch wieder aufstehen“, sagte Wulff. Er sei mit seinem Verhalten den Menschen womöglich näher als alle jene, die immer ganz genau wüssten, wie man alles richtig mache. Er wünsche sich, dass seine Arbeit erst nach Ablauf seiner ganzen Amtszeit bewertet werde. Er hoffe, dann als Präsident gesehen zu werden, der Deutschland weltoffener gemacht und die Integration vorangebracht habe.
Wulff ging auch auf die Vorwürfe gegen seine frühere Landesregierung in Hannover ein, sie habe doch zur Finanzierung der privat organisierten Lobbyveranstaltung Nord-Süd-Dialog beigetragen. „Wir haben im Landtag gesagt, in diese Veranstaltung ist kein Steuergeld geflossen. Und das nach bestem Wissen und Gewissen. Sollte jetzt doch Steuergeld hineingeflossen sein, hätten wir dem Parlament gegenüber nicht die Wahrheit gesagt. Das ist ein ernster Vorgang, der zurecht jetzt vermutlich vom Staatsgerichtshof geklärt werden wird.“ Er warnte vor einer Vorverurteilung seines ehemaligen, mit ihm befreundeten Sprechers Olaf Glaeseker, dem Bestechlichkeit vorgeworfen wird. Die Opposition in Niedersachsen übte scharfe Kritik an Wulff: „Ein Bundespräsident, der in seiner Zeit als Ministerpräsident die Verfassung bricht, kann eigentlich nicht mehr in Amt bleiben“, sagte SPD-Fraktionschef Stefan Schostok.
......hat eine Bürgerinitiative Unterschriften für ein Abwahlverfahren gesammelt - mit Erfolg. Die Bürger haben Sauerland abgewählt.
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Was soll's? Roland Koch hat Übung im Aussitzen von Schwierigkeiten. Als hessischer Ministerpräsident...
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...wurde er unter anderem wegen Betrugs angezeigt, weil die hessische CDU 790.000 Euro Schwarzgeld laut "Spiegel" einfach nachträglich zum Darlehen erklärte. Später beschuldigten die Freien Wähler Koch, ...
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...er habe ihnen höhere Zuschüsse für den Fall versprochen, dass sie bei der Landtagswahl 2008 nicht antreten.
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Koch ließ die Vorwürfe jahrelang an sich abprallen. Am Ende ging er freiwillig: Er hatte wohl einfach keine Lust mehr auf Politik. Inzwischen arbeitete er für den Baukonzern Bilfinger Berger.
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Kochs Vorbild: Helmut Kohl. Nach dessen Kanzlerschaft kam heraus, dass die CDU in der Schweiz schwarze Konten führte. Kohl...
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...weigert sich bis heute, die Namen der Spender zu nennen - trotz des enormen öffentlichen Drucks, und obwohl er laut Parteiengesetz dazu verpflichtet wäre. Kohls Begründung: Er habe sein Ehrenwort gegeben. Obwohl die Bonner Staatsanwaltschaft bereits im Jahr 2000 ein Ermittlungserfahren gegen Kohl einleitete, ...
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...behielt er sein Bundestags-Mandat zwei weitere Jahre lang.
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Brandenburgs Ex- Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) offenbarte 1992 in einem Buch, er habe als Vertreter der Kirche in der DDR massig Gespräche mit der Stasi geführt. Stolpe beteuerte, er habe die Stasi hinters Licht führen wollen, trotzdem...
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...wurde er den Stasi-Geruch nie los - und löste eine Regierungskrise aus: Erst trat Stolpes Bildungsministerin Marianne Birthler zurück, zwei Jahre später zerbrach die Koalition mit den Grünen und der FDP.
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Trotzdem wurde er später Bundesverkehrsminister - und blieb im Amt, obwohl er dort erneut mit Vorwürfen konfrontiert wurde.
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Franz Josef Strauß (CSU) saß als Bundesverteidigungsminister unter anderem die Starfighter-Affäre aus: Weil die Bundeswehr unter obskuren Umständen mangelhafte Flugzeuge gekauft hatte, starben 116 Piloten bei Unfällen.
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Stürzen konnte ihn erst Jahre später die Spiegel-Affäre 1966. Der Vorwurf: Strauß soll darüber informiert gewesen sein, dass kritische Spiegel-Journalisten wegen unliebsamer Berichterstattung verhaftet wurden. Strauß trat erst zurück, ...
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...nachdem alle FDP-Minister aus Protest gegen ihn geschlossen auf ihr Amt verzichteten. Später war er noch jahrelang bayrischer Ministerpräsident.
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Auch Joschka Fischer (Grüne) brauchte Durchhaltevermögen, spätestens, ...
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...seit Details über seine Zeit als radikaler Linker bekannt wurden. Fischer räumte unter anderem ein, Steine auf Polizisten geworfen zu haben. Später...
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...rächte sich das Schicksal an ihm, als er selbst Opfer einer Farbbeutel-Attacke wurde. Der Werfer wollte damit gegen den Kosovo-Krieg protestieren. (mit Wikipedia, tagesspiegel.de)
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