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Gianis Varoufakis in der Berliner Volksbühne: Unterwegs zu einer anderen EU

Gianis Varoufakis zu Gast in der Berliner Volksbühne.

Gianis Varoufakis zu Gast in der Berliner Volksbühne.

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AFP

Ist das hier noch Politik oder schon Propaganda? Das scheinen sich die Besucher der Berliner Volksbühne zu fragen, als Gianis Varoufakis die verdunkelte Bühne betritt. Zuvor lief mehrere Minuten lang ein mit bedeutungsschwangerer Musik unterlegtes Video, das die Grenze zur Propaganda mehrfach zumindest berührte. „Nichts fürchten sie so sehr wie Demokratie“, heißt es zu Bildern von Finanzminister Schäuble und Aufnahmen von Eurogruppen-Treffen.

Europa „demokratisieren“

In dem Video wird Varoufakis’ neue Linksbewegung Diem 25 vorgestellt, mit der der griechische Ex-Finanzminister die Europäische Union „demokratisieren“ will. Das steht für Democracy in Europe Movement 2025. In neun Jahren will die Gruppe Europa „demokratisieren“.

Der Applaus des Publikums in der ausverkauften Volksbühne fällt zurückhaltend aus, als der Initiator auf die Bühne tritt. Viele Zuhörer hatten wohl eine sachliche Podiumsdiskussion erwartet.

Nicht aber mit Varoufakis. Zunächst legt er dar, was in Europa alles falsch laufe. Es fehle an politischer Legitimation. In Europa herrsche eine Situation wie in den 1930er-Jahren. Austerität – die Sanierung der Staatsfinanzen durch einseitige Ausgabenbeschränkung – habe in der Peripherie Europas eine wirtschaftliche Depression ausgelöst. „Das System schafft keinen Wohlstand für alle.“

Keine neue Partei

Soweit die Bestandsaufnahme. Doch was ist Varoufakis’ Lösung? Eine Demokratisierung der europäischen Institutionen sowie mehr Transparenz. Der Ex-Minister betont, es gehe ihm nicht darum, eine neue Partei zu gründen. Er strebe vielmehr eine grenzüberschreitende Bewegung an, die allen demokratischen Kräften offen stehe – Linken, Grünen, Sozialisten und Liberalen. Eine solche paneuropäische Bewegung möge utopisch klingen. Die Alternative sei aber ein Europa der Kartelle.

Stattdessen fordert Diem 25 unter anderem, dass Treffen des Europäischen Rates und der Eurogruppe per Live-Stream ins Internet übertragen werden und die Verhandlungsdokumente von TTIP veröffentlicht werden. Innerhalb von zwölf Monaten sollen die staatlichen Problemfelder Migration, Staatsverschuldung, Investitionsstau, Armut und Bankenwesen „europäisiert“ werden. Wie genau, lässt Varoufakis offen.

Obwohl die Demokratisierung Europas das große Ziel von Diem 25 sein soll, so ist die Inszenierung doch stark auf den ehemaligen Ökonomie-Professor zugeschnitten. Die Volksbühne kündigte zunächst allein ihn an. Dennoch spricht Varoufakis ausschließlich in der Wir-Form. Seine halbstündige Rede wird nur selten von Zwischenapplaus unterbrochen.

Das Publikum scheint mit der allzu dramatischen Inszenierung zu zaudern. Dann zaubert Varoufakis doch noch einige prominente Mitstreiter aus dem Hut. Neben der anwesenden Linken-Vorsitzenden Katja Kipping wird die ehemalige französische Wohnungsbauministerin Cécile Duflot per Video zugeschaltet. Dennoch beschleicht einige Besucher der Verdacht: Bei Diem 25 geht es weniger um Demokratie und Europa als um Gianis Varoufakis.



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