16.01.2012

Bisherige Outings: Der einsame schwule Fußballer

Gareth Thomas (Mitte) bekannte sich zu seiner Homosexualität. Das Leben des Rugby-Idols soll jetzt verfilmt werden.
Gareth Thomas (Mitte) bekannte sich zu seiner Homosexualität. Das Leben des Rugby-Idols soll jetzt verfilmt werden.
Foto: imago sportfotodienst

Nicht viele schwule Sportler wagen es, öffentlich zu ihrer Sexualität zu stehen. Diese Athleten haben sich getraut - mit unterschiedlichen Folgen.

Der bisher einzige Fußball-Profi, der seine Liebe zu Männern während seiner Sportlerkarriere öffentlich machte, war Justin Fashanu. Der britische Stürmer, der unter anderem bei Manchester City spielte, bekannte 1990: „I am gay“. Das Boulevardblatt Sun, das dieses Outing auf der Titelseite brachte, hatte Fashanu 80 000 Pfund gezahlt. Glücklich wurde er nicht: Acht Jahre später, mit 37, brachte sich Fashanu um, nachdem ein Junge ihn wegen Vergewaltigung angezeigt hatte.

Bisher haben sich nur wenige, eher drittklassige Fußballer zu ihrer Homosexualität bekannt, etwa der Schwede Anton Hysen und der US-Amerikaner David Testo.


Im Sport ist die gleichgeschlechtliche Liebe immer noch tabuisiert, im Gegensatz zu anderen gesellschaftlichen Bereichen. Schwule Politiker, lesbische Schauspielerinnen oder bisexuelle Modemacher erregen schließlich heutzutage kein Aufsehen mehr. Doch schon rein statistisch muss es auch unter den Sportlern Homosexuelle geben – diversen Studien zufolge sind vier bis sechs Prozent aller Männer schwul.

Zu dieser sexuellen Orientierung öffentlich zu stehen, dürfte Athleten in den Sportarten schwerer fallen, die wegen ihrer Härte als besonders männlich gelten, etwa Eishockey oder Rugby.


Das Rugby-Idol Gareth Thomas aus Wales wagte vor zwei Jahren diesen Schritt – ohne negative Folgen. „Niemand distanzierte sich von mir“, sagte der Rekordnationalspieler. Sein Leben soll jetzt mit Mickey Rourke in der Hauptrolle verfilmt werden. Möglicherweise bestärkt durch Thomas’ Erfahrungen hat sich im November ein zweiter Rugby-Spieler aus Wales zu seiner Homosexualität bekannt: Jed Hooper. Auch er bekam eigenen Angaben zufolge nur positive Rückmeldungen, der Verein hält zu ihm.

Möglicherweise wäre es auch dem US-Eishockeyspieler Brendan Burke so ergangen. Doch er starb kurz nach dem Outing bei einem Autounfall.


Der Eiskunstläufer Johnny Weir ist ein Beispiel dafür, dass sich auch solche Athleten nicht leichttun, die in Sportarten erfolgreich sind, in denen es weniger auf männliche Attribute wie Kraft und Aggressivität ankommt als auf weibliche wie Anmut und Eleganz. Der US-Amerikaner, über dessen sexuelle Orientierung jahrelang spekuliert worden war, machte seine Homosexualität erst 2011 in seiner Autobiografie öffentlich. Vor ihm hatten dies schon einige andere Eiskunstläufer getan – etwa der Brite John Curry, Olympiasieger von 1976.


Männliche Sportler brechen mit einem Coming-out ein stärkeres Tabu als Sportlerinnen. Diese Auffassung vertritt die Ethnologin Tatjana Eggeling, die schon lange auf dem Gebiet forscht. Denn im Sport, so Eggeling, komme es vor allem auf männliche Tugenden wie Kraft, Stärke und Leistungsfähigkeit an. „Für Männer ist daher das Überschreiten von Geschlechtergrenzen hin zu dem, was gemeinhin als weiblich gilt, weniger einfach.“ Frauen biete der Sport durchaus die Möglichkeit, Aspekte ihrer Persönlichkeit auszudrücken, die üblicherweise als männlich definiert werden.


Der Ex-Fußballer Marcus Urban gehörte wie die Wissenschaftlerin Tatjana Eggeling zu den Experten, die der Bundestagssportausschuss im vergangenen Frühjahr zur Anhörung „Homosexualität im Sport“ einlud. Urban war Jugendnationalspieler der DDR und beendete 1990 seine hoffnungsvolle Karriere bei Rot-Weiß Erfurt, weil ihn das Vertuschen seiner Homosexualität fast in den Selbstmord trieb.

Er begrüßte es bei der Anhörung, dass das Thema den Bundestag erreicht hat. Tatjana Eggeling mahnte umfassende Kampagnen gegen Homophobie im Sport an. Noch immer müssten Schwule und Lesben mit Diskriminierungen rechnen. (FR/BLZ)

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