Porträt des Bundespräsidenten Christian Wulff (links) in der Ahnengalerie im Haus der Geschichte in Bonn. Foto: dpa
Porträt des Bundespräsidenten Christian Wulff (links) in der Ahnengalerie im Haus der Geschichte in Bonn. Foto: dpa
Präsidentenwahlen waren bisher enorm machtpolitisch bestimmt. Nach zwei Pleiten ist die Zeit gekommen, mit dieser Tradition zu brechen.
Das also muss sie sein, die Staatskrise. Als der Bundespräsident Wulff im Dezember vergangenen Jahres zum Problempräsidenten wurde, war es – ausgerechnet – Sigmar Gabriel, der vor dem Rücktritt des Staatsoberhaupts warnte. Wenn zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren ein Bundespräsident vorzeitig aus dem Amt scheide, so der SPD-Chef, dann komme das einer „echten Staatskrise“ nahe.
Im Berliner Regierungsviertel plapperten andere das nach, und man konnte den Eindruck gewinnen, die Politik sorge sich parteiübergreifend um die Stabilität unserer Demokratie für den Fall, dass der bedauernswerte Wulff dem Druck einer wilden Medienmeute nicht standhalten könnte.
Heute ist von Staatskrise keine Rede mehr. Möglicherweise hatte auch der SPD-Vorsitzende inzwischen Gelegenheit, einen Blick ins Grundgesetz zu werfen. Artikel 54 besagt ziemlich lapidar, dass die Bundesversammlung innerhalb von dreißig Tagen einen neuen Präsidenten wählt, wenn der alte abhandenkommt. Und da jeder Deutsche, der das vierzigste Lebensjahr vollendet hat, wählbar ist, gibt es mehr als 40 Millionen potenzieller Kandidaten. Da wird sich doch ein brauchbarer finden.
Korrektur findet statt
Und jenseits aller Formalia: Was wäre das für ein Staat, der in die Krise gerät, weil sich herausstellt, dass er sich das falsche Oberhaupt gewählt hat? Die Demokratie hat die Fähigkeit sich zu korrigieren. Das tut sie gerade. Wulffs Rücktritt markiert das Ende einer politischen Krise, nicht den Beginn einer Staatskrise.
Die Rufe nach einem Rücktritt des Bundespräsidenten prallen offenbar viele Wochen an den Mauern des Schloss Bellevue ab.
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Doch dann will die Staatsanwaltschaft Hannover die Immunität des Bundespräsidenten aufheben lassen - wegen Verdachts der Vorteilsnahme.
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Wulff lässt eine Erklärung ankündigen. Kameras postieren sich vor dem Amtssitz.
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Mit großen Schritten tritt Christian Wulff, begleitet von seiner Frau Bettina, vor die Presse.
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"Ich habe Fehler gemacht, aber ich war immer aufrichtig", verteidigt er sich. Er habe sich rechtlich immer korrekt verhalten.
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Die Medienberichte hätten ihn und seine Frau verletzt, sagt Wulff. Er lobt seine Frau als menschliche Vertreterin des Landes.
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Sein Amt könne er nicht mehr angemessen ausüben. "Ich trete deswegen heute zurück, um den Weg für einen Nachfolger frei zu machen", sagt er.
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Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer übernimmt als derzeitiger Präsident des Bundesrates nun auch die Funktion des Staatsoberhaupts - kommissarisch.
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Abtritt Wulff.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel lobt Wulff, er habe in seiner Amtszeit bezüglich der Integration wichtige Impulse gesetzt. "Tatsächlich ist es eine Stärke unseres Rechtsstaates, dass er alle gleichstellt."
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Kanzlerin Merkel sagt, sie wolle nach dem Rücktritt des Bundepräsidenten einen gemeinsamen Kandidaten vorschlagen, der auch von SPD und Grünen unterstützt wird. Sie stellt damit Forderungen der FDP infrage, vorrangig einen Nachfolger aus der Koalition zu suchen.
