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Gedenken in Berlin: Großes Medienecho in der Türkei

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht am Gendarmenmarkt in Berlin. (23.02.2012).

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht am Gendarmenmarkt in Berlin. (23.02.2012).

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dpa

Mit einer zentralen Gedenkveranstaltung in Berlin gedenken Politiker und andere den Opfern der Zwickauer Neonazi-Zelle. Über 1200 Gäste sind eingeladen, darunter Angehörige der Opfer. Für 12 Uhr riefen Gewerkschaften zu einer Schweigeminute auf.

+++ 13:50 Uhr. Gedenken findet in Türkei großes Medienecho

Um 12.00 Uhr habe Deutschland zum Gedenken an die getöteten Türken inne gehalten, meldete der türkische Nachrichtensender NTV. Der Sender CNN-Türk unterstrich, die Bundesrepublik habe zum Gedenken an die Opfer die Fahnen auf Halbmast gesetzt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) versprach in der Deutschland-Ausgabe der Zeitung „Hürriyet“, es werde alles zur Aufklärung der Verbrechen getan. “Ich bin mir sehr bewusst, dass wir das Leid der Familien der Opfer nicht wiedergutmachen können“, schrieb Westerwelle in dem auf Türkisch und Deutsch veröffentlichen Beitrag für „Hürriyet“.

+++ 12:15 Uhr. Viele Bundesbürger halten eine Minute inne

Mit einer Schweigeminute ist in Berlin und zahlreichen anderen deutschen Städten der zehn Opfer der rechtsextremistischen Mordserie gedacht worden. Viele Institutionen folgten einem Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände und ließen die Arbeit am Donnerstag um 12.00 Uhr kurz ruhen. In Berlin stoppten Busse und Straßenbahnen an Haltestellen, U- und S-Bahnen verharrten an Bahnsteigen. Auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg unterbrach seine Programme für eine Minute.

+++ 11:37 Uhr. Angehörige: "Wir konnten nicht in Ruhe trauern"

Semya Simsek, eine junge Frau, hat ihren Vater verloren. Er wurde im Alter von 38 Jahren von Neonazis ermordet.

"Wir konnten nicht in Ruhe trauern", sagt sie, "wir durften nicht einmal reinen Gewissens Opfer sein. Immer gab es den Verdacht, dass doch jemand aus der Familie verantwortlich sein könnte - oder das mein Vater ein Krimineller war."

Jetzt hat sie immerhin Gewissheit, aber das sei wenig beruhigend. "Ich habe mir nie über Integration Gedanken gemacht", sagt sie. Jetzt quäle sie die Frage, ob sie in Deutschland noch Zuhause sei. Kurz wird ihre Stimme brüchig. "In unserem Land, in meinem Land muss sich jeder frei entfalten können", sagt sie zum Schluss. Sie wolle nicht gehen. Nur der Zusammenhalt aller könne die Lösung sein.

+++ 11:23 Uhr. Drei Forderungen

Ismail Yozgat hat seinen Sohn verloren. Jetzt tritt er ans Mikrofon. Gleich zu Beginn bedankt er sich bei dem ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff: "Wir bewundern ihn". Er sagt, er habe drei Wünsche. Erstens: Die Mörder und die Helfer der Neonazis sollen gefasst werden. Zweitens wünscht er sich, dass die Straße, in der sein Sohn ermordet wurde, nach diesem benannt wird. Drittens soll im Namen der Getöteten eins Stiftung gegründet werden, die sich für Krebskranke einsetzt.

Yozgad sagt er lehne eine finanzielle Entschädigung ab. "Wir wollen seelischen Beistand", sagt er.

