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Kinderpornografie-Affäre: Thomas Oppermann gerät im Fall Edathy in Bedrängnis

Kurz angebunden: Thomas Oppermann

Kurz angebunden: Thomas Oppermann

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dpa

Berlin -

Thomas Oppermann schaute ernst in die Kameras. Eigentlich wollte der SPD-Fraktionschef am Dienstag vor allem die Errungenschaften seiner Partei in der großen Koalition anpreisen. Doch aus aktuellem Anlass war ein Kommentar zur jüngsten Entwicklung im Fall Edathy unverzichtbar. „Nach allem, was ich höre, ist das, was er erzählt, nicht glaubhaft“, sagte Oppermann: „Es gibt von ihm nun schon mehrere Versionen. Ich wäre froh, wenn Sebastian Edathy am Donnerstag erklärt, wie es wirklich war.“ Auf Nachfragen antwortete Oppermann nur äußerst knapp.

In den vergangenen Monaten war die Affäre um den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten schon fast in Vergessenheit geraten. Doch nun holt die höchst unangenehme Geschichte aus den Anfangstagen der großen Koalition die SPD mit Wucht wieder ein. Im aktuellen Magazin „Stern“ behauptet Edathy, er sei im November 2013 von seinem Fraktionskollegen Michael Hartmann vor den gegen ihn gerichteten Ermittlungen des Bundeskriminalamts wegen des Verdachts des Kinderpornografie-Besitzes gewarnt worden. Hartmann – damals innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion – bestreitet das entschieden.

Nun steht nicht nur Aussage gegen Aussage, was am Donnerstag den Untersuchungsausschuss des Bundestages beschäftigt, wo beide Politiker hintereinander befragt werden. Zugleich veröffentlichte der Stern einen angeblichen SMS-Wechsel zwischen Edathy und Hartmann. Es kursieren Gerüchte, dass Edathys SMS-Verkehr auch andere SPD-Politiker belasten soll. Vor allem die CSU deutet auffällig in Richtung Oppermann. Schließlich war er von SPD-Chef Sigmar Gabriel über die Ermittlungen informiert worden, der das wiederum vom damaligen CSU-Innenminister Hans-Peter Friedrich erfuhr. Unter dem Druck einer Magazin-Recherche machte Oppermann die Sache im Februar 2014 öffentlich. Friedrich musste zurücktreten. Seitdem hat die CSU noch eine Rechnung mit dem Koalitionspartner offen.

„Es hat uns nicht überrascht, dass da noch was kommt“, heißt es nun in der SPD-Spitze. Gemeint sind die Beschuldigungen Edathys. Eine Schmutzkampagne sei das, heißt es im Willy-Brandt-Haus. Von einer Verzweiflungstat spricht Oppermann. Die Mutmaßung, Hartmann könne das Bauernopfer für andere, wichtigere SPD-Größen sein, die Edathy möglicherweise doch gewarnt haben? „Absurd“, hat Gabriel diese Hypothese genannt.

Im SPD-Vorstand und in der Fraktion, so heißt es, seien die Reihen geschlossen. Trotzdem sorgt sich manch einer hinter vorgehaltener Hand, dass eine Fülle von unappetitlichen Themen in den nächsten Tagen hochkochen dürften: „Das wird unangenehm.“ Schließlich hatte Hartmann im Herbst 2013 kurzzeitig die Aufputschdroge Crystal Meth konsumiert. Ausgerechnet Hartmann sollte sich später in Oppermanns Auftrag um Edathy kümmern.


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