Neuer Inhalt

CSU: Karl-Theodor zu Guttenberg will den Thron nicht

Seehofer und Guttenberg - csu - 290216

Karl-Theodor zu Guttenberg (l) und Horst Seehofer unterhalten sich.

Foto:

dpa

Es wäre Horst Seehofers Coup des noch jungen Jahres geworden – wenn es denn geklappt hätte. Der bayerische Ministerpräsident hat offenbar versucht, Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zurück in die Politik zu holen. Sogar für den Parteivorsitz der CSU und die Spitzenkandidatur für die Bayern-Wahl 2018 favorisiert Seehofer nach Informationen der Süddeutschen Zeitung dem wegen seiner gefälschten Doktorarbeit 2011 zurückgetretenen ehemaligen Medienliebling.

Die Expansion seiner Beratungs- und Investmentfirma fülle ihn gänzlich aus, teilt er der Süddeutschen Zeitung per Mail mit. „Unabhängig davon würden die berechtigten Gründe für meinen Rücktritt sowie mein lausiger Umgang damit eine Rückkehr nicht rechtfertigen" hieß es in dem Schreiben weiter. Eine Schelle für Horst Seehofer, der sich mehrfach für eine Rückkehr des adeligen Ex-Ministers in die Politik ausgesprochen hatte.

Bereit zur Mini-Rückkehr

Der bayerische Hilferuf in die USA, wo zu Guttenberg lebt, offenbart eine traurige Wahrheit über den Zustand der CSU. Denn zu Guttenberg repräsentiert all das, was die Christsozialen und vor allem Horst Seehofer derzeit vermissen lassen. Weltläufigkeit und ein positives Image. Während der charmante Franke bis zur Plagiatsaffäre hohe Beliebtheitswerte in ganz Deutschland aufweisen konnte und als kosmopolitisch galt, wirkt Seehofer oft wie ein schlecht gelaunter Nörgler, der mit provinziell wirkenden politischen Vorhaben und Populismus in der Flüchtlingsdebatte aus Bayern heraus die Politik in Berlin behindert.

seehofer und guttenberg - csu- 290216 -1

Seehofer (l) und Guttenberg.

Foto:

dpa

Zu Guttenberg steht für ambitionierte Großprojekte wie die Bundeswehrreform. Seehofer steht für das als Herdprämie verschriene Betreuungsgeld und die PKW-Maut. Unter dem Ingolstädter hat die CSU zwar in Bayern zu alter Stärke zurückgefunden ist aber gleichzeitig zu einer verkrampft wirkenden Provinzpartei geschrumpft, der obendrein noch die rechtspopulistische AfD im Nacken sitzt. Zu Guttenberg hätte der CSU neuen Glanz und Lockerheit verleihen können.

Doch Horst Seehofers Pläne könnten noch einen anderen Grund haben. Der CSU-Chef will offenbar verhindern, dass sein innerparteilicher Konkurrent, der bayerische Finanzminister Markus Söder, seine Nachfolge antritt. Die Süddeutsche Zeitung zitiert Parteiquellen, laut derer Seehofer sich trotz Rücktrittsankündigung vorstellen kann, auch nach 2018 weiter Ministerpräsident zu bleiben. Will er Söder ausbremsen oder zu Guttenberg mehr Zeit für ein Comeback geben? Zumindest zu einer Mini-Rückkehr scheint der Umschmeichelte bereit zu sein. Der Ex-Minister wird seine Partei im neuen Strategie-Team in außenpolitischen Fragen unterstützen.


  • Nachrichten
  • Panorama
Newsticker

Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?