Angemessen wäre es gleichwohl, wenn der Staat, vor allem die ihn tragenden Parteien, Konsequenzen aus der Causa Wulff ziehen würden. Die Wahl dieses Bundespräsidenten war, wie in anderen Fällen zuvor, Teil des politischen Machtkampfs. Christian Wulff war der Kandidat von Angela Merkel und ihrer schwarz-gelben Koalition. Die Kanzlerin setzte ihn durch, und sei es auch erst im dritten Wahlgang.
Das sollte signalisieren: Schwarz-Gelb ist handlungsfähig und kann Mehrheiten organisieren, also hat das Land eine stabile Regierung. So ähnlich war es schon, als sein Vorgänger Horst Köhler nominiert wurde, und auch frühere Präsidentenwahlen waren enorm (macht-)politische Entscheidungen.
"Ich habe den Rücktritt des Bundespräsidenten mit großem Respekt und persönlichem Bedauern zur Kenntnis genommen". Wulff habe in seiner Amtszeit bezüglich der Integration wichtige Impulse gesetzt. "Tatsächlich ist es eine Stärke unseres Rechtsstaates, dass er alle gleichstellt". Wulff stelle seine Überzeugung, dass er juristisch korrekt gehandelt hat, hinter das Amt zurück, so Merkel.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
Merkel will nach dem Rücktritt des Bundespräsidenten einen Kandidaten vorschlagen, der auch von SPD und Grünen unterstützt wird.
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Guido Westerwelle, Außenminister (FDP)
„Ich respektiere die Entscheidung des Herrn Bundespräsidenten. Wulffs großes Thema war die Integration von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religionen in Deutschland. Damit hat er sich nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland große Verdienste erworben."
Auf die Frage nach dem Einfluss der Wulff-Affäre auf das Deutschland-Bild im Ausland sagte Westerwelle: „Deutschland genießt eine sehr hohes Ansehen in der Welt, auch und gerade, weil wir wissen, wie man mit schwierigen Situationen umgeht.“ Die demokratischen Institutionen in Deutschland seien zuverlässig. „Das weiß man in der Welt.“
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Andrea Nahles, SPD-Generalsekretärin
„Ich bin erleichtert über die Entscheidung von Christian Wulff. Dieser Schritt war notwendig und längst überfällig.“
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Horst Seehofer, bayerischer CSU-Ministerpräsident
„Mit diesem Schritt rückt Christian Wulff die Würde und die Bedeutung des höchsten Staatsamtes an die erste Stelle. Niemand hat sich diesen bedauerlichen Gang der Dinge gewünscht.“
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Grünen-Fraktionschefs Künast und Trittin
„Wir sind erleichtert, dass Christian Wulff mit seinem Rücktritt das Land von quälenden Debatten erlöst hat“, erklärten die Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin.
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Philip Rösler, FDP-Bundesvorsitzender
Der FDP-Bundesvorsitzende Rösler hat den Rücktritt Wulffs mit „größtem Respekt“ zur Kenntnis genommen. Wulff ziehe damit die notwendigen Konsequenzen aus dieser „schwierigen Situation“. So könne weiterer Schaden vom höchsten Staatsamt fern gehalten werden. „Wir danken Christian Wulff für seine Arbeit als Bundespräsident“, so Rösler.
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Bernd Schlömer, Vize-Chef Piratenpartei
„Unabhängig vom Rücktritt muss es zur gründlichen Aufklärung der Vorwürfe kommen. Hunderttausende Beschäftigte des öffentlichen Dienstes - Beamte, Arbeitnehmer, Soldaten - sind mit schärfsten Sanktionen bedroht, falls sie beispielsweise Vorteile bei der Gewährung von Krediten zulassen, die sich auf die Ausübung ihrer Tätigkeit oder ihres Amtes zurückführen lassen.“
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Lötzsch, Ernst und Gysi, Die Linke
Die Partei- und Fraktionschefs der Linken, Gesine Lötzsch, Klaus Ernst und Gregor Gysi, sehen das Amt des Bundespräsidenten als beschädigt. "Der Rücktritt von Herrn Wulff war notwendig, aber kam spät. Aufgeklärt und unterbunden werden muss die Verquickung zwischen Wirtschaft und Politik." teilten die drei Politiker mit.
