blz_logo12,9

Gentests für Embryonen : Strittige Suche nach Erbkrankheiten

Zentrum für Reproduktionsmedizin: Eizellen nach einer künstlichen Befruchtung.

Zentrum für Reproduktionsmedizin: Eizellen nach einer künstlichen Befruchtung.

Foto:

dpa

Für viele kommt sie endlich, die Verordnung zur Durchführung der Präimplantationsdiagnostik (PID). 16 Monate nach dem Gesetzesbeschluss des Bundestages, der es Paaren erlauben sollte, in Ausnahmefällen Embryonen nach einer künstlichen Befruchtung auf Erbkrankheiten testen zu lassen, hat das Bundeskabinett nun auch die umstrittene Verordnung zu Gentests an Embryonen verabschiedet. Damit ist, was in der Praxis schon angewandt wurde, nun auch auf eine gesetzliche Grundlage gestellt.

Befürworter der PID begrüßten den Beschluss am Mittwoch. So erklärte der rechtspolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Jerzy Montag, die Verordnung setzte im Großen und Ganzen um, was der Bundestag im Juli 2011 beschlossen habe. Sie gehe weder über das Gesetz hinaus, noch schränke sie den Gesetzeswillen ein.

Kritik: Alle Schranken gefallen

Kritiker dagegen befürchten, dass mit der nun beschlossenen Gesetzesverordnung alle Schranken gefallen sind, die man der PID eigentlich setzen wollte. „Das Ministerium möchte offensichtlich keine engere Eingrenzung und auch keine Kontrolle“, sagte der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe (CDU).

Der Bundestag hatte den Gentest an Embryonen im Einzelfall für Eltern erlaubt, die bereits wissen, dass sie durch Erbkrankheiten belastet sind. Die Durchführung des Tests sollte allerdings auf dafür qualifizierte Zentren beschränkt bleiben. Zudem sollte in jedem Einzelfall eine Ethikkommission über die Zulassung des Tests entscheiden.

Die nun beschlossene Verordnung legt allerdings keine Obergrenze für die Anzahl der PID-Zentren fest und erlaubt es jedem einzelnen Zentrum eine eigene Ethikkommission über die Fälle entscheiden zu lassen.

Zentrale Kommission nicht sinnvoll

Die PID-Kritiker hatten eine zentrale Ethikkommission gefordert und befürchten nun, dass die Tests wesentlich häufiger zu Anwendung kommen könnten, als im Gesetz vorgesehen.

Der grüne Rechtspolitiker Jerzy Montag erklärte dagegen, „Vorwürfe, durch diese Verordnung würden der PID kaum noch Grenzen gesetzt, sind haltlos und zeugen von wenig Kenntnis der Materie“. Der Ruf nach einer zentralen Ethikkommission entspreche weder dem PID-Gesetz noch sei er sinnvoll, so Montag. Denn gerade dadurch käme es ja faktisch zu einer Indikationsliste, also einer Liste von Krankheiten, die eine PID rechtfertigen würden. Eben das aber habe der Gesetzgeber nicht gewollt.



Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?