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Bundeswehr: Immer mehr Soldaten traumatisiert

Im Jahr wurde 2014 bei 204 Soldaten eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) festgestellt, das sind 55 neue Fälle mehr als 2013.

Im Jahr wurde 2014 bei 204 Soldaten eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) festgestellt, das sind 55 neue Fälle mehr als 2013.

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dpa

Berlin -

Die Zahl der Bundeswehr-Soldaten, die an schweren psychischen Folgen von Auslandseinsätzen leiden, ist im vergangenen Jahr stark angestiegen. Das ergibt sich aus einer Übersicht des Psychotraumazentrums der Bundeswehr, die der Berliner Zeitung vorliegt.

Demnach wurde im Jahr 2014 bei 204 Soldaten eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) festgestellt, das sind 55 neue Fälle mehr als 2013. Bei 164 weiteren wurden psychische Krankheiten wie Angststörungen oder Depressionen diagnostiziert; dies sind 20 neue Fälle mehr. Der Zuwachs betrug unterm Strich 25,6 Prozent.

Insgesamt waren im vergangenen Jahr 413 Soldaten wegen PTBS in Behandlung. Sie suchten fast 1700 Mal den Arzt auf. Die meisten Traumatisierten waren zuvor in Afghanistan im Einsatz, die zweitgrößte Gruppe im Kosovo. Dabei ist zu beachten, dass sich seelische Folgen oft erst mit großer Verzögerung bemerkbar machen. Allein in Afghanistan, wo der Bundeswehr-Kampfeinsatz zum Jahresende 2014 offiziell auslief, waren in 13 Jahren alles in allem 135.000 Soldaten zeitweilig stationiert. Derzeit sind knapp 2 500 Soldaten bei Einsätzen im Ausland aktiv.

"Krieg macht krank"

Die verteidigungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Christine Buchholz, sagte der Berliner Zeitung: „Krieg macht krank. Mehr militärisch dominierte außenpolitische Verantwortung heißt mehr Leid nicht nur für Bevölkerung und Umwelt in den Einsatzgebieten, sondern auch für die Soldaten und Soldatinnen und ihre Familien.“ Der beste Schutz vor PTBS und anderen psychischen Erkrankungen sei es, die Bundeswehr nicht mehr in Kriegseinsätze zu schicken.

Auch die sicherheitspolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, Agnieszka Brugger, hält den Anstieg für besorgniserregend. „PTBS und andere psychische Erkrankungen zeigen, welche langfristigen Konsequenzen Bundeswehreinsätze für den Einzelnen eben auch haben können.“

Selbst wenn sich inzwischen bei den gesetzlichen Grundlagen viel verbessert habe, gebe es doch noch einige Baustellen, um die man sich dringend kümmern müsse. Dazu gehöre die Beschleunigung der Verfahren zur Anerkennung einer Wehrdienstbeschädigung, die immer noch viel zu lange dauerten, weil Personal fehle, betonte Brugger. „Das ist für die Betroffenen eine schlimme Hängepartie.“ Auch diejenigen, die aus der Bundeswehr ausgeschieden seien, müssten letztlich beobachtet und betreut werden, fügte sie hinzu.

Mangel an Psychologen

Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold zeigte sich derweil sicher, dass das Problem „uns noch einige Jahre beschäftigen wird“. Er beklagte einen Mangel an bundeswehreigenen Psychologen. Zusätzliches Personal sei indes schwer zu finden, da auf dem Gebiet auch im Zivilleben ein Mangel bestehe.

Im Verteidigungsministerium hieß es: „Die Sensibilität für das Thema hat zugenommen. Und die Stigmatisierung der Betroffenen hat abgenommen. Das ist aus unserer Sicht der Grund für die Zunahme.“ Überdies verstärke die Bundeswehr ihre Bemühungen, des Problems Herr zu werden. So sei 2013 eine Dunkelzifferstudie vorgelegt worden. Neben dem Traumazentrum kümmerten sich 160 sogenannte Lotsen um erkrankte Soldaten. Die Bundeswehr rechnet jedoch damit, dass die Zahl der Betroffenen weiter steigt. Anders als für die amerikanischen und britischen Streitkräfte, die längere Erfahrung mit Auslandseinsätzen haben, ist das Problem für die Bundeswehr noch relativ neu.


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