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CSU-Vorsitzender: Hört Horst Seehofer doch noch nicht auf?

Horst Seehofer

Horst Seehofer wird dem CSU-Vorstand am Montag (24.04.2017) wohl mitteilen, dass er doch noch weitermacht.

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dpa

München -

Keine fünf Jahre ist es her, dass Horst Seehofer für 2018 in einer „bayerischen Welturaufführung“ einen geordneten Führungswechsel in der CSU ankündigte. Es folgten wiederholt Äußerungen, nicht mehr zur nächsten Landtagswahl anzutreten.

Am Montag (24.04.2017) könnten diese Ankündigungen das viel zitierte Politikergeschwätz von gestern sein: Wenn nicht alles täuscht, wird Seehofer dem CSU-Vorstand dann mitteilen, dass er weitermacht. Seehofer kam am 4. Juli 1949 in Ingolstadt zur Welt, er wird also in wenigen Wochen 68 Jahre alt. In Bayern ist er seit 2008 Ministerpräsident.

Als er damals nach fast 30 Jahren in der Bundespolitik – unter anderem war er Gesundheits-, Verbraucher-, und Landwirtschaftsminister – nach München kam, warf er aus Altersgründen alle über 60-Jährigen aus seinem Kabinett.

Einige doppeldeutige Bemerkungen

Wenn es also nach seiner eigenen Logik ginge, wäre das Ende seiner Karriere überfällig – und sowieso, wenn es nach seinen eigenen Äußerungen ginge. „Ich werde bei der nächsten Landtagswahl nicht mehr kandidieren“, sagte er im Januar 2015 etwa. Doch Seehofer machte auch immer wieder doppeldeutige Bemerkungen, die auf eine Fortsetzung hindeuteten.

Und in der in Inszenierungen erprobten CSU passt es, dass kurz vor der Entscheidung ein bereits im Februar absolviertes Geheimtreffen an die Öffentlichkeit durchgestochen wurde. Altvordere wie die CSU-Ehrenvorsitzenden Edmund Stoiber und Theo Waigel, dazu das von Seehofer abgelöste unglückliche Tandem Günther Beckstein – Ministerpräsident – und Erwin Huber – CSU-Chef – sollen Seehofer zur neuerlichen Spitzenkandidatur aufgefordert haben.

Strauß als großes Vorbild

Schließlich spricht auch für eine neue Spitzenkandidatur, dass Seehofer bisher nichts für eine konstruktive Nachfolgelösung unternahm. Der CSU würde ausgerechnet Monate vor der Bundestagswahl ein Machtkampf drohen, wenn er sich jetzt zurückzöge. Denn Seehofer setzte in dieser Legislaturperiode viel Energie dafür ein, mögliche Nachfolger in Schach zu halten.

Vor allem der ehrgeizige bayerische Finanzminister Markus Söder bekam dies zu spüren, aber auch seine Vizeministerpräsidentin Ilse Aigner. Der Politikwissenschaftler Michael Weigl beschrieb dies einmal damit, dass bei Seehofer die persönliche Machterhaltungsstrategie darauf ausgelegt sei, „jegliche Mehrheitsbildung zugunsten einer personellen Alternative zur eigenen Person zu behindern“.

Schalten und walten nach eigenem Gutdünken, viel Jubel vom Volk genießen, und natürlich immer wieder die heftigen Attacken auf die Bundespolitik – das klingt wie bei Franz Josef Strauß, für Seehofer „mein großes politisches Vorbild“. In Strauß' Tradition sah Seehofer sich auch mit seiner harten Linie in der 2015 aufgekommenen Flüchtlingskrise.

Sei eine „51:49-Entscheidung”

In dieser hatte Seehofer sich als Gegenspieler von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) profiliert – und mit Hartnäckigkeit und Detailkenntnissen viele Kritiker des „Luftikus“ Seehofer überrascht. Dass es diese Seite gibt, hatten aber in einer der seltenen Äußerungen aus der Familie sein Bruder Dieter und seine Schwester Christa schon vor einigen Jahren in der „Süddeutschen Zeitung“ berichtet. Er sei von Kind auf ehrgeizig, detailversessen und strebsam gewesen.

Sein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt hatte er als Jahrgangsbester abgeschlossen. Mit seiner Frau Karin und den drei erwachsenen ehelichen Kindern – aus einer Affäre hat Seehofer eine kleine Tochter – wollte sich Seehofer über Ostern über seine Pläne beraten. Doch wichtige Fragen macht er vor allem mit sich selbst aus. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitierte ihn jetzt mit den Worten, es sei „eine dieser 51:49-Entscheidungen“. (afp)


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