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Krach von Flugzeugen gefährlich: So krank macht Fluglärm

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Anwohner des Müggelsees müssen mit dem Lärm startender Flugzeuge rechnen.
Anwohner des Müggelsees müssen mit dem Lärm startender Flugzeuge rechnen.
Foto: dapd
Berlin –  

Im Dauerstress: Der Krach von Flugzeugen ist besonders gefährlich – vor allem, wenn er nachts nicht nachlässt.

Klar, für unsere Vorfahren war es wichtig, ganz empfindlich auf Geräusche zu reagieren. Wenn die Jäger so durchs Gebüsch pirschten, dann waren natürlich die im Vorteil, die das Wild schon von Weitem grunzen hörten. Auch die Sammlerinnen, die heranschleichendes Raubgetier möglichst früh am Rascheln erkannten, hatten bessere Überlebensquoten. Besonders hilfreich war es, auch im Schlaf Geräusche wahrzunehmen: Wen ein Knistern im Unterholz weckte, der konnte dem einen oder anderen nächtlichen Angriff entfliehen.

Heute ist es leider umgekehrt: Unsere einst hilfreiche Lauschausstattung wird uns regelrecht zum Fluch. Unsere Körper sind so gebaut, dass Geräusche unser Nerven- und Hormonsystem aktivieren – auch nachts. Sie verändern unseren Blutdruck, die Herzfrequenz, den Kreislauf. Bei unseren Ahnen war es sinnvoll, dass Geräusche den Körper Stresshormone ausschütten ließen. Heute aber sind Menschen, die an Straßen, Schienen oder unter Flugrouten leben, einer Dauerbeschallung ausgesetzt, die zu – oft unbewussten – Dauerstress führt.

Umfrage

Mediziner fanden heraus, dass das auch im Schlaf der Fall ist und auch bei Personen, die glauben, sich an Lärm gewöhnt zu haben. Die Folgen, von Gehörschäden abgesehen: Herzerkrankungen, Herz-Kreislauf-Störungen wie Arterienverkalkung, Bluthochdruck und – wegen der Hormonstörungen – auch veränderte Blutfett und -zuckerwerte.

Die Menschen in Deutschland, das ergab eine repräsentative Umfrage des Umweltbundesamtes, empfinden Lärm inzwischen als eine der schlimmsten Umweltbelastungen. Die meisten davon fühlen sich von Verkehrslärm gestört: 55 Prozent der Deutschen leiden daheim unter der Beschallung des Straßenverkehrs, jeder Dritte fühlt sich von Fluglärm belästigt. „Hochgradig gestört“ sahen sich bundesweit fünf Millionen Menschen. Das ist brisant, weil der Krach der Flieger besonders gefährlich ist – vor allem, wenn er nachts nicht nachlässt.

Häufiger zum Arzt

Unabhängige Untersuchungen zeigen, dass Betroffene von nächtlichem Fluglärm deutlich häufiger zum Arzt gehen mussten und öfter Medizin gegen Herz- und Kreislauferkrankungen und – besonders die Frauen – gegen Depressionen verschrieben bekommen. Zudem sorgt Nachtfluglärm gehäuft für erhöhten Blutdruck. Schon ein Anstieg des nächtlichen Fluglärmpegels um 10 Dezibel im hörbaren Bereich erhöht das Risiko für Bluthochdruck um 14 Prozent. Das Umweltbundesamt, das als wissenschaftliche Behörde die Bundes- und Landespolitik darin berät, wie die Bevölkerung vor Lärm zu schützen ist, plädiert deshalb grundsätzlich für Nachtflugverbote.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat jüngst errechnet, dass allein die Westeuropäer jedes Jahr durch Verkehrslärm mehr als eine Million gesunden Lebensjahre einbüßen. Eine bizarre Rechnung, die aber zeigt: Nur durch Verschmutzung der Luft schaden wir Menschen unserer Gesundheit noch mehr als durch unseren eigenen Krach. Jeder dritte Westeuropäer ist dem Risiko ausgesetzt, wegen Straßen-, Flug-, Bahn- oder Industrie-lärm zu erkranken. Jeder fünfte ist sogar regelmäßig dem nächtlichem Lärm ausgesetzt, der krank machen kann.

Deutschland bildet da keine Ausnahme: Die Umfrage des Umweltbundesamtes ergab auch, dass sich ein Drittel der Deutschen bereits von Industrielärm und ein Fünftel vom Schienenverkehr belästigt fühlt. Doch die Experten verbreiten auch Optimismus: Technisch sei es möglich, bis 2015 den Schienen- und Straßenlärm durch verbesserte Fahrzeuge, Trassen und Straßen so stark zu verringern, dass die Kosten dafür geringer sein dürften als die Einsparungen, die durch weniger Lärmkranke im Gesundheitssystem anfallen.

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