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Kommentar zu Razzien in Berlin: Der Terror vor der Haustür

Der Alexanderplatz in Berlin ist ein Ort kultureller Vielfalt.

Der Alexanderplatz in Berlin ist ein Ort kultureller Vielfalt.

Foto:

imago/Chromorange

Die bloße Nachricht kann einen aufmerksamen Zeitgenossen nicht überraschen. Bei einem Großeinsatz der Polizei in drei Bundesländern gingen die Ermittler am Donnerstag gegen mutmaßliche Islamisten vor, in deren Fokus ihrer geplanten Gewaltausübung auch die deutsche Hauptstadt als mögliches Angriffsziel gestanden haben soll.

Symbolträchtiger Ort

Der Terror rückt näher, und dass Berlin dabei eine besondere Rolle spielt, kann nicht verwundern. Und doch lässt es einen nicht kalt, wenn über die abstrakte Möglichkeit eines Anschlags hinaus Plätze und Ortsnamen genannt werden, und sei es auch nur als unbestätigtes Gerücht.

Der Alexanderplatz kommt dabei geradezu zwangsläufig ins Spiel. Der symbolträchtige Platz in der Mitte Berlins dürfte im Handbuch für Islamisten als ein Ort mit Sternchen ausgewiesen sein.

Hier kreuzen sich zu allen Zeiten des Tages die Wege von Hunderttausenden, die kulturelle Vielfalt einer Stadt zeigt sich eben auch in der ganz normalen Geschäftigkeit der Menschen auf ihren Wegen von hier nach da. Sie sind das Ziel, wir sind das Ziel. Wir werden es noch einige Zeit bleiben.

Aber wenn man so denkt, und sei es auch noch so distanziert und abgeklärt, sitzt man bereits in der Falle. Noch ehe die Terrorgefahr vor unserer Haustür real zu werden droht, hat sich die Logik der Täter bereits in unseren Köpfen eingenistet. Dabei gibt es gute Gründe, sich an die Fakten zu halten.

Veränderte Sicherheitsstrategie

Die Ermittler gehen von dem Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat in Deutschland aus. Vielleicht wurde diese gerade durch die Razzien verhindert. Möglicherweise sind die Razzien aber auch das Ergebnis einer veränderten Sicherheitsstrategie, der zufolge häufiger und schneller zugegriffen wird, um das Schlimmste zu verhindern oder potenzielle Täter aufzuschrecken.

Wie immer nach solchen Geschehnissen ist der Wissensdurst größer, als dass ihn die spärlichen Informationen der Polizei zu stillen vermöchten. Ein Blick auf den Alexanderplatz vom Bürofenster aus aber verrät, dass die Menschen wie gewohnt ihrer Wege gehen. Routine, wie gehabt. Vielleicht besteht die damit verbundene gute Nachricht ja bereits darin, dass auch die Sicherheitskräfte über funktionierende Routinen verfügen.


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