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Kenia: In Zeiten der Dürre kommt das Wasser vom Kiosk

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Ein Wasserkiosk in Mlolongo, einem Viertel am Rande von Kenias Hauptstadt Nairobi.

Foto:

Theresa Dräbing

Nairobi -

Meist sind es Frauen mit ihren Kindern, die in der hochsommerlichen Hitze warten, neben sich aufgereiht gelbe Plastikkanister. Am Tag zuvor gab es kein Wasser, deshalb ist die Schlange vor dem Wasserkiosk in Mlolongo, einem Viertel am Rande von Kenias Hauptstadt Nairobi, an diesem Tag länger als sonst. Frauen, die jetzt noch hinzukommen, reihen ihre Kanister auf dem staubigen Boden hinter den anderen ein und warten dann einige Meter weiter im Schatten eines Wellblechdaches.

Durch die momentane Dürre in Ostafrika ist die Versorgung eingeschränkt, zurzeit gibt es nur noch zwei Mal wöchentlich Wasser aus den Leitungen. Ein Kanister fasst 20 Liter, so viel verbrauchen Kenianer durchschnittlich am Tag. Zum Vergleich: In Deutschland verbraucht ein Mensch im Schnitt 120 Liter Wasser täglich.

Seit Wochen kein Regen mehr

Es ist Hochsommer in dem ostafrikanischen Land. 30 Grad misst das Thermometer, das ist für die Höhenlage der Region schon das Maximum. Nachts kühlt es ab, doch Regen fällt schon seit Wochen nicht mehr. So war es Ende Januar. Seitdem sei es eher schlimmer als besser geworden, berichtet Dirk Schaefer. „Schlimmer“ seien die nicht nachlassende Schwüle und die stockende Wasserversorgung. Schaefer ist Chef des „Wassersektor-Reformprogramms“ und arbeitet für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Die GIZ finanziert den „Water Service Trust Fund“ (WSTF), eine kenianische Institution, die die Versorgung in armen und unterversorgten Gebieten verbessern soll. Dazu gehört auch der Bau von Wasserkiosken und öffentlichen Toiletten.

„Allerdings gibt es regional große Schwankungen, viel gravierender ist die Situation im Norden des Landes“, so Schaefer. Auf dem afrikanischen Kontinent hungern derzeit laut UN-Angaben rund 21 Millionen Menschen. Das vorhandene Wasser reicht nicht aus, die Felder zu bewässern. Die Tiere siechen dahin, da ist auch kein Fleisch mehr am Leib, das verwertbar wäre.

80 Prozent der Erkrankungen durch unhygienisches Wasser

Besonders dramatisch ist die Situation derzeit in Somalia und Nigeria, aber auch Äthiopien und weite Teile Kenias sind betroffen. „Ich selbst lebe jetzt seit drei Jahren in Kenia und habe so eine Dürre bislang noch nicht erlebt“, erzählt Dirk Schaefer. Das erste Mal seit Jahren seien der Norden und auch die Küste von der Dürre betroffen. Und genau das verschlimmert die Situation. Die nördliche Bevölkerung kann nicht wie in vergangenen Dürreperioden auf nahe gelegene Landesteile ausweichen, denn auch dort hat sich die Versorgungssituation dramatisch verschlechtert.

„In den Städten kann die Grundversorgung aber noch sichergestellt werden“, sagt Dirk Schaefer. Und das zum großen Teil dank der Wasserkioske. Dadurch, dass diese an das städtische Netz angeschlossen sind, gelangt das Wasser auch in die städtischen Armutsgebiete. In den ländlichen Regionen fehlt ein Leitungsnetz dagegen noch komplett, deshalb gibt es dort auch keine Wasserkioske. Gefährlich ist das auch deshalb, weil die Menschen dann auf inoffizielle Quellen ausweichen, die unhygienisch sind. Dadurch können sich Krankheiten rasant ausbreiten. 80 Prozent der Erkrankungen in Kenia haben direkt mit unhygienischer Wasser- und Sanitärversorgung zu tun.

Menschenrechte sind nicht einfach durchzusetzen

Seit 2009 sind landesweit 646 Wasserkioske gebaut worden, um dem entgegenzuwirken. „Die Versorgung hier ist relativ sicher, da die Kioske zusätzlich Notfalltanks haben, mit denen Tage ohne Wasser überbrückt werden können“, erklärt Schaefer. Der Preis für das Wasser beträgt außerdem nur etwa ein Zehntel dessen, was die Menschen aus hygienisch bedenklichen, informellen Quellen bezahlen müssen. „Dort, wo Menschen auf informelle Versorger angewiesen sind, steigen die Preise im Zuge der aktuellen Wasserknappheit rasant“, sagt Schaefer. Die Kioske hingegen verkaufen das Wasser weiterhin zum festgelegten Preis von drei Schilling pro 20 Liter Kanister. Das sind umgerechnet 2,8 Cent. Betrieben werden die Kioske von den Menschen vor Ort. 50 Schilling pro Kubikmeter verkauften Wassers gehen an den Wasserversorger, mit dem Rest verdient sich die Verkäuferin etwas.

In den vergangenen 14 Jahren hat Kenia seinen Wassersektor stark professionalisiert. Etwa mit der Einrichtung einer unabhängigen Regulierungsbehörde und von Versorgungsunternehmen in öffentlicher Hand. Die kenianische Regierung hat außerdem 2010 als eines der ersten afrikanischen Länder die Wasser- und Sanitärversorgung als Menschenrecht in die Verfassung geschrieben. „Das ist natürlich ein starkes Bekenntnis“, sagt Dirk Schaefer. Doch lässt sich ein solches Menschenrecht eben nicht so einfach durchsetzen.

Nairobi wächst rasant

Zudem wächst die städtische Bevölkerung rasant, das verschärft das Problem. Nach Angaben der landeseigenen Regulierungsbehörde haben selbst zu Regenzeiten etwa 45 Prozent der Menschen immer noch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und hygienisch unbedenklichen Toiletten.

„Die Leitungsnetze in Nairobi wurden niemals für eine solche Größe der Stadt geplant, deshalb gibt es selbst in der Hauptstadt Stadtteile, die von der Versorgung ganz und gar abgeschnitten sind.“ Dort, wo Leitungsnetze fehlen, müssten Brunnen und Bohrlöcher verbessert werden. Die Investitionen der Regierung beschränken sich bislang aber auf die bereits erschlossenen Stadtgebiete.


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