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Machtkampf am Gazastreifen: Israel fliegt Luftangriff auf Gaza

Isreal bebombt Gaza.

Ein Junge kehrt die Schäden der Bombardierung auf. Die israelische Luftwaffe attackierte terroristische Ziele in Gaza.

Foto:

AFP

Jerusalem -

Die israelische Luftwaffe hat am Donnerstagmorgen  zur „terroristischen Infrastruktur“ gerechnete Ziele in Gaza bombardiert, nachdem wenige Stunden zuvor zwei palästinensische Raketen im Negev eingeschlagen waren. Menschen kamen nicht zu Schaden. Aber schon die ausgelösten Alarmsirenen in Israels Süden weckten Ängste vor einem neuen Gaza-Krieg. Man werde keinerlei Provokation tolerieren, warnte Verteidigungsminister Mosche Jaalon. Egal wer hinter dem Beschuss stecke, die Hamas sei „verantwortlich dafür, was im Gazastreifen passiert“.

Doch die Lage vor Ort ist weit komplexer. Nach Einschätzung der Armee ging der Raketenabschuss auf das Konto einer salafistischen Splittergruppe, die weniger Israel als die Hamas herausfordern wollte. Die mit dem IS (Islamischer Staat) sympathisierende Gruppe namens „Omar Brigaden“ gab auf Twitter den Angriff als Vergeltung für den Tod eines Kommandanten aus, der am Vortag von der Hamas exekutiert worden sei. Zudem hatten Salafisten in Gaza der Hamas ein Ultimatum gestellt, um inhaftierte Mitglieder frei zu pressen.

Warten auf den Wiederaufbau

Die Islamisten der Hamas, die neben ihrem politischen auch einen militärischen Flügel unterhält, sind zwar stärkste Kraft in Gaza. Aber unangefochten ist ihr Monopol nicht. Zumal die Hamas kaum noch Gehälter zahlen kann, da Gelder aus Iran ausbleiben, und sich mit immer höheren Steuern unbeliebt macht. Die moderate Palästinenser-Führung in Ramallah wiederum will der Hamas nicht aus der finanziellen wie politischen Sackgasse helfen. Und so warten in dem überbevölkerten Küstenstreifen 1,8 Millionen Palästinenser bislang vergebens auf den nach dem Krieg vom Sommer 2014 versprochenen Wiederaufbau und eine Öffnung der Blockade. Die aussichtslose Lage treibt gerade junge Männer in die Armee jener, die noch radikaler als die Hamas sind.

Der israelische Sicherheitsexperte Ehud Jaari jedenfalls sieht in der Hamas das kleinere Übel. Sie sei derzeit, genauso wie Israel, nicht an einer Eskalation interessiert. Spekuliert wird, dass beide Seiten längst über geheime Kontakte miteinander verhandeln. Die Hamas wäre unter bestimmten Bedingungen zu einem langfristigen Waffenstillstand bereit, etwa wenn Israel dem Bau eines Seehafens für Gaza zustimmt. Jaari ist überzeugt,  dass ein solches Projekt „in zwei, drei Monaten auf dem Tisch liegen wird“.