Politik
Aktuelle Nachrichten und Kommentare zur Politik in Deutschland und der Welt

FDP vor dem Drei-Königs-Treffen: Düstere Aussichten

Von 
„In schwierigen Zeiten ist es wichtig, die Nerven zu behalten“: Philipp Rösler
„In schwierigen Zeiten ist es wichtig, die Nerven zu behalten“: Philipp Rösler
Foto: dpa

Vor dem Drei-Königs-Treffen dementiert FDP-Chef Rösler Gerüchte über seinen Amtsverzicht. Aber genau den legen ihm Parteifreunde mal wieder nahe.

Lange hat Wolfgang Kubicki (FDP) geschwiegen. Aber kurz vor dem Drei-Königs-Treffen der Liberalen ergreift der Dauerstörenfried wieder das Wort. Düster malt der Fraktionschef aus dem Kieler Landtag die Aussichten seiner Partei. Und er nimmt Philipp Rösler persönlich ins Visier. Der FDP-Vorsitzende werde „in den Augen der Öffentlichkeit nicht als Krisenmanager wahrgenommen“ an, sagte Kubicki der Leipziger Volkszeitung.

Starker Tobak, wird doch der FDP allgemein – nicht nur von Kubicki – eine lebensbedrohliche Krise bescheinigt.

FDP-Fraktionsvize Volker Wissing legte am Freitag im ARD-Morgenmagazin nach. „Wenn er in Niedersachsen erfolgreich ist, freuen wir uns alle“, sagte Wissing und wies Rösler damit quasi die Hauptverantwortung für den Wahlausgang am 20. Januar zu. „Wenn nicht, wird Philipp Rösler klug genug sein, persönliche Konsequenzen zu ziehen.“ Auf Nachfrage wollte der rheinland-pfälzische Parteivorsitzende diese nicht näher spezifizieren und sagte, er gehe davon aus, dass die FDP wieder in den Hannoveraner Landtag einziehe. Zugleich forderte auch Wissing: „Jetzt muss die Partei geschlossen hinter Philipp Rösler stehen.“

Wie aus der Krise?

In Stuttgart soll Rösler nun sagen, wie die Partei aus der Krise herauskommen soll – und warum er für diese Rettung der richtige Mann ist. Seit Jahrzehnten geben die Vorsitzenden der Liberalen auf der Kundgebung am Drei-Königs-Tag die politische Losung für das beginnende Jahr aus.

Vor seiner mit Spannung erwarteten Rede tritt Rösler den Kritikern entgegen. Er lobt die eigene Nervenstärke und erinnert die Parteifreunde daran, dass er den Vorsitz vor fast zwei Jahren übernommen habe, weil auch er die Schwierigkeiten der FDP gesehen hat und sie „wieder zum Erfolg führen“ wollte. Spekulationen über einen möglichen Rücktritt wies er in seiner niedersächsischen Heimatzeitung, der Hannoverschen Allgemeinen, zurück. Daran habe er nie gedacht, behauptet er.

Weil aber die Kritik an seiner Person nicht spurlos an ihm vorübergegangen ist, hat Rösler die Dramaturgie des Traditionstreffens im Stuttgarter Staatstheater geändert: Es gibt nicht nur eine Hauptrede und dreimal Vorprogramm. Vielmehr soll Rainer Brüderle sein Co-Star sein. Zwar wird der Chef der Bundestagsfraktion kürzer sprechen. Aber dass der Mann, den viele an Röslers Stelle sehen wollen, zu Wort kommt, signalisiert: Ich habe verstanden.

Wie verhält sich Dirk Niebel?

Prompt streuten Rösler nicht so wohlgesonnene Parteifreunde das Gerücht, er werde in Stuttgart seinen Amtsverzicht zugunsten Brüderles ankündigen. Das Dementi kam prompt.

Interessant dürfte auch werden, wie sich Dirk Niebel in Stuttgart einlässt. Der Entwicklungsminister darf reden, weil er die baden-württembergische Landesliste der FDP anführt. In den letzten Wochen hatte er mehrfach mit dem Hinweis Schlagzeilen gemacht, der Parteivorsitzende müsse nicht zwangsläufig Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl sein. Er brachte sogar Ex-Parteichef Guido Westerwelle, dem er als Generalsekretär gedient hat, als Power-Duo ins Gespräch.

Der Fraktionschef versucht derweil den Ball flach zu halten. Interview um Interview versichert Brüderle, den Vorsitzenden zu stützen, nicht zu stürzen. Der 67-jährige will nicht die Last des Parteivorsitzes übernehmen. Fragesteller, die ihm die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl im Herbst antragen wollen , weist er darauf hin, dass die FDP keine Bundesliste habe, sondern mit 16 verschiedenen Landeslisten antrete. Das ist zwar richtig, trifft aber nicht den Kern. Denn die Frage, wen sie auf ihren bundesweiten Plakaten herausstellt, wird sie dennoch beantworten müssen – auch wenn in allen liberalen Führungszirkeln bereits über ein Team gemunkelt wird.

Wie die FDP in den Bundestagswahlkampf geht, wird ohnehin nicht in Stuttgart entschieden, sondern in Hannover. Kommt sie in zwei Wochen nicht wieder in den niedersächsischen Landtag, ist Röslers Schicksal wohl besiegelt.

Auch interessant
Aktuelle Videos
Neuste Bildergalerien Politik
Ressort

Union und SPD haben sich auf eine Große Koalition geeinigt. Wer wird Minister?


Meinung
Blog aus Istanbul
NSA-Dossier

Edward Snowden hat den größten Spionage-Skandal der Geschichte aufgedeckt.

PI & Co
Das Bündnis Pro Deutschland gehört zu dem Dunstkreis um die Blogger von "Politically Incorrect".

Radikales Gedankengut erreicht unter dem Deckmantel von Islamkritik das bürgerliche Lager.

Dossier
        

 Polizisten vor dem  durch eine Explosion zerstörten Haus in Zwickau,  in dem das rechtsradikale Trio zuletzt untergeschlüpft war.

Aktuelle Nachrichten vom Prozess gegen Beate Zschäpe und ihre mutmaßlichen Helfer.

Politik
Anzeige
Facebook
Berliner-Zeitung.de auf Facebook
Kinoprogramm
Alle Neustarts diese Woche: Alle Filme von heute: Alle Kinos: