02.01.2012

Bombenanschläge: Nigeria verhängt Ausnahmezustand

Frauen trauern um die Opfer des Bombenanschlags vom Weihnachtstag.
Frauen trauern um die Opfer des Bombenanschlags vom Weihnachtstag.
Foto: Reuters

Nach einer Anschlagsserie in Nigeria hat Präsident Goodluck Jonathan den Ausnahmezustand über Teile des Landes verhängt. Außerdem wurden die internationalen Grenzen in der Nähe der betroffenen Regionen geschlossen.

Die Grenzen blieben geschlossen, „bis Normalität wieder hergestellt ist“, sagte Jonathan in einer Fernsehansprache. Es handele sich nur um vorübergehende Maßnahmen.

Bei mehreren Bombenanschlägen auf Kirchen im Norden Nigerias waren über Weihnachten insgesamt mehr als 40 Menschen getötet worden. Zu den Anschlägen hatte sich die radikalislamische Sekte Boko Haram bekannt. Aus Angst vor neuen Attacken hatten zahlreiche Kirchen in Nigeria mitternächtliche Gottesdienste in der Silvesternacht abgesagt. Die Boko-Haram-Extremisten, die die westliche Kultur und das Christentum radikal ablehnen, hatten für die christlichen Neujahrsfeiern Anschläge angekündigt.

Zudem sind am Sonnabend ethnische Konflikte im Südosten ausgebrochen, bei denen fast 50 Menschen ums Leben kamen. „Was als sektiererische Krise in den nordöstlichen Teilen des Landes begann, hat sich allmählich in terroristische Aktivitäten in verschiedenen Teilen des Landes gewandelt“, sagte Jonathan in seiner landesweit übertragenen Ansprache. Im Kampf gegen die Sekte ordnete er auch den Aufbau einer gesonderten Anti-Terror-Einheit an. „Der Terrorismus ist ein Krieg gegen uns alle“, betonte der Präsident. „Ich rufe alle Nigerianer auf, Hand in Hand mit der Regierung zu arbeiten, diese Terroristen zu bekämpfen.“

Kirchen im Visier

Der Ausnahmezustand erweitert die Befugnisse der Sicherheitskräfte für Festnahmen und Durchsuchungen. Er gilt für Teile der Staaten Yobe, Plateau und Niger, die alle Ziele der Anschläge an Weihnachten waren. Angegriffen worden waren dabei neben Kirchen auch ein Büro der Geheimpolizei. Darüber hinaus wurde der Ausnahmezustand auch für Teile von Borno verhängt, einer Hochburg der Boko Haram.

Die Unruhen im Südosten Nigerias, bei denen mindestens 50 Menschen getötet worden sind, waren im östlichen Bundesstaat Ebonyi ausgebrochen. Dabei lieferten sich die rivalisierenden Volksgruppen Ezza und Ezilo gewaltsame Auseinandersetzungen, teilte die Regierung mit. Polizeieinheiten seien in die Region entsandt worden, um wieder für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Der Konflikt zwischen den beiden Volksgruppen besteht bereits seit längerem und führt immer wieder zu Gewaltausbrüchen. In dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas kommt es häufiger zu gewaltsamen Auseinandersetzungen um Land.

Kritik an Reaktionen

Die Anschläge auf Kirchen, aber auch die Reaktionen von nigerianischen Offiziellen riefen weltweit Empörung hervor. So kritisierte Kurienkardinal Jean-Louis Tauran die Äußerungen von Spitzenvertretern nicht-christlicher Religionen zu den Gewalttaten. Es sei wenig hilfreich, etwa für die jüngsten Anschläge auf Kirchen in Nigeria Extremisten der einen oder anderen Religion verantwortlich zu machen, sagte der Leiter des päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog.

In einem Interview der vatikanischen Tageszeitung Osservatore Romano am Sonnabend forderte er, nach solchen Fällen müssten die religiösen Autoritäten nachhaltig für Frieden und Versöhnung eintreten. Dies machten aber nur wenige außer Papst Benedikt XVI.

Jeder religiöse Führer müsse sich dringend darum bemühen, den Mitgliedern seiner Glaubensgemeinschaft eine Mentalität des Friedens zu vermitteln, so Tauran. Zugleich hob er hervor, dass die katholische Kirche bestrebt sei, „in jedem Winkel der Welt“ den Dialog zwischen den Religionen zu fördern. Dieser müsse auf gegenseitigem Respekt und der Suche nach der Wahrheit beruhen. Dass die Bemühungen der Kirche auch von nichtchristlichen religiösen Führern aus der ganzen Welt anerkannt würden, stelle das „vielleicht wichtigste Ergebnis“ des Weltfriedenstreffens im italienischen Assisi im Oktober dar, betonte Tauran. (FR)

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