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Homo-Gesetz Katherina Reiche: Staatssekretärin Reiche löst Wutsturm aus

Galt einst als Familienfachfrau: CDU-Politikerin Katherina Reiche.

Galt einst als Familienfachfrau: CDU-Politikerin Katherina Reiche.

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imago stock&people

Die Empörung im Netz ist riesig: "homophob", "Hasspredigerin gegen Homosexuelle", "Unsinn" ist da seit gestern zu lesen. Es geht um Katherina Reiche, Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Bundestagsabgeordnete und einstige Familienministerin in spe im Schattenkabinett von Edmund Stoiber. Die hatte in der Bild-Zeitung "klare Kante in der Debatte um die Homo-Ehe" gezeigt, unter anderem mit dem Zitat: "Unsere Zukunft liegt in der Hand der Familien, nicht in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Neben der Euro-Krise ist die demografische Entwicklung die größte Bedrohung unseres Wohlstands". Und: „Die Union muss ganz klar sagen, dass sie auf Familie, Kinder, Ehe setzt. Die Gesellschaft wird nicht von kleinen Gruppen zusammengehalten, sondern von der stabilen Mitte.“

Daraufhin brach im Netz ein Wutsturm aus. Der war so heftig, dass die Politikerin ihre eigene Facebook-Seite erst einmal vom Netz nahm. Doch die Empörung bricht sich weiter Bahn, unter anderem auf der kurz darauf ins Leben gerufenen Facebook-Seite "Keine Zukunft mit Katherina Reiche" , die einen Tag nach ihrer Gründung bereits 6000 Fans verzeichnete.

Harsche Kritik aus den eigenen Reihen

Unter der Regenbogenflagge ist dort ein offener Brief an Reiche zu lesen, der inzwischen tausendfach geteilt wurde. Darin kritisieren die Macher: "Gerade von Ihnen hätten wir erwartet, dass Sie aufgrund Ihres eigenen unehelichen Kindes wissen, dass Familie im 21. Jahrhundert nicht automatisch „Ehemann + Ehefrau + Kinder“ heißt. Ihre Aussagen sind ein Schlag ins Gesicht aller Familien, die nicht Ihrer tradierten Normen entsprechen." Und kommen zu dem Schluss: "Frau Reiche, Sie sehen keine Zukunft für ein Deutschland, in dem Homosexuelle dieselben Rechte haben wie Heterosexuelle - wir sehen daher keine politische Zukunft für Sie in der deutschen Politik des 21. Jahrhunderts."

Inzwischen gibt es auch eine Online-Petition, mit der Rücktritt Reiches gefordert wird, und die bis Donnerstagmittag bereits gut 1500 Unterstützer hatte.

Harsche Kritik kommt aber auch aus der eigenen Partei. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn twitterte: "Lasse mich und mein Leben nicht indirekt als "Bedrohung unseres Wohlstandes" diffamieren. Da geht die Kollegin zu weit." Und die Junge Union Potsdam, dem Wahlkreis von Reiche, veröffentlichte eine Mitteilung, in der sie sich "entsetzt über die Äußerungen" zeigte: "Das humanistische Weltbild Frau Reiches scheint an ihrem Gartenzaun zu enden.", so der Kreisvorsitzende der JU Potsdam, Tino Fischer, selbst bekennend homosexuell. „Frau Reiche ist mit ihren Ansichten auf weiter Linie alleine innerhalb der Partei", resümierte der Vorsitzende des Regionalverbands Ost der Lesben und Schwulen in der Union, Martin Och.

Reiche verkörperte lange modernes Familienbild

Reiches Beitrag zeigt, wie schwer umstritten eine weitegehende Öffnung der Ehe in Richtung gleichgeschlechtliche Partnerschaft in der Union ist. Viele Abgeordnete, etwa der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Günter Krings (CDU), tun sich schwer, die Homo-Ehe auszuweiten, und erteilen dahingehenden Plänen von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger eine klare Absage. Andererseits hat die Gruppe der 13 Unionsabgeordneten, die das Ehegattensplitting zugunsten der Homo-Ehe prüfen wollen, auch prominente Unterstützer wie Familienministerin Kristina Schröder.

Pikant an Reiches jüngsten Äußerungen ist nicht nur, dass die heute 39-jährige Ehefrau und Mutter dreier Kinder selbst bis nach der Geburt ihres zweiten Kindes nicht verheiratet war. Manch ein Unionspolitiker sah darin 2002 einen Widerspruch zum Familienbild der Schwesterparteien, Stoiber entzog der Jüngsten in seinem Kompetenzteam daraufhin das Familienressort.

Reiche wendet sich mit ihrem Familienbild, das sie selbst so lange nicht verkörpern wollte, indirekt auch gegen ihren Chef: Bundesumweltminister Peter Altmaier. Der 54-Jährige, über dessen mögliche Homosexualität offen spekuliert wird, hatte sich in einem Interview mit dem "Stern" klar dazu bekannt, allein zu leben - ohne Partner oder Partnerin, ohne Kinder. Er sei seit 54 Jahren Single - und trotzdem der Meinung "ein vollwertiger Mensch" zu sein. Im Weltbild seiner Staatssekretärin hat jemand wie Altmaier jedoch offenbar keinen Platz.


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