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Berliner Zeitung | Kommentar zur Nachfolge von Horst Seehofer: Ein Armutszeugnis für Seehofer
05. January 2016
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Kommentar zur Nachfolge von Horst Seehofer: Ein Armutszeugnis für Seehofer

CSU-Parteivorsitzender Horst Seehofer

CSU-Parteivorsitzender Horst Seehofer

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dpa

Der Nachfolger des bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer sollte nach Ansicht der bayerischen Wähler Horst Seehofer heißen. Rund zweieinhalb Jahre vor seinem angekündigten Abgang liegt Seehofer nach einer soeben veröffentlichten Umfrage mit kommodem Vorsprung vor seinen Nachfolgekandidaten.

Landesinnenminister Joachim Herrmann wünschen künftig 61 Prozent der Wähler eine herausragende Position, 60 Prozent Finanzminister Markus Söder, Wirtschaftsministerin Ilse Aigner 58 Prozent – Seehofer hingegen 66 Prozent. Das ist auf den ersten Blick eine gute Nachricht für Seehofer, der von seiner Popularität offenbar nicht eingebüßt hat, aber eine schlechte Nachricht für die CSU: Ein herausragender Kandidat für die Nachfolge Seehofers drängt sich nicht auf.

Tatsächlich ist es ein Armutszeugnis für den CSU-Vorsitzenden. Ihm ist es in den vergangenen Jahren nicht gelungen, einen jüngeren Politiker zu präsentieren, der der Parteibasis und den Wählern als neue Leitfigur einleuchten würde. Innenminister Herrmann hat die Strahlkraft einer defekten Glühbirne, Finanzminister Söder begreift Politik als Boxring, in dem er sich selbst als Schwergewicht versteht, aber bei näherer Betrachtung kaum als Halb-Mittelgewicht durchgeht, und von Wirtschaftsministerin Aigner weiß eigentlich niemand, warum ihr Name fällt, wenn von der Nachfolge Seehofers die Rede ist.

Wenn die CSU-Landesgruppe morgen zu ihrer Klausur in Wildbad Kreuth zusammenkommt, wird sich Seehofer für seine Erfolge in der Vergangenheit feiern lassen. Aber die entscheidende Aufgabe der Zukunft ist nicht gelöst. Seehofer wird ein guter Abgang nur gelingen, wenn das Publikum ihn nicht bemerkt, weil alle Augen sich schon auf den Nachfolger richten. Der aber ist nicht in Sicht.


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