blz_logo12,9

Geistlicher exekutiert: Saudi-Arabien richtet 47 Menschen wegen Terrordelikten hin

Ein regierungskritischer Demonstrant hält am Samstagmorgen ein Plakat mit dem Bild des shiitischen Geistlichen Sheich Nimr al-Nimr in die Luft. al-Nimr soll einer der 47 Exekutierten sein.

Ein regierungskritischer Demonstrant hält am Samstagmorgen ein Plakat mit dem Bild des shiitischen Geistlichen Sheich Nimr al-Nimr in die Luft. al-Nimr soll einer der 47 Exekutierten sein.

Foto:

AP

Riad -

Saudi-Arabien hat 47 Menschen hingerichtet. Wie die offizielle saudische Nachrichtenagentur SPA meldete, wurden die Todesstrafen am Samstag wegen Terrorismus und Anstiftung zur Gewalt vollstreckt.

Nach einem Bericht des Nachrichtensenders Al-Arabija wurde auch der inhaftierte schiitischen Geistliche Scheich Nimr al-Nimr hingerichtet. Ihm war Ungehorsam gegenüber dem Herrscherhaus vorgeworfen worden. Inspiriert von den arabischen Aufständen hatten Angehörige der schiitischen Minderheit in der saudischen Ost-Provinz ab 2011 Demonstrationen gegen Diskriminierung organisiert. Seine Exekution rief am Samstag heftigen Protest aus Teheran und von Schiiten-Politikern in Bagdad hervor.

Das iranische Außenministerium drohte, Saudi-Arabien werde „einen hohen Preis“ für die Exekution al-Nimrs zahlen. „Die saudiarabische Regierung unterstützt auf der einen Seite terroristische und extremistische Bewegungen und benutzt zugleich die Sprache der Repression und die Todesstrafe gegen ihre inneren Gegner“, sagte ein Sprecher. Die studentische Bassidsch-Miliz rief für Sonntag zu einer Demonstration vor der saudiarabischen Botschaft in Teheran auf.

Proteste und Kritik

Der schiitische Iran, der mit Riad um die Vorherrschaft in der Region rivalisiert, kritisiert seit langem die Behandlung der Schiiten in Saudi-Arabien. Die schiitische Minderheit klagt über religiöse und soziale Diskriminierung durch das wahhabitische Herrscherhaus. Das saudiarabische Innenministerium bezeichnete die Kritik aus Teheran als „unverantwortlich“.

Das Außenministerium in Riad bestellte den iranischen Botschafter ein, um gegen den „aggressiven“ Ton zu protestieren, wie die amtliche saudiarabische Nachrichtenagentur SPA meldete. Die mit Teheran verbündete libanesische Hisbollah-Miliz verurteilte die Hinrichtung al-Nimrs als „abscheulichesVerbrechen“.

In Bahrain, dessen Regierung mit Riad verbündet ist, protestierten dutzende Jugendliche der schiitischen Bevölkerungsmehrheit gegen die Exekutionen, die Polizei setzte Tränengas ein. In der den Schiiten heiligen irakischen Stadt Kerbela demonstrierten hunderte Menschen gegen Saudi-Arabien.

Laut dem saudiarabischen Innenministerium wurden am Samstag auch mehrere Sunniten hingerichtet, die für das Terrornetzwerk Al-Kaida 2003 und 2004 Anschläge verübt haben sollen. Demnach wurden die Hingerichteten wegen Mitgliedschaft in „terroristischen Organisationen“ und der Ausführung „krimineller Verschwörungen“ verurteilt und gehörten einer radikalen Strömung des Islamismus an. Zu den Exekutierten gehörte auch Fares al-Schuwail, der Medienberichten zufolge der oberste religiöse Anführer von Al-Kaida in Saudi-Arabien war.

Höchststand bei Hinrichtungen

Saudi-Arabien hatte 2015 laut Menschenrechtlern so viel Todesurteile vollstreckt wie seit 20 Jahren nicht mehr. Von Januar bis November waren demnach mindestens 151 Menschen hingerichtet worden, wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mitteilte. Im gesamten Jahr 2014 waren laut Amnesty 90 Menschen hingerichtet worden.

Der Anstieg der Zahl von Hinrichtungen geht einher mit der Machtübernahme von König Salman. Er war Ende Januar nach dem Tod seines Vorgängers Abdullah auf den Thron gestiegen. Amnesty kritisierte, Saudi-Arabien setze das Todesurteil auch als politisches Instrument gegen die schiitische Minderheit ein. (afp/dpa)


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?