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Kommentar zum Schwimmbadverbot in Bornheim: Probleme im Zusammenleben lassen sich nicht aussperren

Mit Zeichnungen sollen Flüchtlinge sollen lernen, wie man sich in Schwimmbädern zu verhalten hat. (Symbolbild)

Mit Zeichnungen sollen Flüchtlinge sollen lernen, wie man sich in Schwimmbädern zu verhalten hat. (Symbolbild)

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dpa

Köln -

Blöde Anmache im Schwimmbad – das kann wirklich keine Besucherin gebrauchen. Männer, die sich derart danebenbenehmen, gehören rausgeworfen, mit Hausverbot belegt und gegebenenfalls angezeigt. Aber soll das gleich für alle Männer gelten?
In Bornheim hat die Stadt ein Schwimmverbot für alle Flüchtlinge verhängt, weil Bewohner einer Aufnahme-Einrichtung in der Nähe des öffentlichen Hallenbads dort vermehrt sexuell belästigend und übergriffig geworden sein sollen. Man ahnt, dass sich die Verantwortlichen nicht mehr anders zu helfen gewusst haben. Die Sanktion soll ja auch wieder aufgehoben werden, wenn „die Botschaft angekommen ist“, beteuert die Stadt.

Und wieder einmal zeigt sich, was es heißt, dass die Zahl der Menschen so groß ist, die in kurzer Zeit zu uns gekommen sind. „Der Machismo wird zunehmen“, hat der Philosoph Richard David Precht am Donnerstag im Interview mit dieser Zeitung gesagt. Das trifft gerade für einen Ort wie eine Badeanstalt zu, wo Frauen (und Männer) per Definition viel nackte Haut zeigen.

Trotzdem führt es zu nichts, wenn wir jetzt anfangen, eine Verbotszone nach der anderen auszurufen und als Mehrheitsgesellschaft das zu imitieren, was sonst die Spezialität (rechter) Randgruppen ist: No-Go-Areas.

Out of Bounds, „Zutritt nur für ...“ – das hatten wir alles schon mal. Dem Miteinander hat es nicht gedient. Und wenn man einmal weiter denkt, was die Bornheimer in ihrem Schwimmbad jetzt zu praktizieren gedenken, wird einem ganz anders: Gesichtskontrollen (der sieht aber aus wie ein Flüchtling)? Schwimmen nur mit Personalausweis? Was ist der nächste Schritt? Getrennte Plätze in Bussen und Bahnen?

Die Probleme im Zusammenleben verschwinden nicht von selbst

Klar, jeder, dem bei solchen Szenarien unbehaglich zumute wird, sollte eine Idee haben, wie die Behörden denn sicherstellen sollen, dass niemand sich per se unwohl oder gar bedroht zu fühlen braucht, wenn er sich im öffentlichen Raum bewegt. Es wird – wie immer – auf mehr Personal und damit auf mehr Geld hinauslaufen müssen. Mehr Polizisten, verstärkte Aufsicht, intensiveres Einwirken auf die Flüchtlinge, und konsequentes Eingreifen bei Verstößen gegen Gesetze, Normen und die in unseren Breiten geltenden Umfangsformen. Wir alle werden uns darüber klar werden müssen, dass die Probleme im Zusammenleben nicht von selbst verschwinden, dass wir sie aber auch nicht – zusammen mit den Menschen – ausgrenzen und wegsperren können. An einer vermeintlichen Kleinigkeit wie dem Eintritt ins Hallenbad wird das wie im Brennglas deutlich.


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