+++ 11:10 Uhr. Gegen das Gewöhnen

Erol Sander, Schauspieler türkischer Herkunft, und Iris Berben lesen Gedichte. Berben zitiert Bertolt Brecht: ""Ich soll mich nicht gewöhnen....denn wenn ich mich gewöhne, morde ich die, die sich nicht gewöhnen an das Verraten und Morden"

+++10:59 Uhr. Die zwölfte Kerze

"Deutschland, das sind wir alle", sagt Bundeskanzlerin Merkel, das gelte für Menschen allen Alters und mit allen Hautfarben. Die 12. Kerze auf dem Podest sei als Symbol für die "gemeinsame Zuversicht und Hoffnung gedacht", sagt Merkel am Ende ihrer Rede.

+++ 10:52 Uhr. Schande für unser Land

"Sie sind eine Schande für unser Land", sagt Merkel über die NSU-Mörder.

Dann erzählt sie, wie sie das Video der Zwickauer Zelle ansah. Etwas menschenverachtenderes habe sie in ihrer Amtszeit nicht erlebt. "Ich frage mich, wie kommen Menschen dazu, so etwas zu denken?"

Die Bundeskanzlerin dankt den Initiativen, die gegen Rechts eintreten. Merkel zitiert Edmund Burke: "Für den Triumph des Bösen reicht es, dass die Guten nichts tun".

+++ 10.49 Uhr. "Sie stehen nicht allein"

Merkel verspricht, alles für die Aufklärung der Morde zu tun. "Wir tun alles...um die Morde aufzudecken...und alle...ihrer gerechten Strafe zuzuführen."

+++ 10:37 Uhr. "Wir vergessen zu schnell"

"Liebe Familien, die sie einen Angehörigen verloren haben... Ich danke ihnen, dass sie heute gekommen sind", sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Rede. Dann liest sie die Namen von Opfern vor und erzählt kurz die Geschichte. Hier der Geschäftsmann, der an seine Zukunft in Deutschland glaubte. Dort der junge Vater, der seine Tochter verlor.

Wie konnte das geschehen?, fragt Merkel. Wieso sind wir nicht früher darauf aufmerksam geworden? Manchmal rüttelten uns Berichte über rechtsextreme Gewalt auf, sagt sie, "aber oft genug nehmen wir solche Vorfälle eher nur als Randnotiz war. Wir vergessen schnell, zu schnell."

Die elfte Kerze, so Merkel, stehe für alle bekannten wie unbekannten Opfer rechtsextremer Gewalt.

Bittet um Verzeihung für die falschen Verdächtigungen im Laufe der NSU-Morde, dass teilweise auch Angehörige verdächtigt wurden. "Dieses Jahre müssen für sie ein nie enden wollender Alptraum gewesen sein".

+++ 10:30 Uhr. Schüler laufen mit Kerzen in den Saal

Orchester spielt andächtiges Violinkonzert von Johann Sebastian Bach, Schüler laufen mit zwölf Kerzen in den Saal. Zehn stehen für die Opfer der Mordserie, eine weitere steht für die Verletzten.

+++ 10:28 Uhr. Die Gäste erheben sich

Die Gäste im Konzerthaus erheben sich, Bundeskanzlerin Merkel setzt sich. Opfer und Angehörige von NSU-Opfern sitzen zwischen Politikern. Zuvor hatte die Ombudsfrau Barbara John für Neonazi-Opfer gesagt sie hoffe, dass den betroffenen Familien mit der Gedenkfeier der Eindruck vermittelt werde, sie gehörten zu Deutschland.

+++ 10:18 Uhr (dpa): Sommer sieht Integration in Betrieben gelungen

Der DGB-Vorsitzende Michael Sommer sieht Rassismus vor allem außerhalb der Arbeitswelt verankert. „Wenn es einen Ort gibt in Deutschland, wo Integration gelungen ist, dann ist es in deutschen Betrieben und Unternehmen“, sagte Sommer im ZDF-Morgenmagazin. Das Problem fange an, wenn die Mitarbeiter nach Hause gingen und „teilweise in ihre Ghettos zurückkehren“.

Bundeskanzlerin Merkel unterhält sich offenbar mit einem Angehörigen.

+++ 10:05 Uhr. Ankunft

Die ersten Gäste betreten das Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt , unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert.

(jon/dapd)


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