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Entgleisung in den Sozialen Medien: Darf Peter Tauber einen Twitter-Nutzer als „Drecksnazi“ bezeichnen?

CDU-Generalsekretär Peter Tauber nimmt in den sozialen Netzwerken kein Blatt vor den Mund.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber nimmt in den sozialen Netzwerken kein Blatt vor den Mund.

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dpa

Berlin -

Er hat es wieder getan. Einfach so. Kurz und knackig. Keine Ausschmückungen. Keine Erklärung. Ein Wort. Ein Punkt. Ende der Durchsage.

„Drecksnazi.“ Gerade mal zehn Buchstaben benötigte CDU-Generalsekretär Peter Tauber dieses Mal, um seiner Wut Ausdruck zu verleihen. So geschehen am Dienstagabend bei Twitter. Dabei wollte Tauber eigentlich nur den Opfern und Angehörigen des Zugunglücks im bayerischen Bad Aibling seine Anteilnahme ausdrücken. Ein Nutzer mit dem Namen „Latino“, einem Refugees-not-welcome-Profilbild und einem mehr als fraglichen Profiltext (Deutsches Reich 1871-1918) reagierte sofort:

„Bei den toten Deutschen in der Türkei habt ihr vergessen zu klagen?“, schrieb dieser Bezug nehmend auf den Anschlag in Istanbul, bei dem elf Menschen starben - darunter zehn deutsche Touristen. Tauber fragte nach, wie er auf so etwas käme. Man habe auch diese Toten betrauert, allerdings disqualifiziere sich der Nutzer mit seinem Profil von selbst, schrieb der CDU-Politiker noch sachlich unaufgeregt.

Ein verbaler Schlagaustausch folgte, schaukelte sich hoch - und endete mit oben genanntem Affront: „Drecksnazi.“

„Kommentare nicht löschen“

Es ist nicht das erste Mal, dass Tauber sich sprachlich in schwieriges Terrain wagt. Anfang Januar erwiderte er auf die Dauer-Pöbelei einer Nutzers bei Facebook: „Sie sind ein Arschloch.“ Der Mann hatte zuvor Bundeskanzlerin Angela Merkel Geisteskrankheit unterstellt.

Darf ein Politiker verbal so entgleisen? Und dann auch noch ein Christdemokrat? Das fragten sich schon im Januar viele und staunten. Beschimpfungen, Beleidigungen – das ist natürlich nicht neu in der Politik. Allerdings entstehen vergleichbare emotionale Ausbrüche („Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch“, sagte der Grünen-Politiker Joschka Fischer beispielsweise 1984 zu Bundestagsvizepräsident Richard Stücklen.) meist im Dialog unter Politikern selbst. Dass jemand in einem vergleichbar wichtigen Amt sich auf diese Art öffentlich äußert, ist selten und überrascht daher umso mehr. Man kann es bemerkenswert finden oder aber falsch – aber kann man Tauber zumindest nicht vorwerfen, er habe keine Haltung.

Tauber hat auf die beiden Äußerungen viel Zuspruch als auch Kritik erhalten. Nach seiner „Arschloch“-Äußerung erklärte er sich später auf seiner Facebookseite und legte nach: „Ich finde, man sollte solche Kommentare nicht löschen oder gar verbieten. Das bringt nichts. Diese Menschen denken mit ihren kranken Hirnen ja leider weiter so einen Mist. Man muss Ihnen sagen was sie sind: Nazis, Antidemokraten und mancher von denen ist schlichtweg ein Arschloch.“