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Claudia Roth, Grünen-Vorsitzende
„Die Affäre Wulff hat das Land belastet. Auch im Rücktritt zeigt sich Christian Wulff wenig einsichtig. Sein Nachfolger muss jetzt das leisten, was Herr Wulff nicht mehr leisten konnte, nämlich dieses Land nach innen und nach außen demokratisch zu vertreten“.
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Wolfgang Kubicki, FDP-Fraktionsvorsitzender
Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef Kubicki hat sich nach Wulffs Rücktritt für Joachim Gauck als neuen Bundespräsidenten stark gemacht. Schon bei der letzten Präsidentenwahl seien dem rot-grünen Kandidaten Gauck bis ins Koalitionslager hinein große Sympathien entgegen gebracht worden, sagte Kubicki am Freitag dem ZDF. Er hoffe er auf einen parteiübergreifenden Kandidaten. „Ich würde mir wünschen, dass es kein langes Gezerre gibt.“
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Kurt Beck, SPD-Ministerpräsident Rheinland-Pfalz
Der Regierungschef sprach von einem „denkwürdigen Tag“ und vermied Kritik an Wulff. „Ich glaube aber, dass nach dieser Entscheidung, die sicher richtig gewesen ist, nicht der Rückblick das Wichtige ist, sondern dass man Anerkennung für das Geleistete sagen sollte.“ Nachtreten sei jetzt nicht angesagt.
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Jörg-Uwe Hahn, FDP-Vorsitzender Hessen
Der hessische FDP-Vorsitzende Hahn hat den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff als bedauerlich, aber dringend notwendig bezeichnet. „Es war eine tragische Entwicklung - sie hat heute das notwendige Ende genommen“ Das Krisenmanagement der vergangenen Monate habe die Glaubwürdigkeit des Bundespräsidenten beschädigt.
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Klaus Wowereit, stellv. SPD-Vorsitzender in Berlin
Berlins Regierender Bürgermeister, der stellvertretende SPD-Vorsitzende Klaus Wowereit, hat den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff als „nach der Entwicklung der vergangenen Monate unvermeidlich“ bezeichnet. „Deutschland braucht jetzt einen Präsidenten, der sich auf ein breites Vertrauen stützen kann. Deshalb ist es wichtig, eine Konsenskandidatur zu finden."
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Björn Thümler, CDU-Fraktionsvorsitzender
Nach dem Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff hat die CDU-Fraktion in seiner niedersächsischen Heimat vor allem die Erfolge Wulffs betont. Thümler sagte, Wulff sei ein "in der Bevölkerung sehr beliebtes und im Ausland anerkanntes Staatsoberhaupt" gewesen. "Er hat für Deutschland und vor allem für Niedersachsen viel geleistet."
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Daniel Köbler, Fraktionschef der Grünen in Rheinland-Pfalz
"Der Rücktritt (...) war überfällig. Die zähe Debatte der letzten Wochen, das Auftauchen immer neuer Verdachtsfälle haben dem Amt des Bundespräsidenten schwer geschadet. Die Aufhebung der Immunität und staatsanwaltliche Ermittlungen sind mit der Würde des Amtes nicht zu vereinbaren." Köbler plädiert ebenfalls für eine parteiübergreifende Suche nach einem Nachfolger von Wulff. „Nur so lässt sich der am Amt entstandene Schaden beheben.“
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Journalist Michel Friedmann
"Man kann [leider] sagen, er ist sich treu geblieben." Friedmann spielt darauf an, dass Wulff nicht näher auf seinen Vertrauensverlust eingegangen war.
Professor Klaus Schroeder sagt auf dem Nachrichtensender N-TV: "Ich hätte mehr Einsicht erwartet". Offenbar halte Wulff weiter für selbstverständlich, wie er sich verhalten hat. Der Auftritt am Freitagvormittag sei peinlich gewesen.
