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Ermordete Henrike Grohs war Missionarin der guten Laune

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Hotelgäste verlassen ihre Unterkunft in Grand Bassam. Im Hintergrund stehen ivorische Soldaten.

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dpa

Es gibt nur Fotos von ihr, auf denen sie lacht. Ein Bild zeigt Henrike Grohs in Fußballtrikot und mit einer riesigen orangefarbenen Sonnenbrille inmitten einer Schar quietschvergnügter schwarzer Jugendlicher. So albern stellt man sich die Leiterin eines Goethe-Instituts nicht vor. Die bei den Anschlägen in Grand-Bassam getötete Henrike Grohs war eine lebenslustige, unkonventionelle und vor Energien und Ideen sprühende Frau. Sie liebte ihre Arbeit, die sie mit den verschiedensten Menschen und Kulturen zusammenbrachte, und sie liebte Afrika.

Die Völkerkundlerin und Tochter eines Ethnologenpaares hatte schon als kleines Kind in einem afrikanischen Kraal gelebt und ist wahrscheinlich mehr barfuß gelaufen und hat mehr barfuß getanzt als alle Berliner Kiez-Kinder zusammen, die sie 2005 beim Tanzprojekt „Rhythm is it“ mit den Berliner Philharmonikern betreute. Die enthusiastische Education-Missionarin hatte zuvor schon im Haus der Kulturen der Welt das Projekt Next mitgegründet, das immer neue interkulturelle Projekte mit Schulkindern und Jugendlichen erfand und organisierte.

„Harter Schlag für das gesamte Kulturmilieu“

Henrike Grohs (1960-2016).

Henrike Grohs (1960-2016).

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Goethe-Institut

Seit Dezember 2013 leitete die 51-jährige Henrike Grohs des Goethe-Institut im westafrikanischen Abidjan. Grohs' Tod sei „ein harter Schlag für das gesamte Kulturmilieu“ in der Elfenbeinküste, sagte der ivorische Journalist M'Bra Harding. Sie sei eine „große Freundin der ivorischen Kultur“ gewesen.

Zuvor lebte Grohs fünf Jahre in Johannesburg. Beim dortigen Goethe-Institut setzte sie sich für die Entwicklung eines Süd-Süd-Dialoges unter afrikanischen Ländern ein, rief dafür ein digitales Netzwerk afrikanischer Kulturschaffender und Institutionen ins Leben, initiierte, koordinierte und leitete Veranstaltungen und Kulturfestivals.

„Henrike Grohs, die sich für ein sinnvolles Leben der Menschen mit aller Kraft einsetzte, musste so sinnlos sterben“, erklärte der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, am Montag in München. Der Generalsekretär des Goethe-Instituts, Johannes Ebert, erklärte: „Wir sind fassungslos, dass Henrike Grohs auf so tragische und grausame Art aus dem Leben gerissen wurde.“


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