11.02.2012

Kampf ums Urheberrecht: Acta-Kritiker lassen sich nicht ruhig stellen

Von Jonas Rest
Unter dem Motto Gemeinsam können wir ACTA stoppen! gingen am Samstag Tausende in Berlin gegen das Anti-Produktpiraterie-Abkommen auf die Straße.
Unter dem Motto "Gemeinsam können wir ACTA stoppen!" gingen am Samstag Tausende in Berlin gegen das Anti-Produktpiraterie-Abkommen auf die Straße.
Foto: dapd
Berlin –  

In Berlin sind am Samstag tausende Menschen gegen den umstrittenen Anti-Piraterie-Vertrag auf die Straße gegangen. Doch die Kritiker werden einen langen Atem brauchen: Die Bundesregierung will das Abkommen vorerst nicht unterschreiben.

Wenn die Bundesregierung gehofft haben sollte, die Acta-Kritiker mit ihrer Ankündigung ruhig zu stellen, das Abkommen vorerst nicht zu unterzeichnen, so ist diese Operation gründlich misslungen: Die Proteste gegen Acta schwappten am Sonnabend aus dem Netz auf die Straße - und die analoge Präsenz, wie es ein Netzaktivist nannte, war beeindruckend: Mehrere Zehntausende demonstrierten in über sechzig Städten in Deutschland gegen das Abkommen,  von dem Kritiker befürchten, dass es zu Zensur im Internet führen wird. Allein in München gingen mehr als 18.000 Menschen auf die Straße – auch  in Berlin demonstrierten etwa 10.000. 

ACTA und der Protest

Das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (Acta) ist ein internationaler Handelspakt mit dem Ziel, Urheberrechte auch international durchzusetzen und gegen Marken- und Produktfälschung vorzugehen.

Viel mehr, als die Organisatoren selbst  erwartet hatten – in Berlin hatten sie etwa nur 700 Demonstranten angemeldet. Insgesamt  beteiligten sich nach Berechnungen der Organisatoren über 120 000 Menschen an dem internationalen Aktionstag gegen das Handelsabkommen. Auch in Dublin, Warschau und London waren Tausende auf die Straße gegangen.

ACTA und das Urheberrecht

Der auf Initiative der USA und Japans ausgehandelte ACTA-Vertrag regelt unter anderem die „Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums im digitalen Umfeld“. Kritiker sehen darin dagegen eine Einschränkung von Freiheitsrechten im Internet. Deutschland will ACTA vorerst nicht unterzeichnen. Die zuständige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) habe Bedenken angemeldet, hatte am Freitag ein Sprecher des Auswärtigen Amts gesagt.

Und es waren vor allem junge Menschen, die protestierten.  Kaum einer der Demonstranten, die sich in Berlin Anonymous-Masken übergestreift hatten oder Plakate mit Aufschriften wie „Freiheit statt Acta“ trugen, war älter als  30 Jahre. Die 16-jährige Schülerin Lucy Schulze protestierte etwa, weil sie erschrocken war, dass ihre Eltern noch nichts von Acta gehört hatten. Sie fürchtet wie viele Kritiker, dass das Abkommen zur Internet-Überwachung führen könnte und  „man sich nicht mehr Netz bewegen kann, ohne gleich abgemahnt zu werden – oder sogar den Netzanschluss gekappt zu bekommen“. Den braucht sie aber, sagt sie – um ihr Abitur machen zu können.

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