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Berliner Zeitung | Kommentar zur Flüchtlingslage in Sachsen: Geschrei und Faustrecht regieren
21. February 2016
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Kommentar zur Flüchtlingslage in Sachsen: Geschrei und Faustrecht regieren

Das Ortsschild von Clausnitz wurde beschmiert.
Foto:

dpa

Die Szenen sind beschämend: In Bautzen brennt am Sonntagmorgen eine geplante Asylunterkunft, Betrunkene stehen daneben, johlen und klatschen, Männer hindern die Feuerwehr beim Löschen. Am Donnerstagabend belagert ein Mob einen Bus mit Flüchtlingen im Erzgebirgsdorf Clausnitz.

Im Bus weinen Frauen und Kinder, draußen grölt die Meute: „Verpisst Euch!“ Und dann zeigt ein Video, wie ein Polizist einen kleinen Jungen aus dem Bus zerrt und unter dem Beifallsgeschrei des Mobs ins Flüchtlingsheim schleppt. Im Nachhinein versucht der Bürgermeister sich rauszureden, Leute von außerhalb hätten die Dörfler aufgewiegelt. Und der Polizeichef meint, Flüchtlinge hätten den Mob provoziert.

In Bautzen hat eine Flüchtlingsunterkunft gebrannt.

Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft in Bautzen.

Foto:

dpa

Was sich derzeit in manchen Orten Sachsens abspielt, ist an Grobheit und Primitivität kaum noch zu überbieten. Clausnitz und Bautzen stehen beispielhaft für politische Lähmungserscheinungen, die sich seit Monaten in Sachsen ausbreiteten.

Wenn Politiker sich dem nicht stellen und wenn auf der anderen Seite kein Funke Bereitschaft mehr besteht, den gewählten Politikern zuzuhören und Argumente anzunehmen, dann ist Demokratie am Ende, dann regieren Geschrei und Faustrecht. Clausnitz – das ist der Blick in den Abgrund.


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