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CDU-Parteitag: Ritterschlag oder Demontage

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Volkstümlich, aber dabei eine kühle Strategin: Julia Klöckner.
Volkstümlich, aber dabei eine kühle Strategin: Julia Klöckner.
Foto: dpa
Hannover –  

Auf dem CDU-Parteitag in Hannover fallen Entscheidungen über Karrieren: David McAllister bekommt einen Ritterschlag, Annette Schavan wird dagegen demontiert.

Mit einer Prise Ironie pries Horst Seehofer die wahlkampfbedingte Harmonie zwischen CDU und CSU. „Passt scho“, spendierte der Ministerpräsident aus München der Schwesterpartei das höchste bayerische Lob. Ein „kubanisches Ergebnis“ wie die mehr als 98 Prozent für Angela Merkel habe es in seiner Partei noch nie gegeben, sagte er. Weitere Personalentscheidungen kommentierte der CSU-Chef nicht.

Einen Ritterschlag bekam allerdings noch David McAllister, der beim CDU-Parteitag oft im Mittelpunkt stand. Der 63-jährige Seehofer schätzt angeblich den Rat des 41-jährigen Regierungschefs, mit dessen Kampf um die Macht in Niedersachsen Ende Januar das Wahljahr 2013 beginnt. Weil der Koalitionspartner FDP dort wie überall schwächelt, könnte es aber sein, dass der Nachfolger von Christian Wulff trotz eines ordentlichen Ergebnisses Platz machen muss für eine rot-grüne Regierung.

Julia Klöckner hat noch eine Weile Zeit bis zur nächsten Wahl. Dennoch ist sie in Hannover zur stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt worden, weil man ihr in der CDU eine große Zukunft zutraut. „Ist sie die neue Merkel?“, fragt nicht nur die Bild-Zeitung. Seit dem vorigen Jahr führt die 39-Jährige Partei und Landtagsfraktion der CDU in Rheinland-Pfalz. Die Winzertochter kommt volkstümlich daher und gilt trotzdem als strategischer Kopf. Vor allem ist sie ohne Vorbehalt aus dem Bundestag in die heimische Landespolitik gewechselt. Damit der Star im Wartestand nicht beschädigt wird, erhöhte die Partei die Zahl der stellvertretenden Vorsitzenden von vier auf fünf – so viele wie es Kandidaten gab.

Bouffier kein Hoffnungsträger

Auch Thomas Strobl könnte ein bisschen Förderung gebrauchen, obwohl der 52-jährige Bundestagsabgeordnete einen der großen Landesverbände führt – doch in Baden-Württemberg hat die CDU das Amt des Ministerpräsidenten in einer historischen Niederlage an den Grünen Winfried Kretschmann verloren. Und dann haben sie auch noch Annette Schavan demontiert. Von Plagiatsvorwürfen bezüglich ihrer Doktorarbeit war noch nicht die Rede, da entzog Schavans Landesverband ihr schon die Unterstützung für ihre Bildungspolitik. Sie verzichtete dann „freiwillig“ auf einen Vizevorsitz im Bund.

Volker Bouffier ist der letzte Vertreter des rechten CDU-Flügels, der noch ein Regierungsamt innehat. In seiner Rede zog er vor allem über die Grünen her. Mit 60 Jahren zählt er jedoch nicht mehr zu den Hoffnungsträgern der Partei. Übrigens auch Armin Laschet nicht, obwohl er erst 51 Jahre alt ist. Doch der frühere Düsseldorfer Integrationsminister verlor den Machtkampf um die Parteispitze in Nordrhein-Westfalen, erst nach der Landtagswahl mit dem erfolglosen Spitzenkandidat Norbert Röttgen bekam er den CDU-Vorsitz in NRW. Da liefert er sich nun Grabenkämpfe mit Karl-Josef Laumann, dem Bundeschef der CDU-Sozialausschüsse und Vorsitzenden der Landtagsfraktion. In diesem Zustand gilt die NRW-CDU selbst in den eigenen Reihen nicht als konkurrenzfähig zur populären SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

Bleibt Ursula von der Leyen. Die Bundesarbeitsministerin hat das größte politische Format unter den CDU-Vizevorsitzenden. Aber sie ist in der Partei nicht beliebt, wie ihre mäßigen Wahlergebnisse zeigen. Sie geht vielen auf die Nerven, etwa mit ihrer Forderung nach einer Frauenquote. Außerdem zeigt sie zu viele Ambitionen, auch auf die Nachfolge Angela Merkels. Demut lässt sie hingegen zu wenig erkennen, wie Horst Seehofer meint.

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