21.02.2012

Bürgerkrieg in Syrien: Rotes Kreuz verhandelt über Waffenruhe

Auch heute gehen die Kämpfe in Homs weiter.
Auch heute gehen die Kämpfe in Homs weiter.
Foto: AFP

Die Gewalt in Syrien hat nun das Rote Kreuz auf den Plan gerufen. Die Hilfsorganisation verhandelt mit dem Regime über eine Waffenpause, um den notleidenden Zivilisten helfen zu können. Vor allem in Homs hat sich die Lage dramatisch zugespitzt.

Angesichts der Gewalt in Syrien ist das Rote Kreuz intensiv bemüht, wenigstens eine vorrübergehende Waffenruhe zur Versorgung notleidender Menschen zu erreichen. „Wir sind zutiefst besorgt über die humanitäre Lage“, sagte ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) am Dienstag in Genf.

Rot-Kreuz-Mitarbeiter „prüfen derzeit mehrere Möglichkeiten, dringend benötigte Hilfe zu leisten“, erklärte IKRK-Sprecher Bijan Farnoudi. „Dazu gehört eine Waffenruhe in den am stärksten betroffenen Gebieten, die es dem Syrischen Arabischen Halbmond sowie dem IKRK ermöglichen würde, notleidende Menschen zu erreichen.“

Die Gespräche mit Vertretern der syrischen Regierung und Aufständischen dauerten am Dienstag nach Angaben von Diplomaten in Genf weiter an. Das IKRK bestätigte dies, nannte aber keine Einzelheiten, um eine mögliche Vereinbarung zwischen den Konfliktparteien nicht zu gefährden.

Granaten auf Homs

Derweil setzten syrische Regierungstruppen nach Angaben von Regimegegnern Angriffe mit schweren Waffen auf Viertel der Stadt Homs fort. Dabei sollen am Dienstag wieder zahlreiche Menschen getötet oder verletzt worden sein.

In der Stadt hat sich die Lage dramatisch zugespitzt. Einige Häuser dienen als provisorische Hospitäler. Doch Medikamente, Verbandsmaterial - all das gebe es kaum noch. Zwei oder drei Ärzte seien noch in Baba Amro - für 80.000 Menschen. Die Telefonleitungen sind gekappt, es gibt keinen Zugang zum Internet. Homs ist abgeriegelt.

In Notunterkünften sucht die Zivilbevölkerung von Homs Schutz.
In Notunterkünften sucht die Zivilbevölkerung von Homs Schutz.
Foto: REUTERS

Nahrung und Trinkwasser werden knapp

Die Versorgung wird immer schwieriger. Die Märkte sind geschlossen, die Händler haben keine Lebensmittel mehr zu verkaufen. Die Menschen ernähren sich von eingelegten Auberginen, Oliven und trockenem Brot. Gemüse oder gar Fleisch sind der wahre Luxus. Die Bauern können nicht auf ihre Felder und die Ernte einbringen, weil am Stadtrand Assads Truppen stehen. „Wenn die Menschen nicht erschossen werden, dann werden sie bald verhungern“, sagt ein Anwohner, der sich Marx nennt.

Selbst das Trinkwasser ist knapp. Soldaten hätten mutwillig Löcher in die Wassertanks geschossen, empören sich Augenzeugen. „Jetzt sammeln wir Regenwasser in Töpfen und Krügen“, berichtet Abu Bakr, der mit 25 Menschen in einer Zwei-Zimmer-Wohnung lebt. „Wir schlafen in Schichten - die einen tagsüber, die anderen nachts.“ Es gebe Frauen, die gerade entbunden hätten, aber wegen des Schocks keine Muttermilch für ihre Kinder hätten, sagt Abu Bakr. „Jetzt stillen andere Frauen diese Säuglinge. Aber für wie lange? Ihr Leben ist in Gefahr.“

"Die Welt hat uns aufgegeben"

Oppositionelle haben Hunderte Videos ins Internet gestellt, um die Kämpfe, die Zerstörung und das Sterben in dem seit elf Monaten dauernden Aufstand zu dokumentieren. Und dennoch glauben sie, dass es nicht genug ist. Das Ausland müsste doch etwas tun, damit das Töten aufhört, sagen Regierungskritiker. Sie müssten doch wenigstens zulassen, dass Frauen, Kinder und Verletzte sicher aus Homs herauskommen.

In ihrer Verzweiflung hadern die Menschen in Homs auch mit der Opposition. „Die lassen uns hängen“, schimpft Marx. „Alle verschaukeln uns. Alle nutzen uns nur aus für ihre eigenen Interessen. Und wir zahlen dafür den Preis.“ Und ein anderer sagt resigniert: „Wir sind allein. Wir zählen nicht. Niemand kümmert sich darum, was mit uns geschieht. Die Welt hat uns aufgegeben.“ (dpa/rtr)

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