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Islamfeinde: Pegida bleibt ein sächsisches Phänomen

Auch ein als Ritter verkleideter Demonstrant protestierte am Samstag in Prag gegen islamische Einwanderer.

Auch ein als Ritter verkleideter Demonstrant protestierte am Samstag in Prag gegen islamische Einwanderer.

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dpa

Dresden -

Polizeipräsident Dieter Kroll wird tief durchgeatmet haben, als es Samstagabend dunkel wurde. Die Dresdner Innenstadt stand noch, keine brennenden Autos, keine Straßenschlachten, keine fliegenden Steine.

Nur 6000 bis 8000 Pegida-Anhänger waren laut der Studentengruppe „Durchgezählt“ gekommen, dazu etwa 4000 Gegendemonstranten, insgesamt weitaus weniger als angemeldet.

Die fast 2000 Polizisten behielten die Dinge unter Kontrolle, die befürchteten Krawalle fanden nicht statt. 15 000 Teilnehmer hatte sich Pegida zu seinem europaweiten Aktionstag allein in Dresden erträumt. Obwohl schönstes Sonnenwetter herrschte, kam gerade einmal die Hälfte auf das Königsufer, den Platz zwischen dem Finanzministerium und der Elbe.

Schlichtes Programm

Den Wutbürgern wurde auch nur ein sehr schlichtes Programm geboten. Das übliche Fahnenmeer: deutsche und russische Flaggen, die Wirmer-Fahne der Hitler-Attentäter um Graf Stauffenberg, aber auch die Fahne der „Europäischen Aktion“, ein internationaler Zusammenschluss von Antisemiten und Holocaustleugnern, offen bekennenden Nationalsozialisten. „Besorgte Bürger“, Neonazis, Hooligans, Putin-Anhänger, Reichsbürger, Rundfunkgebührenhasser – das übliche Pegida-Gemisch.

Chef-Anheizer Lutz Bachmann lag angeblich krank im Bett und musste sich erholen. Tatjana Festerling, Pegidas Frau fürs ganz Grobe, war in Warschau. Also musste Siegfried Däbritz ran. Obwohl sich im syrischen Krieg die Situation seit Wochen verschärft, gelangte Däbritz zu der Erkenntnis, es sei eine Völkerwanderung im Gange, die immer weniger mit Kriegen zu tun habe. Nach zwanzig Minuten das übliche Geschrei „Merkel muss weg“ und „Volksverräter“, doch dann funktionierte die Verbindung nach Bratislava nicht. Also sprach „Birgit aus München“: Politik sei kein Beruf, sondern eine Berufung, meinte sie. Dann verlor sie sich in Betrachtungen über das Kinderkriegen als solches. Auf „Birgit aus München“ folgte ein echter Trauerredner aus Nürnberg, der Ernst: „Seid ihr da, seid ihr wirklich da, seid ihr ganz bestimmt da?“ Trauerredner Ernst erzählte, wie Josef und Maria mit dem kleinen Jesus vor König Herodes flohen – ins Nachbarland Ägypten. „So geht Asyl.“ Und integriert worden seien die drei auch nicht. Dann kam noch ein Österreicher, der die Kanzlerin beschimpfte wie keiner vor ihm. So plätscherte der Nachmittag in Dresden dahin. Ab und zu klangen die Rufe der Gegendemonstranten aus der Altstadt herüber.

Absage in Breslau

Eigentlich sollte es ein munteres Hin- und Herschalten von Dresden aus in die weite Pegida-Welt werden. Aber daraus wurde nicht viel. In Breslau musste die Pegida-Aktion abgesagt werden, weil polnische Nationalisten die Organisatoren bedrohten und eine „Germanisierung“ befürchteten.

In Warschau kamen rund 1500 Menschen zu Pegida, etwa genauso viele demonstrierten in der tschechischen Hauptstadt Prag. Aber auch dort hatten die Organisatoren mit einer viel höheren Teilnehmerzahl gerechnet. In Birmingham waren nur rund 200 Menschen dem Protestaufruf gefolgt. In Amsterdam kam es zu Rangeleien zwischen Pegida-Anhängern und Teilnehmern einer Gegenkundgebung
In Calais löste die Polizei die Versammlung von etwa 150 Islamfeinden nach Gewaltaktionen vor dem Hauptbahnhof der Hafenstadt auf. 20 Teilnehmer wurden festgenommen, unter ihnen auch ein pensionierter ehemaliger General der französischen Fremdenlegion. (mit afp, dpa)


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