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Malala Yousafzai: Ein hoher Preis für sehr viel Mut

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Malala Yousafzai,Taliban-Opfer, gab ihr erstes Interview.
Malala Yousafzai,Taliban-Opfer, gab ihr erstes Interview.
Foto: dpa

Die 15-jährige Malala, die im Oktober 2012 im pakistanischen Swat-Tal von einem Taliban in den Kopf geschossen wurde, ist auf dem Wege der Besserung. Nun hat sie gute Chancen auf den Friedensnobelpreis.

Die 15-Jährige hat jetzt eine Titanplatte im Kopf, die ihr Hirn schützen soll. Und sie hat ein elektronisches Gerät im Ohr, mit dem sie wieder hören lernen kann. Beides wurde Malala Yousafzai bei der – vorerst – letzten Operation am Sonnabend in einem Krankenhaus im britischen Birmingham implantiert. Was in dem Körper des Mädchens sonst noch ersetzt, repariert und ergänzt wurde, um ihr Leben zu retten – das möchte wohl niemand so genau wissen. Im Oktober 2012 hatten Taliban im pakistanischen Swat-Tal den Schulbus überfallen, in dem Malala Yousafzai saß, und ihr mehrere Kugeln in Kopf und Hals geschossen. Die Gotteskrieger hassten das Kind: Seit 2008 hatte Malala Yousafzai in einem Blog über die Gewaltexzesse der Taliban im Grenzgebiet zu Afghanistan berichtet und sich für die Bildung von Mädchen eingesetzt.

Die junge Aktivistin überlebte das Attentat schwer verletzt – und für immer gezeichnet. Sie wurde zu einem Symbol für Mut und Unerschrockenheit, nicht nur für die Mädchen und Frauen in Pakistan. Vor der Operation am Sonnabend hat sie in einem Video angekündigt, dass sie sich weiter für die Rechte und Bildungschancen für Mädchen einsetzen will. „Mir geht es besser“, sagte sie – und dass sie Gott für ihr zweites Leben danke. Seit Freitag ist sie sogar als Kandidatin für den Friedensnobelpreis nominiert.

Blog für die BBC

Malala stammt aus einer der schönsten, aber auch gefährlichsten und insbesondere für Frauen unfreundlichsten Gegenden dieser Welt. Im pakistanischen Swat-Tal übernahmen immer stärker Großgrundbesitzer, Stammesführer und islamische Kleriker die Herrschaft. 2007 kam es noch schlimmer, als radikale Islamisten die Macht an sich rissen. Wie ihre afghanischen Brüder verabscheuten sie Musik, Tanz und vor allem Frauen und Mädchen, die zur Schule gehen oder sich frei bewegen. Warum gerade die damals zehnjährige Malala beschloss, sich das nicht widerstandslos gefallen zu lassen, liegt im Dunkeln. Aber ihre Familie hat sie offenbar unterstützt: 2008 jedenfalls richtete sie ihren Blog auf der Webseite der BBC ein, sie gab Interviews, organisierte den Protest gegen die Schließung einer Mädchenschule – was die Taliban als Anlass für den Anschlag nahmen.

Zu diesem Zeitpunkt hatten zwar Regierung und Armee bereits die Kontrolle über das Tal wiedergewonnen und mit großem finanziellen Aufwand auch Entwicklungsprojekte angeschoben. Doch die Bildung der Mädchen stand nicht oben auf ihrer Agenda. Und Malala Yousafzai bekam 2011 zwar den ersten Friedenspreis in Pakistan, aber weder Armee noch Polizei haben sie schützen wollen oder können. Der Preis, den sie für ihr mutiges Engagement gezahlt hat, ist hoch.

Trotzdem haben sie und ihr Anliegen enorm gewonnen: Im Swat-Tal wie in ganz Pakistan gründeten Mädchen und Frauen ähnliche Initiativen, die Regierung startete landesweit neue Bildungsprogramme. Die Taliban aber verloren massiv an Einfluss und Unterstützung. Malala wäre eine würdige Friedensnobelpreisträgerin. Ihre Chancen, heißt es, stünden sehr gut.

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