Nach zwei Pleiten ist die Zeit gekommen, mit dieser Tradition zu brechen. Es spricht alles dafür, für die Wahl des elften Präsidenten nicht einen Kandidaten des Regierungslagers zu nominieren, auch nicht einen der Opposition. Sondern einen gemeinsamen, der schon vor seiner Wahl Ansehen über alle ideologischen Grenzen hinweg besitzt. Er sollte mit gesundem Menschenverstand seine Reden formulieren, er muss dabei kein intellektuelles Feuerwerk abbrennen.
Wir wollen keinen Scheinheiligen
Er muss kein Moralist sein, aber er sollte ein Gefühl für Anstand und Moral haben. Wir brauchen keinen Heiligen, aber wir wollen keinen Scheinheiligen. Einen Präsidenten, der den Dialog mit den Spitzen der Wirtschaft pflegt, ebenso wie den mit den Gewerkschaften, der mit den Kirchenoberen im Gespräch ist, mit Künstlern, mit Wissenschaftlern, mit Sportlern, mit ganz normalen Menschen. Einer, der zur Nähe fähig ist, aber Distanz zu wahren weiß. Ein Mann, oder eine Frau, egal. Bloß kein Wulff.
Wer passt auf dieses Profil? Falls alle, die jetzt genannt werden, und ein paar andere dazu. Natürlich Klaus Töpfer, der grüne Christdemokrat, der national und international hohes Ansehen genießt. Oder Ursula von der Leyen, eine kluge und eigenwillige Frau. Oder Joachim Gauck, den Sozialdemokraten und Grüne schon einmal ins Rennen schickten. Oder die Grüne Katrin Göring-Eckardt, oder der Christdemokrat Norbert Lammert, oder der Sozialdemokrat Wolfgang Thierse.
Dieses Land ist doch nicht arm an Köpfen, die in der Lage wären, Staat und Gesellschaft angemessen zu repräsentieren. Keine Staatskrise also, vielmehr die Chance, dem zweifellos beschädigten Amt wieder Respekt und Ansehen zu verschaffen.
Auch der Name Petra Roth fällt in den Verhandlungen über die Nachfolge von Christian Wulff. Die CDU-Politikerin gibt ihr Amt als Frankfurter Oberbürgermeisterin in Kürze ab.
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Der frühere Bischof Wolfgang Huber ist ebenfalls im Gespräch als Wulff-Nachfolger. Der einstige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zählt zu den intellektuellen Vordenkern und bekanntesten Wortführern des deutschen Protestantismus.
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Klaus Töpfer von der CDU war 2010 von Rot-Grün gefragt worden, ob er als Bundespräsident kandidieren wolle - er winkte ab, aus Rücksicht auf seine Partei. Er würde als Staatsoberhaupt weit ins Unions- und Grünen-Lager ausstrahlen.
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Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) war vor eineinhalb Jahren schon einmal als mögliche Bundespräsidentin im Gespräch. Wegen früherer Netzsperren machte sich „Zensursula“ aber bei Teilen der FDP unbeliebt und verstörte mit ihrer modernen Familienpolitik die Konservativen in der Union.
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Joachim Gauck verlor bei der vergangenen Bundespräsidenten-Wahl im dritten Wahlgang gegen Christian Wulff. Merkel schätzt den Bürgerrechtler nach eigenen Angaben "persönlich sehr". Im Falle seiner Kandidatur würden SPD und Linke wahrscheinlich keinen Gegenkandidaten aufstellen.
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Verteidigungsminister Thomas de Maizière wird als denkbarer Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten gehandelt. Allerdings kann die CDU kaum auf ihn als Kanzler-Reserve verzichten.
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gilt in der FDP wegen seines hinhaltenden Widerstands gegen Steuersenkungen als kaum vermittelbar und hat sich überdies mit der öffentlichen Bloßstellung seines Ex-Sprechers menschlich angreifbar gemacht.
