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Auslese zu BER: Kommunikativer Tiefflieger am BER

Gesprächig: Berlins neuer Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn steht Journalisten nach einer Sitzung des BER-Sonderausschusses im Potsdamer Landtag am Montag (11.03.2013) Rede und Antwort.

Gesprächig: Berlins neuer Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn steht Journalisten nach einer Sitzung des BER-Sonderausschusses im Potsdamer Landtag am Montag (11.03.2013) Rede und Antwort.

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dpa

Die Lösung der baulichen Probleme am Berliner Flughafen BER hat in personeller Hinsicht inzwischen die Ausmaße eines weltlichen Konklaves angenommen. Und so war man hinreichend überrascht, als schließlich der weiße Rauch für Hartmut Mehdorn aufstieg. Die WAZ versucht der Verblüffung mit einem Witz beizukommen. „In welcher Einheit wird die Verspätung eines ICE gemessen? In Mehdorn.“ Aber dann wird’s auch schon gleich wieder ernst. „Der langjährige Bahnchef hat mit seinen spritzigen Träumen vom großen Börsengang viel versaut im deutschen Schienennetz. Der planlose Sparkurs ging zulasten der Kundschaft. Jetzt also: Mehdorn, der Flughafensanierer.“

Die Berliner Morgenpost will dagegen in Mehdorn einen Retter erkennen und verweist auf dessen Kompetenz. „In der Wirtschaft und in Luftfahrtkreisen gehen alle davon aus, dass ein Maschinenbau-Ingenieur, der seine Karriere als Flugzeugbauer begann, die Aufgabe bewältigen kann. Einen solchen Vertrauensvorschuss hat der BER schon lange nicht mehr erfahren. Das ist angesichts der Flughafen-Krise eine ganze Menge.“ Das sieht die taz ganz anders und verortet die Personalie Mehdorn in einem politischen Gestrüpp, aus dem es nüchtern betrachtet keinen Ausweg gibt. „In diese verfahrene Situation kommt nun Hartmut Mehdorn als vermeintlicher Retter in der Not.

Ohrfeige für Wowereit

Doch mit ihm wird in der Flughafengesellschaft und ihrem Aufsichtsrat keine Ruhe einkehren. Mehdorns Berufung, die auf Betreiben von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erfolgt sein dürfte, ist eine Ohrfeige für Klaus Wowereit und, in geringerem Maße, auch für Platzeck, also die beiden bisher politisch für das Desaster Verantwortlichen. Der Bund als Minderheitseigner hat sich in dieser Frage also durchgesetzt. Und da Mehdorn bei Bahn und Air Berlin bewiesen hat, dass er als kommunikativer Tiefflieger kaum in der Lage ist, in einer solchen Phase vermittelnd zu wirken, kann man sicher sein: Der Großflughafen bleibt auf Chaoskurs.“

Aber wie kann es überhaupt weitergehen? Und mehren sich nicht die Anzeichen dafür, dass wir es mit einer groß angelegten Verschwörung zutun haben? Der Chef-Tüftler aus dem Hause Tagesspiegel, Harald Martenstein, hat alles noch einmal ganz genau durchgespielt. „Inzwischen bin ich sicher, dass zumindest einige Berliner Politiker eine bewusstseinsverändernde Droge verabreicht bekommen. Da kann eigentlich nur Al-Kaida dahinterstecken. Sie reißen alte Gaslaternen ab, sie boykottieren den Luftverkehr, sie errichten gleichzeitig 20.000 Baustellen, und dann noch das Dauerproblem der S-Bahn, als nächstes wird sicher die Siegessäule an Disneyland verkauft. (…) Am Ende dieser Woche war ich reif für überraschende Lösungen. Wer kann Berlin retten? Wer ist überhaupt kurzfristig verfügbar? Johannes Ponader? Berlusconi? Thomas Gottschalk? Sarkozy? Baron Guttenberg? Nein, es macht Hartmut Mehdorn. Ich wäre ja für Joseph Ratzinger gewesen.“