Das derzeit gezwungene Lächeln von Monsieur le Président. Foto: dpa
Das derzeit gezwungene Lächeln von Monsieur le Président. Foto: dpa
Paris –
Im französischen Präsidentschafts-Wahlkampf liegt Sarkozy abgeschlagen hinter Hollande. Nun wirbelt ein altes Gesetz die Politik durcheinander - neun Wochen vor der Abstimmung.
So sehr sich Frankreichs Präsident auch müht, er holt in der Wählergunst nicht auf. Woche für Woche verkünden die Meinungsforscher aufs Neue: Nicolas Sarkozy liegt abgeschlagen hinter dem sozialistischen Herausforderer François Hollande, der in der ersten Wahlrunde sechs Prozentpunkte mehr erwarten darf.
Eine Erhebung freilich fällt aus dem Rahmen. Das Institut Ipsos hat die Franzosen gefragt, wie sie abstimmen würden, wenn die Rechtspopulistin Marine Le Pen nicht kandidieren würde. Die Antworten lassen den Staatschef hoffen. Ein Gutteil des Anhangs der Chefin des Front National (FN) würde zu Sarkozy überlaufen, der Präsident und sein Herausforderer lägen in der Konstellation dann gleichauf.
Der Gedanke Le Pen werde nicht antreten, mutet abenteuerlich an – aber die Wahrscheinlichkeit wächst, dass es so kommt. Sie mag in der Wählergunst mit einer Zustimmung von rund 18 Prozent auf Platz drei liegen, sich Hoffnungen auf den Einzug in die Stichwahl machen – ihr droht dennoch die Disqualifizierung.
Nicolas Sarkozy und seine damalige Frau Cécilia geben in ihrem Wohnort Neuilly-sur-Seine ihre Stimme bei der Präsidentenwahl ab. Fünf Jahre später ist Sarkozys Ehe am Ende.
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Die Innenminister Nicolas Sarkozy und Otto Schily (r.) eröffnen im Februar 2003 ein neues Zentrum für Polizeikooperation in Kehl.
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Im Oktober 2002 verurteilt Innenminister Sarkozy in der Großen Moschee in Paris rassistisch motivierte Gewalttaten und ruft zur Toleranz auf. Wenig später sorgte er aber selbst mit umstrittenen Äußerungen für Schlagzeilen: Nach Jugendkrawallen in als soziale Brennpunkte geltenden Pariser Vororten kündigte er an, dort mit dem Kärcher-Hochdruckreiniger für Ordnung zu sorgen. Eine Aussage, die nicht nur die Opposition und Sozialarbeiter empörte, sondern auch die deutsche Firma Kärcher.
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Im April 2004 macht Nicolas Sarkozy einen weiteren Karrieresprung: Er wird zum Finanzminister ernannt. Am 4. Mai kündigt er Steuersenkungen an, etwa beim Kauf eines Neuwagens oder bei Investitionen ins Eigenheim. Er will damit den schwächelnden privaten Konsum ankurbeln.
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Ende Oktober 2004 empfängt der damalige Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) seinen französischen Amtskollegen Nicolas Sarkozy in Berlin.
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2004: Die beiden Wirtschaftsminister Nicolas Sarkozy und Wolfgang Clement joggen vor dem gemeinsamen deutsch-französischen Ministerrat im Kanzleramt durch Berlin-Mitte.
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Vom Joggingdress in den Anzug: Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) und Nicolas Sarkozy im Oktober 2004 bei der deutsch-französischen Kabinettsitzung in Berlin.
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Bekannt wurde Nicolas Sarkozy für seine ausdrucksstarke Mimik und seine ausholenden Gesten. Hier mit seinem belgischen Finanzminster-Kollegen Didier Reynders im November 2004 bei einem Eurogruppen-Meeting in Brüssel.
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Am Rande des deutsch-französischen Ministerrates in Berlin findet Nicolas Sarkozy auch Zeit für ein Gespräch mit der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel.
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Der damalige französische Premier Raffarin, Präsident Chirac, der neue Wirtschaftsminister Sarkozy und Außenminister Barnier im Jahr 2004.
