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Lariam : Malaria-Mittel macht Soldaten unkontrollierbar

Im Kampfeinsatz ist Lariam besonders gefährlich.

Im Kampfeinsatz ist Lariam besonders gefährlich.

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dapd

Tausende Bundeswehrsoldaten erhalten nach einem Medienbericht ein hoch umstrittenes Medikament zur Malaria-Vorbeugung.

Das Medikament Lariam könne das zentrale Nervensystem beeinträchtigen und unter anderem Psychosen, Angst, Halluzinationen, Panikattacken oder Depressionen auslösen, berichtete das ARD-Magazin Kontraste. Doch das Sanitätspersonal der Bundeswehr klärt dem Bericht zufolge häufig nicht über diese besonderen Nebenwirkungen auf.

"Jeder Vierte leidet unter psychischen Nebenwirkungen"

„Das Einzige, was mir gesagt wurde, war, dass man sich ein, zwei Tage sehr elend fühlt und sozusagen die Symptome eines grippalen Infekts auftreten würden“, sagte ein Soldat im Gespräch. Von psychischen Nebenwirkungen habe das medizinische Personal nie gesprochen.

In der US-Armee wird Lariam mit Selbstmorden in Verbindung gebracht. Jeder Vierte leide nach der Einnahme unter neuropsychischen Nebenwirkungen, sagte die Armee-Psychiaterin Elsbeth Rithie dem Magazin. „Das Risiko, Lariam weiter zu verwenden, ist zu hoch. Es gab einfach zu viele Vorfälle, als dass man es Soldaten mit ruhigem Gewissen geben könnte.“

Dem Bericht zufolge stand auch jener Soldat möglicherweise unter der Wirkung von Lariam , der im März in Afghanistan 17 Zivilisten tötete.

Ein irischer Soldat sagt, er habe sich nach der Einnahme von Lariam verfolgt und beobachtet gefühlt, er habe Schatten gesehen und leide bis heute unter Schlaflosigkeit.

Laut "Kontraste" lehnte die Bundeswehr ein Interview ab, räumte aber schriftlich ein, dass nach der Einnahme von Lariam "vorübergehende psychiotische Reaktionen" beobachtet wurden.

Laut Bundeswehr wird das Mittel gemäß den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationalen Gesundheit (DTG) eingesetzt, die Soldaten würden genau über mögliche Nebenwirkungen informiert.

Ein Ministeriumssprecher bestätigte, dass seit 2002 allein in Afghanistan zwischen 2000 und 10.000 Soldaten eine Malaria-Prophylaxe mit dem auf dem Wirkstoff Mefloquin basierenden Lariam erhalten hätten. Das Mittel habe sich als „gutes, komplikationsarmes Medikament“ bewährt. Gegenüber anderen Präparaten wie etwa Malarone sei vor allem die einmal wöchentliche Einnahme insbesondere im Einsatz ein Vorteil.

Das Verteidigungsministerium erklärte unter Berufung auf die Angaben des Lariam-Herstellers, psychotische Reaktionen träten bei der propylaktischen Anwendung nur mit einer Häufigkeit von etwa 1: 12.000 auf.

Die norwegische Armee gibt das Medikament dem Bericht zufolge bereits seit 2010 nicht mehr aus. In der niederländischen Armee wird Lariam nur noch in Ausnahmefällen verabreicht. (afp/jon)


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