Für das höchste Amt geeignet wäre sicher Bundestagspräsident Norbert Lammert, der an seinen Ambitionen in der Vergangenheit wenig Zweifel ließ. Doch hat der querköpfige Politiker mit seiner Kritik an Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg, den Zweifeln an der rechtlichen Grundlage des Atomausstiegs und dem Protest gegen die Missachtung des Parlaments bei der Euro-Rettung möglicherweise zu viele Unionisten gegen sich aufgebracht. Angeblich hat Lammert bereits abgesagt.
Johannes Rau (1999-2004), langjähriger NRW -Regierungschef (SPD), galt als versöhnender Charakter. Er machte deutlich, dass er nicht nur Präsident aller Deutschen, sondern auch Ansprechpartner für alle Bürger ausländischer Herkunft in Deutschland sein wolle. Eindringlich warb er für Toleranz und die Integration von Minderheiten. Schon 2003 kündigte er an, sich nicht mehr zur Wiederwahl stellen zu wollen - ob aus gesundheitlichen Gründen oder weil Rot-Grün keine Mehrheit in der Bundesversammlung hatte, ist unklar.
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Roman Herzog (1994-1999), früherer Präsident des Bundesverfassungsgerichts, trat überraschend als Unionskandidat an - verzichtete aber schon vrab auf eine zweite Amtszeit. Er warb bald nach seiner Amtsübernahme für Berlin als Regierungssitz. Seine Bürgernähe brachten dem Christdemokraten Anerkennung. Innenpolitisch bedeutsam war seine Berliner Rede im April 1997, in der er Stillstand in Politik und Gesellschaft anprangerte. Herzog mahnte damals: "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen."
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Richard von Weizsäcker (1984-1994), erwarb sich den Ruf als Gewissen der Nation. Unvergessen bleibt seine Rede zum 8. Mai 1985, dem 40. Jahrestag des Kriegsendes, in der er sich bedingungslos zur historischen Schuld der Deutschen bekannte. Der Christdemokrat (hier mit dem damaligen KPdSU-Chef Michail Gorbatschow) engagierte sich für die Aussöhnung mit dem Osten. Später mahnte er zur Behutsamkeit beim Zusammenwachsen von DDR und Bundesrepublik. Eine dritte Amtszeit des beliebten Staatsoberhauptes ließ das Grundgesetz nicht zu.
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Karl Carstens (1979-84), war ein Verfechter konservativer Werte wie Fleiß und Pflichtbewusstsein, Familie und Nationalstolz. Ungeachtet seines spröden hanseatischen Naturells bemühte sich der CDU-Politiker um engen Kontakt zur Bevölkerung. Während seiner Amtszeit legte er über 1500 Kilometer in Wanderschuhen zurück - weshalb er auch "Spaziergänger der Nation" und "Wanderpräsident" genannt wurde. Wie andere vor ihm verzichtete er aus Altersgründen auf eine zweite Amtszeit.
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Walter Scheel (1974-79), kam als zweiter Liberaler an die Spitze des Staates. Das volkstümliche Staatsoberhaupt scheute sich nicht, "Hoch auf dem gelben Wagen" zu sitzen und zu singen. Als Präsident setzte er sich wie zuvor als Außenminister für die Ostpolitik ein. Deutschland werde die Fehler und Verbrechen der Vergangenheit nie wiederholen, versicherte er stets. 1974 hatte Scheel sich noch gegen den CDU-Kandidaten Richard von Weizsäcker durchsetzen können. Fünf Jahre später sprachen die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag eindeutig für die CDU - Scheel verzichtete auf eine Wiederwahl.
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Gustav Heinemann (1969-74), war ein eher wortkarger Bundespräsident. Der Sozialdemokrat wurde mit den Stimmen der damals oppositionellen FDP in das höchste Staatsamt gewählt, ein Vorzeichen für die später gebildete Regierungskoalition von SPD und FDP. Heinemann wirkte streng, doch er galt als Vorbild für moralische Integrität. Nach einer Amtsperiode verzichtete er aus Gesundheits- und Altersgründen darauf, sich zur Wiederwahl zu stellen.