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Ende 2004 kommt Sarkozy zum Parteitag seiner UMP - er kündigt an, als Finanzminister zurückzutreten und stattdessen den Parteivorsitz zu übernehmen. Nach der Niederlage der Konservativen bei den Regionalwahlen drängte Präsident Chriac auf Sarkozys Rückzug.
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Nicolas Sarkozy als Ehrengast von Edmund Stoiber beim CSU-Neujahrstreffen 2005 in Wildbad Kreuth.
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Bereits im Juni 2005 kehrte Nicolas Sarkozy als Innenminister ins Kabinett Villepin zurück - zum Missfallen von Staatspräsident Jacques Chirac, der ihn für die Niederlage bei den Regionalwahlen 2004 verantwortlich machte.
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Nicolas Sarkozy im Jahr 2007 während einer Rede als Präsidentschaftskandidat der konservativen UMP.
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Am 6. Mai 2007 gewann Nicolas Sarkozy die Stichwahl gegen die sozialistische Kandidatin Ségolène Royal und wurde Präsident der Französischen Republik.
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Auf Sarkozys Wahl folgten gewalttätige Proteste in sozial benachteiligten Vororten von Paris. Die Bewohner dort verachten Sarkozy für dessen Law-and-Order-Politik und die restriktiven Einwanderungsregeln, die er als Innenminister durchsetzte.
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Bereits wenige Tage nach seiner Wahl reist der neue französische Präsident zu seinem Antrittsbesuch nach Berlin. Am 16. Mai 2007 empfängt ihn Kanzlerin Merkel vor dem Bundeskanzleramt mehr als herzlich.
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Nach dem anstrengenden Präsidentschaftswahlkampf gönnt sich Nicolas Sarkozy im August 2007 einige Tage Urlaub im US-Bundesstaat New Hampshire.
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Im Elysée-Palast empfängt Staatspräsident Sarkozy Staatsgäste aus aller Welt. Im Dezember 2007 war der libysche Diktator Gaddafi in Paris zu Gast.
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Mit dem syrischen Präsidenten Baschar Al-Assad ist ein weiterer heute geächteter Staatsmann in Paris zu Gast, Sarkozy empfängt ihn auf den Stufen des Elysée-Palastes freundlich.
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Neue First Lady: Im Februar 2008 heiratet Nicolas Sarkozy die italienische Sängerin und Ex-Topmodel Carla Bruni. Am Tag danach trinken sie auf einer Terrasse in Versailles Tee.
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Gipfel zur internationalen Finanzkrise im Oktober 2008 im Pariser Elysée-Palast. Sarkozy ist wenig erfreut über die Späße von Italiens Premier Berlusconi, die Kanzlerin amüsiert sich.
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Einen schweren Moment als Staatspräsident erlebte Sarkozy - hier mit Verkehrsminister Borloo - beim Treffen mit Angehörigen nach dem mysteriösen Absturz einer Air-France-Maschine auf dem Nachtflug von Rio nach Paris im Sommer 2009.
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Sarkozy spricht im Sommer 2009 auf dem UN-Klimagipfel in New York.
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Israels Premier Netanjahu und Sarkozy im Herbst 2009 in New York. Nach einem späteren Treffen wurde durch eine Mikrofonpanne bekannt, dass Sarkozy Netanjahu "nicht mehr sehen" kann und für einen "Lügner" hält.
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Im Februar 2010 tagt in Paris der deutsch-französische Ministerrat. Sarkozy begrüßt Kanzlerin Merkel.
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Sarkozy verabschiedet den russischen Premier Waldimir Putin nach dessen Besuch in Paris im Juni 2011.
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Lange ziert sich Nicolas Sarkozy, seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen im April 2012 offiziell bekanntzugeben. Zu Parteitag in Lille am 23.Februar reist er aber schon als offizieller Kandidat der konservativen UMP an.
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Nicolas Sarkozy am 15. April nach einer Wahlkampf-Veranstaltung auf der Pariser Place de la Concorde.
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Nur noch wenige Stunden bleiben bis zum ersten Durchgang der französischen Präsidentschaftswahlen. Am 19. April schüttelt Amtsinhaber und Kandidat Sarkozy noch Hände in Saint Maurice bei Paris.
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Nicolas Sarkozy am 22. April auf dem Weg ins Wahllokal in Paris.
