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Kommentar: Drogen - legalisiert sie endlich!

Der mexikanische ex-Präsident Vicente Fox: "Müssen über Legalisierung nachdenken"

Der mexikanische ex-Präsident Vicente Fox: "Müssen über Legalisierung nachdenken"

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REUTERS

Dass der Krieg gegen die Drogen gescheitert ist, hören Mexikaner jeden Tag in den Nachrichten. Erst kürzlich haben sie wieder einen Schmugglertunnel entdeckt zusammen mit ein paar Tonnen Marihuana, sechs Meter tief, fast einen halben Kilometer lang und besser belüftet als mancher Keller.

Der Tunnel führt von Kalifornien in die mexikanische Grenzstadt Tijuana und in ein Land, in dem im letzten Jahr etwa 15.000 Menschen in einem blutigen Krieg starben, weil Polizei und Armee der Drogenmafia den Krieg erklärten. Leichen tauchten mal auf Landstraßen auf, mal von einer Brücke baumelnd.

Es gibt nur einen Ausweg

Dass der Krieg der Regierung gescheitert ist, davon zeugen die 26 Polizisten der Kleinstadt Ascensión, die im August geschlossen den Dienst quittierten, während ein paar Kilometer weiter eine 20jährige den Dienst als Polizeichefin antrat, weil sich kein Mann traute, den Job zu machen. Selbst wenn die Polizisten arbeiten: Kaum einer traut den korrupten Sicherheitskräften zu, das Problem in den Griff zu bekommen

Lasst uns die Drogen legalisieren, flüsterten vor langem schon die ersten, und langsam wird das Flüstern zu einem verzweifelten Rufen, in das sogar der konservative mexikanische Ex-Präsident Vicente Fox mit einstimmt und das sicher nicht tut, weil er im Herzen ein Hippie ist.

Fox weiß: Nur ein Ende des Verbotes kann den Sumpf trockenlegen, in dem das Verbrechen sich eingenistet hat – und am Ende einen Staat retten, dessen Hauptwirtschaftsleistung darin besteht, Marihuana und Koks für die USA zu produzieren, den größten Drogenmarkt der Welt.

Wird das Geschäft nicht endlich legal, ist eine Kontrolle etwa so realistisch wie der Versuch Merkels, die deutsche Autoindustrie wegen des CO2-Ausstoßes zu verbieten.

Die Wahrheit: Drogen gibt es so oder so

Wenn es aber einen legalen Markt gibt und weiter kontrolliert wird, dann kann es für manchen Drogenhändler lukrativer sein, Steuern zu zahlen, als weiter unter der Gefahr der Verfolgung illegal zu produzieren. Das damit gewonnene Geld schließlich könnte der Staat verwenden, um die an die Kartelle verlorene Generation mit Sozialprogrammen zurückgewinnen.

Sicher würden die Regierung der USA einer Legalisation aller Drogen nicht zustimmen – aus moralischen Gründen, aber auch, weil die meisten Menschen auf der Seite Mexikos ermordet werden.

Andererseits gibt es in den USA wie in der gesamtem westlichen Welt ein unangenehme Wahrheit: Drogen sind so oder so erhältlich, und zwar meistens zu einem bezahlbaren Preis.

Marihuana gibt es für wenige Dollar das Gramm, das gilt für New York genauso wie für Frankfurt. Wem Kokain zu teuer ist, der kauft eben billigeres Speed oder legal erhältliche Substitute. Den Rausch gibt es so oder so.

Eine solche Argumentation ist zynisch, können Sie mir vorwerfen. Aber so wirken Wahrheiten oft, die man nicht hören will. Ein Beispiel: Nachdem die Nato sich jahrelang gegen Verhandlungen mit den Taliban gewehrt hat, setzt man sich jetzt doch zähneknirschend mit den Gotteskriegern an einen Tisch. Erfreulich ist das nicht – dafür aber die wohl beste Lösung, die sich umsetzen lässt.

Der erste Schritt

Wie die Gespräche mit den Taliban muss auch eine neue Drogenpolitik langsam und vorsichtig vorbereitet werden. Wenn sich die USA und Mexiko wie Holland auf die Legalisierung von Cannabis einigen könnten, wäre das ein riesiger Schritt: Es würde den „Narcos“ ihre wichtigste Einnahmequelle entziehen und dafür sorgen, dass nicht die Verbrecher, sondern der Staat sich wieder die besseren Waffen leisten kann.

Nebenbei würden sich Millionen von Menschen etwas weniger bevormundet fühlen. Gerade in den USA, in der die Freiheit doch als höchstes Gut gilt. In einem angeblich so freien Land soll man sich eine Waffe kaufen dürfen, aber keinen Joint? Absurd!

Legalize it, sang schon Bob Marley vor fast vierzig Jahren. Nie hatte er so recht wie heute.


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