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Heinrich Lübke (1959-69), legte einen Schwerpunkt auf die Entwicklungshilfe. Der Sohn eines Schuhmachers besuchte 35 Staaten. Für das höchste Amt hatte sich der CDU-Politiker widerstrebend zur Verfügung gestellt, denn er hielt sich für wenig geeignet. 1966 wurden erstmals Vorwürfe gegen Lübke laut, er habe in der NS-Zeit als oberster Bauleiter an einem mit Zwangsarbeitern betriebenen Raketenwaffen-Programm mitgewirkt. Lübke erklärte im Oktober 1968 vorzeitig seinen Rücktritt - und ist damit neben Horst Köhler erst der zweite Präsident, der vorzeitig aus dem Amt schied -, damit die Wahl seines Nachfolgers noch vor dem Start des Bundestagswahlkampfs erfolgen konnte. Offiziell erfolgte seine Demission allerdings erst zum Ende der zweiten Amtsperiode am 30. Juni 1969.
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Theodor Heuss war von 1949 bis 1959 erster Präsident der BRD. Er galt als Glücksfall für die junge Republik. Ihm ist zu verdanken, dass das Bundespräsidenten-Amt zu hohem Ansehen gelangte. Der Liberale schaffte es, in der Welt Vorurteile gegenüber den Deutschen abzubauen. 1959 wurde sogar erwogen, ihm durch eine Grundgesetzänderung eine dritte Amtszeit zu ermöglichen. Heuss lehnte ab, um keinen Präzedenzfall zu schaffen.
Horst Köhler (2004-2010) kam vom Chefsessel des IWF ins Amt des Staatsoberhaupts. Obwohl er sich häufig zu aktuellen politischen Fragen äußerte und dabei auch im eigenen konservativen Lager aneckte, setzte er sich 2009 bei der Wiederwahl erneut gegen Gesine Schwan durch. Köhler fiel besonders mit seinem Afrika-Engagement auf. 2010 ging er auf Distanz zur schwarz-gelben Regierung und erklärte am 31. Mai 2010 überraschend seinen Rücktritt - das hatte vor ihm erst ein Bundespräsident getan. Auslöser war die heftige Kritik an Köhlers Äußerungen zu den Bundeswehr-Einsätzen in Afghanistan.
Und Christian Wulff, seine Frau, seine Familie? Für ihn wird es schon schwieriger, Respekt und Ansehen zurückzugewinnen. Der Mann hat sich selbst unmöglich gemacht, es waren ja nicht die Medien oder böswillige Staatsanwälte. Aber eine zweite Chance hat auch er verdient. Er müsste uns allerdings überraschen, zum Beispiel mit einer ganz unprätentiösen Erklärung etwa dieser Art:
„Bundespräsidenten erhalten nach dem Ende ihrer Amtszeit einen stattlichen Ehrensold und genießen eine Reihe anderer Privilegien. Da ich nicht einmal zwei Jahre im Amt war und erst Anfang fünfzig und gesund bin, möchte ich für meinen Lebensunterhalt selbst sorgen und nicht die Steuerzahler auf Jahrzehnte hinaus belasten.“
Respekt, Herr Wulff, könnten wir dann sagen. Aber das wird wohl nichts.
Bundespräsident Christian Wulff: Eine Amtszeit in Zitaten
„Aus Niederlagen habe ich immer mehr gelernt als aus Siegen.“ (Der neu gewählte Bundespräsident Christian Wulff am 30. Juni 2010 in seiner ersten Rede als Staatsoberhaupt zum Ende der 14. Bundesversammlung, in der er drei Wahlgänge brauchte)
„Ich bin dankbar dafür, nun in diesem Amt dienen zu dürfen.“ (Wulff am 2. Juli 2010 in Berlin nach Ablegen seines Amtseides)
„Auf das Amt des Bundespräsidenten kann man nicht hinarbeiten. Dafür kann man sich nicht bewerben. Man kann dann, wenn sich die Chance bietet, beherzt zugreifen: Das habe ich gemacht und es bisher keine Sekunde bereut.“ (Wulff am 1. September 2010 in der Dresden erscheinenden „Sächsischen Zeitung“)
„Wir sind ein Volk“! Dieser Ruf der Einheit muss heute eine Einladung sein an alle, die hier leben."
“Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland." (Wulff am 3. Oktober 2010 in Bremen auf dem Zentralen Festakt zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung)
“Das Christentum gehört zweifelsfrei zur Türkei." (Wulff am 19. Oktober 2010 in seiner Rede vor dem türkischen Parlament in Ankara)
“Religion ist keine Lizenz zum Töten." (Wulff am 11. September 2011 bei der Eröffnung der Internationalen Friedenstage in München)
“Wir brauchen nicht Wutbürger, sondern mehr Mutbürger" (Wulff am 24. Februar 2011 auf der Veranstaltung “Biedermeier oder Bürgertum - Neues Miteinander in der Gesellschaft in Berlin)
"Was voller Hoffnung als Arabischer Frühling begonnen hat, darf nicht als Herbst der Enttäuschung enden." (Wulff am 22. November 2011 in Berlin bei der Verleihung des Roland-Berger-Preises für Menschenwürde)
“Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte. Ich bedauere das. Es wäre besser gewesen, wenn ich auf die Anfrage der niedersächsischen Abgeordneten im Landtag über die konkreten Fragen hinaus auch diesen privaten Vertrag mit Frau Geerkens erwähnt hätte, denn in der Sache hatte und habe ich nichts zu verbergen." (Wulff am 15. Dezember 2011 in einer Erklärung über den Privatkredit des Unternehmerpaares Geerkens zur Finanzierung seines Hauses)
“Man muss selber wissen, was man macht, und das muss man verantworten. Das kann ich. Und das ist das Entscheidende." (Wulff am 17. Dezember 2011 im Hörfunksender MDR Info)
“Das war nicht gradlinig, und das tut mir leid." “Ich sage aber auch deutlich, zu keinem Zeitpunkt habe ich in einem meiner öffentlichen Ämter jemandem einen unberechtigten Vorteil gewährt." “Ich weiß um meine Verantwortung als Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Ich werde das Amt auch in Zukunft gewissenhaft und mit ganzer Kraft ausfüllen." (Wulff am 22. Dezember 2011 in einer Stellungnahme im Schloss Bellevue zu seinem Agieren in der Affäre)
„Ich möchte nach fünf Jahren eine Bilanz vorlegen, dass ich ein guter, erfolgreicher Bundespräsident war.“ „Der Anruf bei dem Chefredakteur der 'Bild'-Zeitung war ein schwerer Fehler, der mit leidtut, für den ich mich entschuldige.“ (Wulff am 4. Januar 2012 in einem Interview mit den Fernsehsendern ARD und ZDF)
„Die letzten Tage waren jedenfalls so - die letzten Wochen -, dass man in meinem Leben jedenfalls das sich nicht noch einmal zumuten muss. Also insofern denke ich mal, werden Sie Verständnis dafür haben, dass ich mich freue, dass das Jahr 2012 jetzt losgeht und man sich wieder seinen eigentlichen Aufgaben zuwenden kann.“ (Wulff am 6. Januar 2012 beim Empfang der Sternsinger im Berliner Schloss Bellevue auf die Frage, wie er sich fühle)
„Unser Land, die Bundesrepublik Deutschland, braucht einen Präsidenten, der sich uneingeschränkt diesen und anderen nationalen, sowie den gewaltigen internationalen Herausforderungen widmen kann. Einen Präsidenten, der vom Vertrauen nicht nur einer Mehrheit, sondern einer breiten Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger getragen wird. Die Entwicklung der vergangenen Tage und Wochen hat gezeigt, dass dieses Vertrauen, und damit meine Wirkungsmöglichkeiten, nachhaltig beeinträchtigt sind. Aus diesem Grund wird es mir nicht mehr möglich, das Amt des Bundespräsidenten nach innen und nach außen so wahrzunehmen, wie es notwendig ist. Ich trete deshalb heute vom Amt des Bundespräsidenten zurück, um den Weg zügig für die Nachfolge freizumachen.“ (Wulff am 17. Februar 2012 in seiner Rücktrittserklärung)
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