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Nicolas Sarkozy, der Amtsinhaber und Spitzenkandidat der konservativen UMP, hat in Paris gewählt.
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Nicolas Sarkozy und "First Lady" Carla Bruni haben in Paris gewählt.
Foto: dapd/Michel Euler
Wahlkampf-Finale: Nicolas Sarkozy spricht am 1. Mai am Pariser Trocadéro vor seinen Anhängern. Am 6. Mai geht er in die alles entscheidende Stichwahl gegen seinen Herausforderer François Hollande.
Nicolas Sarkozy im Mai 2002 bei der Stimmabgabe im zweiten Durchgang der Präsidentschaftswahlen. Der studierte Jurist und Politikwissenschaftler war damals Bürgermeister des Pariser Nobelvorortes Neuilly-sur-Seine. Einer seiner politischen Ziehväter, Jacques Chirac, wurde 2002 als Staatspräsident wiedergewählt. Wenige Tage nach Chiracs Wahlsieg wurde Sarkozy als Innenminister in die Regierung unter Premierminister Raffarin berufen.
Grund ist eine fast 36 Jahre alte Vorschrift. Um chancenlose Hinterbänkler schon frühzeitig auszubremsen, bestimmte der Gesetzgeber 1976, dass nur kandidieren darf, wer sich der Unterstützung von 500 Bürgermeistern oder Abgeordneten der Regionalparlamente erfreut. So groß der Rückhalt Le Pens bei den Franzosen auch ist, die zu 30 Prozent mit dem Gedankengut des Front National sympathisieren: Ein Lokalpolitiker, der sich zum FN bekennt, riskiert in der von den großen Parteien dominierten Politik einen Karriereknick. Und so zögern selbst Le Pen wohlgesonnene Politiker, sich zu ihr zu bekennen.
Die nach eigenem Bekunden beim Stand von 350 Unterzeichnern auf der Stelle tretende Kandidatin tobt. Sie prophezeit „vorrevolutionäre Zeiten“, sollten „fast 20 Prozent der Stimmberechtigten nicht wählen können, wen sie wählen wollen“. Die Rache der Ausgeschlossenen werde auf dem Fuße folgen, droht die 43-jährige Juristin. Schon bei den Parlamentswahlen im Juni werde das Volk Sozialisten und Rechtsbürgerlichen die Quittung erteilen. Fest steht, dass das Aus beste Wahlkampfmunition für le Pen wäre. Als neuerlichen Beweis der vom FN beklagten „Verschwörung der Mächtigen gegen das Volk“ könnte Le Pen ihr Scheitern präsentieren.
Schlechtes Bild für die Republik
Aber auch Politologen und Soziologen, die jedwedem rechtspopulistischen Denken unverdächtig sind, erheben plötzlich ihre Stimmen und warnen vor einem schweren demokratischen Makel, der einer Wahl ohne Le Pen anhaften würde. Und während einige Regierungspolitiker die Not Le Pens als „Bluff einer sich gern als Märtyrerin gebärdenden Rechtspopulistin“ abtun, räumen andere ein, dass Frankreichs Demokratie ein schlechtes Bild abgäbe, sollte die Drittplatzierte mangels lokaler Rückendeckung nicht kandidieren können.
Le Pen selbst ist inzwischen beim Verfassungsrat vorstellig geworden: Die Vorschrift sei rechtswidrig und müsse so geändert werden, dass Unterstützungswillige auch anonym unterzeichnen dürften, fordert sie. Aber selbst wenn der Rat ihr Recht geben sollte: Ein neues Gesetz wäre vorm Wahlauftakt am 22. April kaum über die parlamentarischen Hürden zu hieven.
Sarkozy greift derweil nach rechts aus, umwirbt die womöglich bald verwaiste Anhängerschaft Le Pens. In der jüngsten Samstagsausgabe des Figaro-Magazins pries der Staatschef Werte der Rechten wie Autorität und Patriotismus. Hilfreich ist dies auch dann, wenn die FN-Chefin letztlich doch kandidieren sollte. Will Sarkozy die Stichwahl gewinnen, muss er nach Angaben der Meinungsforscher sieben von zehn FN-Wählern auf seine Seite ziehen. Bisher darf er erst mit vier von zehn rechnen.
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