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Syrien: Kurden im Kampf mit den IS-Milizen

Protestaktion von Kurden

In vielen deutschen und europäischen Städten haben Kurden mit Protestaktionen auf die verzweifelte Lage in Kobane aufmerksam gemacht.

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dpa

Kobane/Bagdad -

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) hat trotz heftiger Gegenwehr Teile der strategisch wichtigen Stadt Kobane in Nord-Syrien unter ihre Kontrolle gebracht. Die Extremisten hätten in der Nacht mehrere Gebäude im Südwesten eingenommen, berichtete der Chef der Syrischen Beobachterstelle für Menschenrechte, Rami Abdulrahman, am Dienstag. In den seit drei Wochen andauernden Kämpfen um Kobane seien mindestens 400 Menschen ums Leben gekommen. Kurdische Aktivisten erklärten, dass es den PKK-nahen kurdischen Volksschutzeinheiten gelungen sei, IS-Kämpfer aus einigen Straßenzügen zurückzudrängen. Es gebe schwere Kämpfe um jede Straße, hieß es.

Bislang wird die Stadt an der Grenze zum Nato-Mitglied Türkei von Kurden gehalten. Diese werden in ihrem Abwehrkampf unter anderem von der US-Luftwaffe unterstützt. Sollte Kobane fallen, würde der Islamische Staat (IS) seine Vorherrschaft in Nord-Syrien festigen.

Die Vertreterin der kurdischen Verwaltung, Asya Abdullah, bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters, es gebe heftige Kämpfe in den Randgebieten der Stadt. Am Morgen waren zwei Luftangriffe und Schusswechsel zu hören. Abdullah, die von Kobane aus mit Reuters telefonierte, sagte, die IS-Kämpfer hätten die Stadt mit schweren Waffen und Artilleriegranaten angegriffen.

Rund 2000 Kurden, darunter viele Frauen und Kinder, flüchteten am Dienstag auf die türkische Seite der Grenze. Insgesamt sind nach Expertenschätzungen etwa 180 000 Menschen aus der Region Kobane vor den vorrückenden IS-Kämpfern geflohen. Die kurdischen Volksschutzeinheiten erklärten Kobane nach Angaben eines Sprechers zur „Militärzone“. Nach UN-Angaben harren nur noch wenige Zivilisten in der Stadt aus. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte zuvor den Schutz der verbliebenen Menschen in Kobane verlangt. Man sei sehr besorgt um das Leben der in Kobane verbliebenen Menschen, hieß es. Die Dschihadisten des IS seien für ihre Grausamkeit berüchtigt. Die Kommandeure der kurdischen Einheiten in Kobane hätten Männer, Frauen und Kinder aufgefordert, über die Grenze in die sichere Türkei zu fliehen. UNHCR-Sprecher Adrian Edwards lobte die Bereitschaft der türkischen Behörden, die Menschen aufzunehmen.

Obwohl der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu letzte Woche angekündigt hat, alles zu unternehmen, um die Eroberung Kobanes durch den IS zu verhindern, gibt es bislang keine Anzeichen für eine türkische Intervention. Davutoglu machte vielmehr klar, dass die Bedingung für ein Eingreifen in die Kämpfe ein Sturz Assads sei. „Wir wollen das Regime nicht mehr an unserer Grenze haben“, sagte er dem Sender CNN. Wenn Assad in Damaskus mit seiner brutalen Politik an der Regierung bleibe, würden nach einem Sieg über den IS neue terroristische Organisationen entstehen. Allerdings riskiert Davutoglu so ein Wiederaufflammen des Konflikts mit der Kurdischen Arbeiterpartei PKK. Deren inhaftierter Chef Abdullah Öcalan hatte mit einem Ende des Friedensprozesses mit der türkischen Führung gedroht, sollte es in Kobane zu einem Massaker kommen.

(afp, dpa, rtr)


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