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Bombenfund in Bonn: Polizei sucht mit Video nach Verdächtigem

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Nach dem Fund eines Sprengsatzes im Bahnhof ermitteln die Fahnder in alle Richtungen, sucht einen zweiten Tatverdächtigen und veröffentlicht ein Video. Weiterhin ist unklar, ob die Tat einen terroristischen Hintergrund hat.

Nach dem Bombenfund im Bonner Hauptbahnhof geht die Polizei nun nicht mehr zwangsläufig von einem terroristischen Hintergrund aus. Erste Anhaltspunkte, wonach die Täter aus dem salafistischen Spektrum stammen könnten, ließen sich am Mittwoch zunächst nicht erhärten. „Wir nehmen den Vorfall durchaus ernst und ermitteln in alle Richtungen“, sagte ein Sprecher von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in Berlin. Die Sicherheitslage in Deutschland habe sich durch den Vorfall allerdings nicht verändert.

Am Vortag hatten die Fahnder vorübergehend zwei junge Männer, die der radikalen Salafistenszene in Bonn zugerechnet werden, unter dem Verdacht festgenommen, am Montag zur Mittagszeit den Sprengsatz auf dem Hauptbahnhof Bonns abgestellt zu haben. Die Polizei will nun anhand der Mobilfunkdaten überprüfen, ob sich der Verdächtige und sein Bekannter zur Tatzeit überhaupt nahe dem Bahnhof aufgehalten haben. Ein dringender Tatverdacht ließ sich nicht erhärten, hieß es in Ermittlerkreisen.

Generalbundesanwalt Harald Range sagte am Mittwoch in Karlsruhe, es gebe bislang nicht ausreichend Hinweise darauf, dass die Tat einen terroristischen Hintergrund habe. Was aber nicht bedeute, dass ein solcher Hintergrund ausgeschlossen werden könne. Deshalb ziehe die Ermittlungen zunächst auch nicht an sich, sondern stehe in engem Kontakt mit den örtlichen Behörden im Rheinland.

Ermittler halten Sprengsatz für hochgefährlich

Der Sprengsatz, der sich in einer blauen Sporttasche befand, soll indes hochgefährlich gewesen sein. Er habe aus einem 40 Zentimeter langen Metallrohr bestanden, in dem sich Ammoniumnitrat befunden habe, darum herum seien vier Camping-Gaskartuschen befestigt gewesen sowie ein Wecker und eine Batterie. Trotz seiner unkonventionellen Bauweise hätte der Sprengsatz eine „beachtliche Sprengkraft und große Splitterwirkung“ erzeugen können, sagte Ermittlungsleiter Norbert Wagner am späten Mittwochnachmittag in Bonn. Unklar blieb aber nach wie vor, ob der Sprengsatz explodiert wäre, wenn die Bombe nicht zuvor gefunden und von Sprengstoffexperten mittels einer Wasserkanone unschädlich gemacht worden sei. Trotz intensiver Suche sei kein Zünder gefunden worden.

Gegenstände wie diese fanden sich in der blauen Tasche, die am Bonner Hauptbahnhof abgestellt worden war.
Gegenstände wie diese fanden sich in der blauen Tasche, die am Bonner Hauptbahnhof abgestellt worden war.
Foto: dapd

Nach Schilderungen der Polizei hatte gegen 13 Uhr ein groß gewachsener dunkelhäutiger Mann die Tasche an Gleis 1 des Bahnhofs direkt vor die Füße von zwei Jugendlichen gestellt. Die Tasche sei offen, die Bauteile der Bombe zu sehen gewesen. Der Mann sei daraufhin weggerannt. Die Jugendlichen hätten eine Bahnbedienstete auf die Tasche aufmerksam gemacht – und damit Schlimmeres verhindert.

Die Ermittlungen werden dadurch erschwert, dass die Videokameras auf dem Bonner Hauptbahnhof keine Aufzeichnungen machen, sondern lediglich für die Zugabfertigung genutzt werden. Die ersten Fahndungen stützten sich deshalb auf die Aussagen der beiden Jugendlichen, die die Bombe entdeckt hatten. Anhand ihrer Beschreibung wurden die beiden Verdächtigen, die eine gewisse Ähnlichkeit mit der Beschreibung gehabt hätten, zunächst in Gewahrsam genommen. Später publizierte die Polizei ein Phantombild, das einen großen dunkelhäutigen Mann zeigt.

Eine Video-Sequenz, zur Verfügung gestellt von der Polizei, zeigt einen Mann, der mit einer blauen Tasche im Hauptbahnhof Bonn gefilmt wurde.
Eine Video-Sequenz, zur Verfügung gestellt von der Polizei, zeigt einen Mann, der mit einer blauen Tasche im Hauptbahnhof Bonn gefilmt wurde.
Foto: dpa

Am Mittwochabend veröffentlichten die Ermittler nun eine kurze Videosequenz aus einem Restaurant im Bonner Hauptbahnhof, in der ein Mann mit einem braunen Parka wenige Minuten vor dem Sprengstoff und eine Tasche durch das Schnellrestaurant trägt, die dem Sprengstoffbehältnis sehr ähnlich sieht. Dabei handele es sich um eine andere Person als den dunkelhäutigen Mann, nach dem per Phantombild gefahndet wird. Nach beiden Männern werde weiter intensiv gefahndet, kündigte der leitende Ermittler Norbert Wagner an. Über mögliche Hintergründe für die Tat und die Beteiligung der gesuchten Personen wollte er nicht spekulieren. Man ermittle weiterhin in jede Richtung. (mit ukn.)

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